Spotify will Soundcloud kaufen

Europäische Streaminganbieter vereint gegen US-Riesen

Laut der gewöhnlich gut unterrichteten Financial Times befindet sich der Streaming Dienst Spotify in "fortgeschrittenen Gesprächen" zur Übernahme von Soundcloud. Ob die Marke Soundcloud als Plattform für Musiker und Produzenten nach einem Merger fortgesetzt wird, steht in den Sternen. Damit bahnt sich ein Zweikampf zwischen Spotify und Apple Music um die Marktführerschaft im Streaminggeschäft an.

Das Berliner Startup Soundcloud bietet Musikern seit 2007 die Möglichkeit, eigene Musik hochzuladen und den Player im Netz zu streuen. Zahlreiche Dienste, darunter auch Tonspion, greifen auf Soundcloud Player zu, um neue Musik vorzustellen oder Playlisten zu teilen.

Mangels nachhaltigem Geschäftsmodell startete Soundcloud im März diesen Jahres ein kostenpflichtiges Streamingabo unter dem Namen Soundcloud Go. Auch wenn die Mischung aus Streaming Abo a la Spotify und Upload a la Youtube die Nutzer nicht überzeugen konnte war klar: Soundcloud hat ein Problem und braucht nicht nur mehr Investoren, sondern sucht auch verzweifelt einen Weg, mit seinen 175 Millionen Nutzern im Monat eigenes Geld zu verdienen. 

Soundcloud Go
Soundcloud Go soll Spotify Konkurrenz machen

Anfang des Jahres tauchten bereits erste Gerüchte auf, dass die Gründer ihre Plattform für eine Milliarde Dollar verkaufen wollen, ein Preis, den bislang keiner bezahlen wollte. Jetzt scheint es endlich einen Interessenten zu geben: Spotify sieht offenbar eine Chance einen großen Konkurrenten zu schlucken und auf einen Schlag seinen Nutzerkreis zu vervielfachen, um Apple Music weiter davon zu ziehen. 

Zwar ist Spotify nach wie vor viel größer als Apples junges Streamingangebot, doch die Kriegskassen von Apple sind prall gefüllt und so wäre es ein Leichtes für den Riesen aus Kalifornien, einen langen und harten Kampf um die Vorherrschaft im Streaminggeschäft auszufechten. Auch Amazon und Google wollen im Musikmarkt mitspielen und gegen diese übermächtige Konkurrenz hat Spotify auf lange Sicht schlechte Karten. Zumindest, wenn man untätig bliebe. 

Der Kauf eines großen und populären Dienstes wie Soundcloud ist also die naheliegende Option, selbst wenn der Preis für einen Dienst ohne eigenes Geschäftsmodell heiß ist. 

Durch die Übernahme von Soundcloud dürfte sich künftig einiges ändern. Spotify könnte sein etabliertes Geschäftsmodell auch auf Soundcloud ausweiten, so dass man nur noch per Abo oder indem man Werbung in Kauf nimmt, bei Soundcloud Musik hören kann.

Ob Soundcloud als eigenständige Marke für Musiker weitergeführt wird ist unklar, aber es wäre ein herber Verlust für die Musik- und Bloggerszene, wenn die kleinen orangen Soundcloud Player vom Netz verschwinden würden. Damit würde Spotify aber auch einen Großteil der Soundcloud-Nutzer vertreiben und der Deal könnte nach hinten los gehen. 

Tonspion Soundcloud Playlist mit neuer Musik

Es wäre allerdings auch nicht besonders clever, denn Spotify hat zwar inzwischen mit allen Major und zahlreichen Indielabels einen Deal, doch ob man in Zukunft überhaupt noch Labels braucht, ist keineswegs ausgemacht. Deren Hauptaufgabe war es bisher, Musik in den Handel zu bringen - eine Aufgabe, die auf Spotify wegfällt. Viele Künstler veröffentlichen heute bereits auf eigenem Label und ohne Umweg über eine "Plattenfirma". Diese könnten künftig nur noch den Backkatalog bereitstellen, während Spotify "seine" Künstler direkt signt und exklusiv über seine Plattform vertreibt.

In eine ähnliche Richtung arbeitet auch Apple Music bereits. Und es gibt mit Submithub inzwischen auch ganz neue Dienste, über die man die zahlreichen Künstler, die direkt auf Soundcloud veröffentlichen, sichten und entdecken kann. Eine Aufgabe, die früher exklusiv von Labels wahrgenommen wurde und heute von Blogs erledigt wird.

Und ein weiterer Streamingdienst steht derzeit wohl zum Verkauf: Kanye West bettelte erst kürzlich via Twitter Apple Music an, endlich Geld auf den Tisch zu legen, um Jay-Zs Tidal zu kaufen. Der Dienst hat zwar kaum Nutzer, dafür aber zahlreiche Künstler an sich gebunden von Rihanna, über Beyonce bis Madonna und Daft Punk. Namen, an denen Apple Music sehr interessiert sein dürfte. Denn eins ist sicher: Apple Music wird nicht tatenlos dabei zusehen, wie Spotify weiter davon zieht.

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