So klang 2009

Tops und Flops von Tonspion-Redakteur Jan Schimmang

Alle Jahre wieder: Die Musik der letzten zwölf Monate soll in wenige aussagekräftige Zeilen gepresst werden. Was hinterließ einen bleibenden Eindruck - und was hätte man gerne überhört? Der Versuch einer kleinen persönlichen Retrospektive.

Bestes Album

Tiga - Ciao!

Wildes Rodeo durch die Möglichkeiten der digitalen Produktion: Der Kanadier Tiga Sontag hat ein unfassbar komplexes zweites Album veröffentlicht. Cleaner Pop trifft filigran konzipierte Klang-Szenarien. Seine Tracks für die glamourösen Tanzpaläste der Zukunft zelebrieren dabei nicht nur den Hedonismus der Nacht, sondern auch die feine Melancholie am Morgen danach.

Bester Song

Future Island - Beach Foam

Ein Song mit intensiven Tiefgang. Hat man so noch nicht gehört. Das Stück offenbart sich in sich einem mit energischem Pathos, zarter Melodik und geschickt inszenierter Dramaturgie. Live zudem ein erstaunliches Erlebnis: Im Vergleich mit dem Organ von Sänger Samuel Harring klingen die Kings Of Leon wie schüchterne Chorknaben. 

Die besten MP3 im Tonspion

Chairlift - Evident Utensil

"Does You Inspire You" ist wohl en passant auch das beste Debüt dieses Jahres: weichgezeichnete Neo-Disco in Vollendung. Fragil und doch so zwingend. Bis in die letzte Nuance ausproduziert.

The Juan MacLean - Find A Way

Pop, der sich jederzeit auch im Club-Kontext behaupten kann. MacLean kann eine beeindruckende musikalische Vergangenheit vorweisen, klingt trotzdem immer noch so ungemein hip und dabei doch auch so zeitlos. Es sei an dieser Stelle an seinen Schlagzeuger Jerry Fuchs erinnert, der in diesem Jahr tödlich verunglückte und nicht nur diese Band stilistisch geprägt hat.

The Golden Filter - Thunderbird

Das Duo Penelope und Stephen ziert sich mysteriös, macht aber alles richtig. Sowohl was das Arrangement ihres Sounds, als auch dessen visuelle Umsetzung via Video-Clip oder Plattencover betrifft. State of the art.

Bester Musikmoment

Die Gebrüder Oasis trennen sich. Hoffentlich kein Comeback. Eine der wichtigsten Bands der Gegenwart soll sich bitte ihre Würde bewahren. 

Schlimmster Musikmoment

"The Spirit Never dies"? Wenn es mit den posthumen Releases so weitergeht, ist sogar Falco totzukriegen. Was jetzt wieder ausgegraben wurde, lässt Brillianz nur erahnen, lieblos nachträglich mit billiger Studio-Arbeit aufgemotzt. So schlimm klang Hans Hölzel schon einmal, Mitte der Neunziger. Nur damals hatte das Genie, das seiner Zeit immer eine Silbe voraus war, seinen Wahnsinn und sein Werk wenigstens noch selbst zu verantworten.  

Wunsch für 2010

Das Leben braucht mehr Glam.

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