Studie: Multitasking mit den Ohren

Teilnehmen und Menschen helfen!

Ihr wart schon immer davon überzeugt, dass eure ganz besondere Fähigkeit darin besteht, eure Lieblingssongs in der ersten Sekunde zu erkennen? Nun habt ihr die Möglichkeit, das auch endlich unter Beweis zu stellen. Eine neue Studie untersucht die Multitasking-Fähigkeiten unseres Gehörs. 

Eine in Veröffentlichung befindliche Studie des Hanover Music Lab, eine musikpsychologische Forschungseinrichtung der HMTM Hannover, zeigt, dass wir gleich mehrere Musikinstrumente und Stimmen gleichzeitig wahrnehmen und voneinander trennen können – und zwar in Sekundenbruchteilen.  

Felix Thiesen beschäftigt sich in seiner Doktorarbeit mit diesem Bereich der menschlichen Wahrnehmung: 

„An unserer letzten Studie haben über 500 Personen teilgenommen. Einige von ihnen waren in der Lage, bekannte Musikstücke anhand von Ausschnitten wieder zu erkennen, die lediglich eine Zehntelsekunde dauerten. Das können allerdings nur die Wenigsten, etwa ein bis drei Prozent.“ 

Weit mehr Menschen sind jedoch dazu in der Lage, die einzelnen „Spuren“ einer Komposition, also die verwendeten Instrumente und Stimmen, voneinander zu unterscheiden. Musiker scheinen musikalischen Laien in dieser Hinsicht aber nur geringfügig überlegen zu sein. Mit der Erhöhung der Ausschnittdauer auf 200 Millisekunden, also eine Fünftelsekunde, steigen die Erkennungsleistungen von Titeln und Interpreten sprunghaft an. 

In einer neuen Studie, die zurzeit durchgeführt wird, untersucht die Hannoveraner Forschungsgruppe nun, welche konkreten Bestandteile der Instrumentierung eines Stückes wie häufig korrekt erkannt werden.

Die Durchführung des Tests dürfte dabei bei vielen Teilnehmern für Verwunderung sorgen. Dass sich bereits aus kurzen Klangschnipseln so viel über deren musikalische Bestandteile feststellen lässt, dürften wohl nur die wenigsten Teilnehmer in dieser Form erwartet haben. 

Selten war die Teilnahme an einer Studie so unterhaltsam. Hier können sich alle Musik-Nerds mal wirklich beweisen. 

Wer sich selbst ein Bild von der Studie und seinen eigenen Fähigkeiten machen möchte, ist herzlichst dazu eingeladen, online teilzunehmen. Die Teilnahem dauert ca. 10 Minuten, läuft vollständig anonymisiert ab und erhebt keine persönlichen Daten. Großer Pluspunkt: Die Erkenntnisse der Studie können dabei helfen, Menschen mit Hörgeräten den Genuss von Musik wieder zu ermöglichen. 

▶ Zur Teilnahme: Die Ohren am Mikroskop – Studie zu schnellen Erkennungsleistungen in der Musik

Über den Autor

Felix Thiesen ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Forschungsgruppe um Prof. Dr. Reinhard Kopiez an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover, Fachbereich Musikpychologie.

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