SoundCloud: Entlassungswelle und Büroschließung

Der Fall des Streaming-Riesen?

Rote Zahlen, Userflucht, Verkaufsabsichten: Die Gerüchte um die Berliner Streaming-Plattform SoundCloud scheinen einfach kein Ende nehmen zu wollen. Nachdem zuletzt der geplante Verkauf an Twitter, Spotify oder Deezer im Raum stand, scheint nun ein drastischer Richtungswechsel eingetreten zu sein.

Wie SoundCloud-CEO Alex Ljung in einem Blog-Post mitteilte, solle auch in Zukunft die "Unabhängigkeit des Unternehmens" gesichert werden. Das Problem: Um dieses Ziel zu erreichen wurden kürzlich 173 Mitarbeiter des Unternehmens entlassen. Da diese Zahl ca. 40% der Gesamtbelegschaft von SoundCloud ausmacht, hat diese Maßnahme ebenfalls die Schließung der Niederlassungen in London und San Francisco zur Folge. 

Tonspion auf Soundcloud

Der Fall Soundcloud zeigt: Viele User bedeuten nicht zwangsläufig hohe Einnahmen. Zwar gibt das Unternehmen an, dass sich der Umsatz in den vergangenen 12 Monaten mehr als verdoppelt haben soll, gleichzeitig wurden aber auch seit 2014 keine aktuellen Angaben zu den Userzahlen der Website veröffentlicht. Unter Umständen konnte die Einführung des Bezahlmodells SoundCloud Go, welches nach dem bekannten Spotify-Vorbild fungiert, die Erwartungen nicht erfüllen.

Die Musiker scheinen SoundCloud bisher treu zu bleiben, auch wenn seit Monaten immer wieder Gerüchte über gesperrte Accounts und gelöschte Tracks kursieren, weil SoundCloud von der Musikindustrie unter Druck gesetzt wurde, Urheberrechtsverletzungen auf der Plattform einzudämmen.

Seit längerem läuft es also schon nicht mehr rund bei SoundCloud und ob die Plattform langfristig zu halten ist oder von einem der großen Streamingkonkurrenten geschluckt wird, steht noch in den Sternen. Offenbar hat der französische Streaming-Dienst Deezer sein Interesse bekundet, der sich gegen die Marktführer Spotify, Amazon und Apple Music durch die Einverleibung von SoundCloud einen Vorteil verschaffen könnte.

Das Unternehmen wurde im vergangenen Jahr noch auf 700 Millionen Dollar geschätzt. Nun dürften die Interessenten warten, bis der Preis weiter sinkt und SoundCloud nicht mehr viel Verhandlungsspielraum bleibt. Die letzte Verhandlungsrunde mit Investoren hatte im Frühjahr nicht zu Ergebnissen geführt und so musste sich SoundCloud 70 Millionen Dollar leihen, um seine laufenden Kosten zu finanzieren. Die Einschnitte waren also bereits absehbar.

Investor Davidson glaubt aber nach wie vor noch an das Unternehmen und hält es sogar für deutlich unterbewertet. Mit 175 Millionen aktiven Nutzern sei SoundCloud eines der zehn reichweitenstärksten Unternehmen weltweit.

Die heftigen Einschnitte könnten nun jedoch schnell zum Aus für das in Berlin ansässige Unternehmen führen, denn Geld konnte das in die Jahre gekommene Startup trotz dieser enormen Zahlen bisher immer noch nicht einspielen.

 Die besten SoundCloud-Alternativen für Musiker und Fans

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