Selbstständiger Musiker: Selbermachen oder Auslagern?

Wer das Eigentliche fokussieren möchte, muss gewisse Dinge manchmal auslagern

Wer als Musiker alles allein machen will, kann sich oft gehörig verzetteln und eine geschäftliche Bruchlandung erleben. Doch genau hier gibt es je nach Phase der Selbstständigkeit und den finanziellen Möglichkeiten verschiedene Aufgaben, die man outsourcen kann, um sich mehr aufs Musikmachen zu konzentrieren.

Es gibt wohl kein besseres Gefühl als das, was man wirklich mit echter Leidenschaft tut, beruflich auszuüben – das klassische „das Hobby zum Beruf machen“. Doch gerade bei Musikern ist das so eine Sache. Zum selbstständigen Musiker zu werden ähnelt primär zwar jeder anderen Unternehmensgründung und jedem Startups, Selbstständigkeit ist schließlich Selbstständigkeit, nicht nur dem Namen nach. Allerdings ist das Musikalische ein weitverzweigtes Feld, bei dem vieles zu tun ist, das höchstens noch am Rande mit dem eigentlichen Musikmachen zu tun hat. 

Ein guter Musikproduzent ist so viel mehr als jemand, der nur hinter Plattendeals steht. Er ist ein allumfassender Mentor. (Foto: pixabay.com © Free-Photos)

1. Der Produzent

Zwar kann man alles selbst machen – jedes Instrument aufnehmen, einspielen, nachbauen, seine Songs schreiben, abmischen – aber das ist der erste Punkt, an dem sich viele verzetteln. Wenig hilft einer Albumproduktion mehr als der Blick von außen. Dafür braucht es einen Produzenten
Viele von uns verbinden diesen mit einem Zigarre-Rauchenden, Paten-gleichen Hintergrund-Strippenzieher im Auftrag eines großen Labels, das einen Musiker nur auspressen will.
Die mag es zwar geben, sie sind jedoch in der Unterzahl. Denn zunächst ist ein Produzent erst mal eine Art Mentor. Er kennt die Szene, weiß, was gut ankommt, hat jede Menge Kontakte und eine Vision für die Band. Er ist einer, der weiß, an wen man sich für Aufnahmen wenden muss. Wo man vielleicht was ausleihen kann. Er ist derjenige, der einem genau sagt, welche seiner Songs man in welcher Reihenfolge auf die CD packen sollte – und welche warum gar nicht erst darauf landen, obwohl man sie selbst vielleicht liebt. Und vielleicht am wichtigsten: er schafft es beim Songwriting und bei Aufnahmen das für eure Songs Optimale an Gefühl rauszukitzeln. 
Klar kann man das komplett alleine im heimischen Studio machen, aber hier Verantwortung abzugeben, kann sehr befreiend und inspirierend sein. Nur weil man weiß, wie man Saiten neu aufzieht, würde man ja auch nicht auf die Idee kommen, gleich eine ganze Gitarre aus ein paar Holzklötzen selbst zu basteln. Natürlich bindet man sich an einen Produzenten in gewisser Hinsicht. Aber für viele Musiker ist es ein lohnendes Geschäft, das erst dafür sorgt, dass sie wirklich Erfolg haben. 

2. Die Büroangelegenheiten

Wann hat man nochmal wo einen Gig? Wo stecken nochmal die Quittungen vom letzten Besuch beim Instrumentenshop? Wie viel hab ich jetzt genau bei Patreon eingenommen? Und wo zum Geier ist die Liste mit den Telefonnummern der Clubs? Was das Klein-Klein des Büroalltags anbelangt, kann ein selbstständiger Musiker mit einem Homerecording-Studio spielend mit jedem Onlinegeschäft mithalten. Bloß: Wo die meistens von Leuten gegründet werden, die zumindest in Grundzügen wissen, was Buchhaltung ist, wie man ein Büro organisiert, ist man selbst hingegen in einer anderen Sparte groß geworden. Kein Nachteil, einfach nur eine Feststellung. 
Fakt ist: Wenn man den Papierkram nicht in Ordnung hält, bekommt man spätestens dann Probleme, wenn die Steuererklärung fällig wird. Fakt ist auch: Es gibt heute all-in-one Softwaresysteme, die einen Großteil von dem beherrschen, was eine gute Büro-Hilfskraft tun würde – ohne dass man der in seinem Apartment ein Büro-Eckchen freiräumen müsste. Solche Tools nennen sich ERP-System und man muss sie nur mit Daten füttern. Auch hier gilt: Sollte man anfangs selbst machen, damit man die Grundlagen draufhat. 

3. Die Steuern 

Viele von uns machen es privat einmal jährlich: ELSTER-Programm öffnen, Einnahmen, Wegstrecken, ein paar Quittungen eintragen, hoffen, dass man ein paar Euro zurückbekommt. Steuererklärung leichtgemacht. Wer allerdings auch nur in Ansätzen glaubt, mit ähnlicher Leichtigkeit seine Steuerangelegenheiten in selbstständig-musikalischer Hinsicht erledigen zu können, dem sei dieses Dokument der Oberfinanzdirektion Karlsruhe ans Herz gelegt. 
Nur wer die darin steckenden Schachtelsätze nicht nur begreift, sondern auch direkt blind wüsste, was er wie zu machen hat, sollte das Wagnis eingehen, seine Steuern selbst zu machen. Für alle anderen gilt: Einen Steuerberater suchen, der sich explizit auf die Besonderheiten von Musikern versteht und ihn das übernehmen lassen. Primär ist Musizieren zwar eine selbstständige Tätigkeit wie jede andere. Tatsächlich gibt es jedoch genug Eigenheiten. Und nur der Profi kann einen vor Fehlern bewahren, bei denen das Finanzamt wirklich gar keinen Humor oder Anfängertoleranz zeigt – mal abgesehen davon, dass das Thema so weit weg von der Musik ist, wie nur möglich.

Ganz gleich ob als Straßenmusikerin , Background-Musikant oder Bühnenmonster: Nicht alles, was anfällt kann man selber machen. (Foto: pixabay.com © Pexels)

4. Das Management

Spätestens, wenn du trotz Steuerberater und Buchhaltungssoftware mehr Zeit am Rechner und am Telefon verbringst, als um Instrument solltet du dir Gedanken machen, ob es nicht Zeit ist ein Managemenet zu finden. Jemand, der hervorragend vernetzt ist, also bei jeder Frage den richtigen Ansprechpartner kennt, der gut delegieren kann, sich für euch einsetzt und den Überblick über eure Karriere behält. Manager wird auch dafür sorgen, dass alles GEMA-konform läuft, dass dort das eigene Repertoire angemeldet ist, und dass Gespräche mit Labels und Verlagen geführt werden. 
Einerseits ist das eine reine Geldangelegenheit: Ein echter Manager kostet einen ein gehöriges Sümmchen an Geld. Wir sprechen hier von einer sogenannten Management Fee, die in Deutschland in der Regel irgendwo zwischen 15 und 20 Prozent von allem rangiert, was man einnimmt – egal ob das nun Gagen sind, CD-Verkäufe oder Rechteverwertung. Und salopp gesagt: Bis man sich wirklich einen Namen gemacht hat, wird man so viel nicht abgeben können. Da reichen die Einnahmen oft nicht mal dann zum Leben, wenn man sie komplett behalten kann. 
Und wann sollte man sich nach einem echten Manager umsehen? Wenn man merkt, dass einem die Arbeit außer dem Musikalischen vollkommen über den Kopf wächst und die Musik wirklich zu leiden beginnt. Und selbst dann sollte man nicht irgendwen nehmen, sondern Casting betreiben.

5. Das Booking

Nicht jeder Musiker will heute überhaupt noch auf Tour, die Zahl derer, die ihr Studio quasi nicht verlässt, wächst. Vor allem aber für die Instrumentalisten und Bands ist neben Aufnahmen das Auftreten gleichzeitig Haupteinnahmequelle und Leidenschaft Nummer eins. Die ersten Konzerte im Umkreis des Heimortes zu finden ist oft nicht schwer, wenn die Aufnahmen einigermaßen gut klingen, mit denen man sich bewirbt. Auch die nächsten dreißig bis fünfzig Konzerte in der Region oder sogar deutschlandweit kriegt man oft auch noch durch hartnäckiges Anschreiben und Rumtelefonieren hin, aber: um da angemessen hinterher zu sein, vielleicht auch mal auf einem Festival zu spielen, als Vorband von einer größeren Band angeheuert zu werden, braucht es eine Booking-Agentur. Oder zumindest eine Plattform, die einem bei Auftritte finden hilt. 
Ähnlich wie bei einem Management zählen hier vor allem die Kontakte – zu Veranstaltern, Venue-Besitzern, anderen Bands. All das, wo man in den ersten Jahren, hunderte Emails verschickt, und oft kaum wahrgenommen wird. Aus der riesen Masse an Anfragen bei jedem Club stechen vor allem die raus, die direkt vom einer dem Club-Booker bekannten Agentur kommen. Außerdem kennt ein Booker ähnlich zu einem Manager die Szene. Auch die Booking Fee, der Anteil an den Konzerteinnahmen liegt ähnlich zum Management Fee oft zwischen fünfzehn und zwanzig Prozent.

6. Die PR

Social Media, Newsletter, Interviews, Spotify-Playlists – die Selbstvermarktung einer Band ist wie das Booking ab einer gewissen Größe quasi ein Vollzeitjob. Wie bei allen anderen Punkten gilt: erst mal selbst machen, lernen, was man kann, was man schafft, was man abgeben will. Dann mit den passenden Partnern arbeiten. Anders als beim Booking oder beim Management werden hier oft erst mal Projektgebundene Verträge für eine Albumpromotion oder einen kleinen Zeitraum geschlossen und feste Preise gezahlt. Recherchiert bei Bands aus eure Szene, wie sie die Promotion machen, welche Erfahrungen sie gemacht haben, und ab welchem Moment so ein Service Sinn macht. Zu früh und ihr zahlt viel Geld, ohne, dass sich wirklich viel an eurer Bekanntheit ändert. Zu spät, und ihr seid schon so eingefahren, macht das schon so lange selbst, dass es schwer wird, diese Aufgaben abzugeben. 
 

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