Ruf doch mal an: Tauschbörsen und Telefongesellschaften

Eine ungewöhnliche Allianz zeichnet sich derzeit in den USA ab: Tauschbörsenbetreiber und Telefongesellschaften sowie deren Internet-Provider verstehen sich offenbar besser, als wir immer dachten.

Seit Monaten wird die Version 2.0 der beliebten Morpheus-Tauschsoftware angekündigt. Jetzt ist im Netz ein erster Preview aufgetaucht. Zwar handelt es sich dabei noch nicht um ein Programm, sondern nur einen Screenshot der zukünftigen Morpheus-Oberfläche. Und auch dieser spart reichlich mit Details und beschränkt sich in erster Linie darauf, zu zeigen, was Morpheus-Nutzer demnächst in ihrem internen Browser angezeigt bekommen.

Doch auch dieser dürftige Blick durchs Schlüsselloch reicht, um ein interessantes Detail ans Tageslicht zu bringen: So bietet Morpheus mit seiner Version 2.0 offenbar einen Morpheus Minutes genannten Service an. Zu dessen Details heißt es auf dem Screenhot: "4,5 Cents pro Minute für Ferngespräche + Anzeigen-freies Morpheus!"

Offenbar hat sich der Morpheus-Betreiber Streamcast mit einer Telefongesellschaft zusammengetan, um ein etwas anderes Shareware-Konzept zu entwickeln. Wer über Morpheus Minutes telefoniert, darf das Programm in Zukunft ohne Werbung benutzen. Eine Zusammenarbeit, die Sinn macht. Sind fleißige Tauschbörsen-Nutzer doch auch die besten Kunden der Telefongesellschaften beziehungsweise der von ihnen betriebenen Internet-Provider.

Dieser Zusammenhang muss auch dem US-Telefonanbieter Verizon mittlerweile aufgefallen sein. Gemeinsam mit der Tauschbörse KaZaA setzt Verizon sich derzeit für eine Urheberrechtsabgabe auf Internet-Zugänge ein. Für 1-5 Dollar pro Monat sollen Netznutzer dann die Möglichkeit haben, Tauschbörsen völlig legal gebrauchen zu können. Das Geld soll entsprechend der entfallenden Einnahmen unter den Musikern und ihren Plattenfirmen aufgeteilt werden.

Bis Telefongesellschaften hier zu Lande auf solche Ideen kommen, dürfte allerdings noch einige Zeit vergehen. Bisher ist die Deutsche Telekom lediglich dadurch aufgefallen, dass sie ihren tauschenden Kunden in Briefen die Kündigung ihres Accounts angedroht hat. (jr)

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