Spotify statt Spex: Ist die Popkritik am Ende?

Max Dax, Daniel Koch und Thomas Hecken diskutieren über die Zukunft des Musikjournalismus

Melodie & Rhythmus, Spex, Intro und Groove mussten 2018 ihre Printmagazine einstellen. Ist der kritische Musikjournalismus tot? Darüber disktuieren die ehemaligen Chefredakteure von Spex und Intro mit dem Poptheoretiker Prof. Dr. Thomas Hecken.

"Die Spex war immer viel wichtiger als ihre Auflagenzahlen", so erklärt der ehemalige Chefredakteur Max Dax, warum so viele im Musikgeschäft dem eingestellten einstigen Indie-Magazin nachtrauern. Und da ist auch sicher etwas dran: Viele Journalisten und heutige Meinungsführer sind in den 80er und 90er Jahren mit der Spex aufgewachsen, denn schließlich wurden dort die Themen verhandelt, die popkulturell interessierte junge Menschen wirklich interessierten. 

Das Cover der vorletzten Spex mit Neneh Cherry  (Foto: Ansgar Sollmann) Am 27. Dezember erscheint die letzte Ausgabe.

Es war aber letztlich auch jahrelang viel Selbstüberschätzung und Eigenlob nötig, um die Bedeutung einer Nischenzeitschrift für Musiknerds derart hoch zu hängen. Doch spätestens mit dem umstrittenen Kauf durch den Münchner Verleger Alexander Lacher, der in den letzten Jahren viele weitere Indie-Medien und Markenrechte aufgekauft und vermarktet hat, ging die Seele der Spex endgültig verloren und die Auflagenzahlen trudelten weiter in Richtung Fanzine.

Es überraschte allenfalls, wie spät das Ende der Spex kam. Auch die Herausgeber der Intro hatten sich vom Printjournalismus als Geschäftsmodell schon länger verabschiedet, die Zahlen sprachen eine klare Sprache: heute informiert man sich in erster Linie im Netz und mit vierstelliger Auflage kann man keine vielköpfige Redaktion bezahlen, außer jeder Artikel ist gesponsert so wie beim Burger King Magazin oder dem Saturn-Magazin "Piranha" aus dem Haus des letzten Spex-Herausgebers. Aber das ist dann eben auch kein Musikjournalismus mehr, sondern Content Marketing.

Braucht man überhaupt noch Musikjournalismus oder reicht es heute auch, sich ein paar Spotify-Playlists durchzuhören und die Musik einfach für sich selbst sprechen zu lassen? Und ist kritischer Musikjournalismus unter den gegebenen Bedingungen überhaupt noch möglich? Immer mehr Künstler bauen sich ihre eigenen Medienkanäle auf, wo kritische Fragen naturgemäß eher Mangelware sind, während die Werbegelder immer mehr in Richtung Social Media fließen statt in redaktionell betreute Angebote. Und kostenpflichtige Online-Angebote haben sich bisher nicht durchgesetzt, zumindest nicht im Musikbereich. Wo also soll die Reise hingehen?

Über all diese Fragen wird im SWR2-Podcasts leidenschaftlich diskutiert. 

Der Podcast kann kostenlos runtergeladen werden. 

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