Streaming: Taylor Swift kehrt Spotify den Rücken

US-Star lässt alle Alben auf Spotify entfernen

Eine Hiobsbotschaft für Spotify: einer der weltweit erfolgreichsten Popstars, Talyor Swift, gibt ihre Musik künftig nicht mehr für Spotify frei. Ihr Management möchte damit den Kauf ihres neuen, extrem erfolgreichen Albums "1989" ankurbeln. Ihre Aktion könnte der Anfang eines Rückzugs weiterer Künstler sein.

Keine Frage: für Nutzer ist der Service von Spotify extrem praktisch. Nie zuvor hatte man eine so umfassende Auswahl alter und neuer Musik, die man kostenlos (mit Werbung) oder gegen ein monatliches Abo in Höhe von 10 Euro werbefrei hören kann. Und alles legal. 

Doch der Widerstand bei den Musikern wächst. Auch nach acht Jahren schaffte es der Streamingdienst nicht, für die Künstler nennenswertes Geld einzuspielen. Im Gegenteil: viele Spotify-Nutzer geben an, seitdem sie auf Spotify sind, keine Musik mehr zu kaufen. Das Musikgeschäft ist 2014 auf die Größe der frühen 70er Jahre geschrumpft, obwohl so viele Menschen wie noch nie Musik hören und nie zuvor so viel Musik verfügbar war.

Mit dem Verkauf von Musik bekommen Künstler aber nach wie vor einen wesentlich größeren Anteil vom Kuchen, während bei Streaming-Diensten für jeden Stream eines Songs nur ein Bruchteil eines Cents an den Künstler geht. Damit die Rechnung für alle aufgeht, müssten viel mehr Menschen zu einem kostenpflichtigen Abo wechseln, doch den meisten genügt offenbar die kostenlose werbefinanzierte Variante.

Das schwedische Unternehmen, an dem auch die großen Majorplattenfirmen beteiligt sind, versucht nun mit einer Charmeoffensive die beliebte Künstlerin, der 46 Millionen Menschen bei Twitter und 70 Millionen bei Facebook folgen, zur Rückkehr zu bewegen: 

"We love Taylor Swift, and our more than 40 million users love her even more – nearly 16 million of them have played her songs in the last 30 days, and she’s on over 19 million playlists. We hope she’ll change her mind and join us in building a new music economy that works for everyone.

We believe fans should be able to listen to music wherever and whenever they want, and that artists have an absolute right to be paid for their work and protected from piracy. That’s why we pay nearly 70% of our revenue back to the music community. PS – Taylor, we were both young when we first saw you, but now there’s more than 40 million of us who want you to stay, stay, stay. It’s a love story, baby, just say, Yes."

Es ist durchaus denkbar, dass demnächst weitere Künstler dem Beispiel von Taylor Swift folgen werden und ihre Musik nicht mehr zeitgleich mit dem offiziellen Release für die Streamingdienste freigeben. Und spätestens dann hätten die Anbieter ein großes Problem, denn wer will schon Geld zahlen für einen Dienst, bei dem er die Musik seiner Lieblingskünstler nicht hören kann?

Auch in Deutschland wird die Kritik an Spotify immer lauter. Herbert Grönemeyer hatte sich kürzlich kritisch zu den Abo-Angeboten geäußert. Die Ärzte geben ihre Musik nicht fürs Streaming frei. Und sogar Internet-Nerd Cro hat sein Album "Melodie" erst Wochen nach der Veröffentlichung auf Spotify freigegeben, damit seine Fans das Album kaufen und nicht nur streamen.

Was lernen wir daraus? Ein Geschäftsmodell mit Musik, das für die Künstler nicht funktioniert, ist zum Scheitern verurteilt. Spotify wird mehr liefern müssen als ein paar warme Worte.

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