Rockbar - Der Indie-Stammtisch mit Mark Kowarsch

Mit den Gästen Wolfgang Möstl & Tjian

Willkommen zur ersten Ausgabe von „Rockbar - Der Indie-Stammtisch“. Jeden Monat werden neue Platten von Mark Kowarsch (Tortuga Bar, Sharon Stoned, EIektrosushi, Speed Niggs) und regelmäßig wechselnder Musikprominenz aufs Korn und unter die Lupe genommen. Heute zu Gast: Wolfgang Möstl – Österreichs Antwort auf Thurston Moore und Mastermind von Mile Me Deaf & Killed By 9V Batteries.

Mark Kowarsch
Mark Kowarsch

Mark Kowarsch: "Der Hans Meiser des Lo-Fi" (Stefan Raab)

Nach 5 Flaschen Eierlikör und einem Cocktail aus Frostschutzmittel, Angel Dust und Krokodil trafen sich die Herren Backstage im K4 in Nürnberg, um sich zusammen sechs neue Platten anzuhören und für euch zu bewerten und kommentieren – außerdem dabei – der Nürnberger Lo-Fi Künstler TJIAN, der auch manchmal Zeit fand, seine Meinung zu sagen, wenn er nicht gerade Schnaps holen oder Mark und Wolfgangs Haare halten mußte, wenn sie sich übergeben haben.

Du Blonde - "Welcome Back To Milk" (Mute)

Tjian: Die Platte geht sehr schweinerockig los, überrascht dann aber sehr mit dem artrockigem „Mind is on my mind“. Großartig finde ich „raw Honey“ mit den Klavierbrüchen. 

Wolfgang: Gefällt eigentlich sehr gut, ist mir teilweise aber zu klassisch rockig. Großartig passende Produktion.

Mark: Hier gefällt mir ganz besonders das Gesamtkonzept. Frontfrau Beth Jeans Houghton nackt auf dem Cover, bombastisches Video, Metal-Schriftzug, eine Promo-Kassette (!) und eine unglaublich fette Produktion von „Grinderman“-Jim Sclavunos – mein erster Eindruck war: „Die wollen es wissen!!“ Ist auf jeden Fall ein tolles Album, „Black Flag“ ein richtiger Hit!!

Black Rebel Motorcycle Club "Live In Paris" (3 Disc Set - Abstract Dragon/PIAS)

Wolfgang: Mochte die Band mal ganz gern. Beim ersten Album. Hab dannach den Draht dazu verloren. Hab sie einmal auf einem Festival live gesehen, das war die größte Enttäuschung ever - irgendwas mit deren Stromadaptern dürfte nicht funktioniert haben - die Hälfte der Zeit standen sie auf der Bühne rum und versuchten das in den Griff zu bekommen und spielten nachdem nichts funktionierte halbherzig drei Akustiknummern. Die "echten" Live Versionen klingen fett und "Spread Your Love" ist noch immer einer der besten Rocksongs der Nullerjahre.

Mark: Eine richtig „fette“ Produktion, ich versuche hier trotzdem die „Notwendigkeit“ zu verstehen. Pluspunkt auf jeden Fall ist die Live-DVD zu den beiden Live-CD's. Ich fand auch ihr erstes Album toll, die haben mich immer an Red Lorry Yellow Lorry erinnert – aber für mich sind 24 BRMC-Livesongs einfach „too much“. Aber „Spread your Love“ und „Whatever happened to my Rock'n'Roll“ sind toll!

Villagers "Darling Arithmetic"

Wolfgang: Ur faad. Ich werd diese Musik nie verstehen. Ich dachte immer mit spätestens dreißig gefällt mir sowas, aber ich müsste schon hundert Jahre alt werden damit ich mir so etwas belangloses und trotzdem unglaublich nerviges anhören kann ohne dass es mir die Zehennägel aufstellt.

Wolfgang Möstl
Wolfgang Möstl

Wolfgang Möstl von Killed By 9V Batteries

Mark: Hä? Was meinste denn mit „diese Musik“, Wölfi? Also ich hatte schon vor einigen Wochen die „Courage“-Vorabsingle dieses Albums, und die hat mich einfach umgehauen. Filigraner zerbrechlicher Country mit unglaublichen Vocals. Wahnsinn, und „Courage“ ist einfach ein toller Song!! Daher habe ich mich sehr auf das komplette Album gefreut. Leider kann „Darling Arithmetic“ das hohe Niveau nicht halten, aber trotzdem: Hört da bitte mal rein!

Tjian: Hier versteht jemand sein Handwerk schon sehr. Wunderbar arrangierte Folksongperlen, die man sich, um allen Singersongwriterklischées gerecht zu werden, im New York der Anfang 60er vorstellen will. Alles nicht neu, aber rundum schön und schön melancholisch ist das Ganze.

Faith No More "Sol Invictus" (Reclamation/Ipecac/PIAS)

Tjian: Mike Patton habe ich bisher nur aus Kollaboration mit Björk richtig mitbekommen. Faith no more habe ich nie kapiert. Daran ändert das Album grundsätzlich nichts. Großes Drama ist aber auf der "Sol invictus" schon geboten.

Wolfgang: Ganz geil! Ich find Faith No More generell ziemlich gut. Die musikalische Diversität Mike Pattons hat mich schon immer fasziniert.

Mark: Ja genau – echt ganz geil! Hätte ich auch nicht erwartet, diese Band ging mir immer am Arsch vorbei und Mike Patton ging mir immer auf den Sack! Hier allerdings muß ich sagen: Das Album packt einen und neben 3,4 doofen Stampfkloppern ist es richtig gut!!

I Am Kloot "Hold Back The Night – Live" (2 LP/CD Play It Again Sam)

Mark: Hier, neben Black Rebel Motorcycle Club, das zweite Livealbum dieses Stammtisches. Habe sie auf der letzten Tour live gesehen und fand die Band, genau wie dieses Livealbum, eher mittelmäßig. Leider zu wenig richtig gute Songs – da hilft leider auch mein Lieblingssong „Fingerprints“ nicht raus aus der Schlafmützigkeit. Angeblich wurden I Am Kloot auf diesem Konzert in London von The Libertines supportet – wahrscheinlich haben sie so den „Kashmir Club“ voll bekommen. Leute, wenn ihr in diesen Tagen ein wirklich cooles Livealbum sucht, kauft euch lieber „Live at Royal Albert Hall“ von Eels. Da macht ihr nichts verkehrt.

Wolfgang: Ich wusste nicht dass es die Band überhaupt nocht gibt. Hab das Debut damals nicht gemocht, find das Live Album aber gar nicht so schrecklich wie erwartet. Hab die Band ebenfalls 2004 live gesehen und kann mich erinnern dass ich nicht nach dem ersten Song wieder gegangen bin. Es war also erträglich.

Mark: ... aber erträglich ist nicht das neue cool, oder?

Tjian: Für Fans von I am Kloot ein Muss; für welche die es noch werden wollen ein guter Einstieg. Die Songs und das Ganze drumherum finde ich gut, beim Gesang muss ich dann aber doch immer ein wenig an Oasis denken.

My Morning Jacket "The Waterfall"

Mark: Das beste zum Schluß, oder? Also – My Morning Jacket habe ich auf ihrer ersten Tour in Köln gesehen, kannte sie vorher nicht, und wurde mal eben weggeblasen! Eine richtig geile Band, die auf alle Schubladen und Genres scheißt und ihr Ding macht. Obwohl sie sich manchmal im Sounddschungel verlieren, sind auf „The Waterfall“ gar nicht so viel Impro's, sondern mit „Believe (Nobody knows)“ und „Compound Fracture“ sogar richtige Hits. Super Album 10 von 10!!

Wolfgang: Cool! Klingt interessant. Straight aber ein bisschen weird. Kannte die Band nur vom Namen her, muss ich mir auf jeden Fall mehr von anhören.

Mark Kowarsch betreibt neben seiner Band Tortuga Bar die Sendung Riot Radio, die es im Netz als Podcast gibt.

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