Steve Jobs fordert Abschaffung von Kopierschutz

Musikindustrie weist die Forderung zurück

Apple-Chef Steve Jobs hat sich mit seiner Forderung nach einer Abschaffung des Digital Rights Managements für digitale Downloads in der Musikindustrie keine Freunde gemacht. Die deutschen Phonoverbände sprechen von einem "scheinheiligen" Vorstoß.

Möglicherweise ist er einer der wichtigsten Männer im Musikbusiness. Dabei arbeitet Steve Jobs gar nicht für einen Musikkonzern. Doch er hat mit dem Apple iTunes Store der Musikindustrie das große Geschäft mit Downloads im Netz überhaupt erst ermöglicht. Die hatte mit allerlei unsinnigen und höchst nutzerfeindlichen Konzepten jahrelang erfolglos versucht, ihr Geschäft im neuen Medium aufzubauen.

Gestern veröffentlichte der Apple-Chef auf der Firmenwebsite einen Text, in dem er die Abschaffung von DRM für Downloads forderte. Hintergrund ist, dass inzwischen alle Major-Labels erwägen, den Kopierschutz für CDs komplett abzuschaffen. Der Apple-Chef fordert nun gleiche Bedingungen für den Musikvertrieb im Netz: "DRMs haben niemals funktioniert und der Piraterie niemals Einhalt geboten", so Jobs in seinem Beitrag. Apple habe seinen Kopierschutz Fairplay nur deshalb eingeführt, weil die Musikindustrie darauf bestanden habe. Doch inzwischen sieht Jobs seinen Kopierschutz offenbar als Verkaufsbremse. Schließlich möchten die meisten Kunden ihre gekaufte Musik nutzen, wie auch eine CD. Brennen, vervielfältigen, auf MP3-Player übertragen, all das wird durch das DRM-System eingeschränkt.

Die Phonoverbände reagierten prompt und werfen dem Apple-Chef vor, dass er mit dem Vorstoß nur von hausgemachten Problemen ablenken wolle. So erlaubt der Apple-Kopierschutz zum Beispiel nicht, die Songs auf MP3-Player anderer Hersteller zu übertragen. Dies führte inzwischen zu einem Rechtsstreit zwischen mehreren europäischen Verbraucherschutzverbänden und Apple. "Für Apple ist die Strategie, ein für andere Anbieter geschlossenes DRM-System von Software (iTunes) und Hardware (iPod) einzusetzen, der Schlüssel zum Erfolg gewesen", so Michael Haentjes, Vorsitzender der deutschen Phonoverbände (IFPI). Gleichzeitig lehnte er eine Abschaffung von DRM-Technologie grundsätzlich ab.

Jobs jedoch verteidigt sich im Text gegen den Vorwurf FairPlay nicht an andere Firmen zu lizensieren mit dem Argument, dass man, sobald man DRM-Technologie an andere Firmen verkaufe, die technischen Details des Kopierschutzes durch undichte Stellen an die Öffentlichkeit geraten und damit nutzlos würden. Schnell wären Software-Programme zum Aushebeln von FairPlay auf jedem Rechner installiert.

Laut IFPI war die Zahl der illegalen Musik-Downloads mit 420 Millionen Tracks 2005 rund 20 Mal höher als die Zahl legal verkaufter Downloads. Doch die Schlussfolgerungen aus dieser Tatsache fallen bei Apple und IFPI vollkommen gegensätzlich aus. Während Apple seine legalen Downloads nun offenbar attraktiver machen möchte, will die IFPI weiterhin lieber illegale Downloads durch massenhafte Abmahnungen unattraktiver machen. Welches Modell auf Kundenseite auf größere Akzeptanz stößt, dürfte klar sein. (ur)

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