Studie: Hören wir im Alter alle Helene Fischer?

Britische Studie kommt zu erstaunlichen Erkenntnissen über die Entwicklung des Musikgeschmacks

Die Wissenschaft hat festgestellt: Eine britische Studie über den Musikgeschmack verschiedener Altersgruppen kommt zu dem Ergebnis, dass wir in der Jugend alle rebellische Musik hören und im Alter schließlich bei Helene Fischer, den Amigos und ihren Kollegen enden. Warum das blanker Unsinn ist.

Wissenschaftler der Universität Cambridge haben in einer Studie den Musikgeschmack von 250.000 Menschen ausgewertet, die sie jeweils im Zeitraum von zehn Jahren regelmäßig befragt haben.

Das Ergebnis ist zunächst erstaunlich: Scheinbar altert die Auswahl unserer Lieblingsmusik mit uns mit. Das liegt nach Aussage der britischen Wissenschaftler vor allem an dem extrem angestiegenen Musikkonsum im letzten Jahrhundert. Der habe dazu geführt, dass wir unsere Persönlichkeit immer mehr durch unseren Musikgeschmack definieren.

Damit ist er nicht nur Ausdruck unserer Präferenzen, sondern dient auch dazu psychologische und vor allem soziale Bedürfnisse zu stillen. Oder kurz: Wir passen ihn immer den Erwartungen unseres Umfelds an, um uns gut und akzeptiert zu fühlen. 

Zur Strukturierung ihrer Ergebnisse haben die Forscher die Entwicklung unseres Musikgeschmacks in fünf verschiedene Phasen zwischen Pubertät und Rentenalter eingeteilt:

Intense (Intensiv):

Sweet Sixteen – während der Pubertät suchen wir laut den Machern der Studie unsere Identität und rebellieren so sehr es geht. Dazu hören wir natürlich laute und "unangepasste" Musik. Hauptsächlich also Metal, Punk und Grunge. 

Contemporary (Zeitgenössisch):

Das junge Erwachsenenalter – Neudeutsch: Adoleszenz. Wir fühlen uns langsam angekommen, genießen unsere Selbstständigkeit und hören hauptsächlich lässigen R&B oder elektronische Musik.

Mellow (Ausgereift):

Wir bekommen Kinder, haben einen festen Job, das Leben wird ruhiger. In dieser Phase brauchen wir keine aufreibende Musik sondern wollen lieber guten Pop – emotional, romantisch und im besten Falle auch noch tanzbar.

Sophisticated (Anspruchsvoll):

Nach 40 Jahren Pop-Einheitsbrei wird uns dieses Genre zu langweilig. Viele steigen um auf Jazz und alte Blues-Klassiker. Hauptsächlich um sich von den jungen Erwachsenen abzuheben und den eigenen Intellekt und Wohlstand nach außen zu kehren.

Unpretentious (Anspruchslos):

All das Jazz-Gedudel ist auf Dauer dann doch etwas anstregend. Wenn wir erstmal wirklich alt sind, brauchen wir die Bestätigung von außen nicht mehr. Wir lassen uns einfach gehen und hören, was uns gut tut. Laut den Forschern ist das dann Schlager, Country und Volksmusik.

Werden wir später also alle doch noch Helene Fischer-Fans? Von wegen!

  • Waren die Forscher etwa schon mal auf einem Metallica-Konzert und haben nach dem durchschnittlichen Alter gefragt?
  • Haben in der Schule nicht nur die paar Coolen wildes Zeug gehört, die meisten Mitschüler aber das, was eben gerade so in den Charts angesagt war?
  • Und sind nicht gerade die Opernhäuser voll von alten Menschen, die sehr wohl anspruchsvolle Musik genießen?

Es gibt viele Gründe, die Ergebnisse dieser Studie anzuzweifeln. Viel erkenntnisreicher ist eine Studie aus dem letzten Jahr, bei der festgestellt wurde, dass man sich ab ca. 33 Jahren immer weniger für neue Musik interessiert und die Musik seiner Jugend wieder entdeckt. Das kann man sich bei jeder Ü30 Party anschauen und aus eigener Erfahrung bestätigen

Leonard Cohen - You Want It Darker (2016)

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