Musikkonsum in Deutschland: Radio auf Augenhöhe mit Spotify & Co.

"Radio, mein Radio!"

Man bekommt heutzutage schnell den Eindruck, dass Musik abseits der großen Streaming-Anbieter kaum mehr interessiert. Der Jahresrückblick des Bundesverband Musikindustrie macht aber deutlich, dass man besonders in Deutschland gerne an alten Medien festhält. Hier seht ihr die wichtigsten Entwicklungen in der Übersicht. 

Jährlich gibt der Bundesverband Musikindustrie e.V. (BVMI) sein Jahrbuch "Musikindustrie in Zahlen" als kostenloses PDF heraus. Und auch wenn man die neue Version für das Jahr 2018 nach dem Lesen des Editorials und den ermüdenden, größtenteils fragwürdigen Kommentaren zur europäischen Urheberrechtsreform am liebsten schnell wieder schließen möchte, findet man doch einige interessante Statistiken und Entwicklungen zur deutschen Musikindustrie und unserem Hör-Verhalten. 

Sorgen um die Musikindustrie als solche müssen wir uns erwartungsgemäß nicht machen. Zwar sinkt der Gesamtumsatz bereits im zweitem Jahr in Folge, mit einem Rückgang von lediglich 0,4% und einem Wert von 1,582 Milliarden Euro dürften die Großverdiener der Branche aber weiterhin beruhigt schlafen können - Glück gehabt! 

Wesentlich interessanter wird es, wenn man sich die Zusammensetzung dieser Zahlen und die entsprechenden Entwicklungen der letzten Jahre genauer ansieht. 56,7% des Umsatzes wurden digital erwirtschaftet, den Hauptanteil (46,4%) davon macht erwartungsgemäß das Audiostreaming aus. Und obwohl dieser Bereich im Vergleich zum Vorjahr ein Wachstum von 33,5% verzeichnet hat, bleibt ein Konkurrent auf Augenhöhe: das Radio. 

Denn laut einer Studie des IFPI (International Federation of the Phonographic Industry) geht hervor, dass 86% der Befragten Musik via Streaming-Dienste konsumieren - die selbe Zahl findet sich auch beim Anteil der Radiohörer wieder. Die Radioliebe scheint übrigens ein typisch deutsches Phänomen zu sein: nur in Polen und Südafrika wird noch mehr gehört. 

Musikindustrie 2018: Die interessantesten Entwicklungen


  • Die Einnahmen auf dem physischen Markt sanken um 19,2%, woduch erstmals der digitale Markt führend ist.
     
  • Die CD muss zwar einen Einbruch von knapp 20% hinnehmen, bleibt aber mit 36,4% Marktannteil weiterhin das beliebteste Medium. Das Vinyl-Revival (-4,4%) scheint weiter zu stagnieren und auch der Kassetten-Hype (-11,1%) könnte doch eher von kurzer Dauer gewesen sein
     
  • Die Zahl der digitalen Downloads geht um mehr als 20% zurück. Stattdessen wurden knapp 80 Milliarden Streams gezählt. 
     
  • Anders als erwartet, geben beim On-Demand-Streaming nicht nur Spotify, Apple Music & Co. den Ton an. Mit 41,7% bleibt weiterhin Youtube die beliebteste Plattform in Sachen Musik. 

Sieht man sich die Verteilung der Umsätze nach Genres an, entdeckt man wenig Überraschendes: Pop, Hip-Hop und Rock führen das Feld an. Schlager, Deutsch-Pop und Volksmusik rangieren im unwichtigen Bereich, auch wenn uns die deutschen Charts oft einen anderen Eindruck vermitteln.

Über den Geschmack in Deutschland darf man weiterhin besorgt sein, der Industrie geht es aber offensichtlich gut. Wie man diesen Umstand nun bewerten will, bleibt letztendlich jedem selbst überlassen. 

Und wer sich doch lieber auf gute Musik statt auf Zahlen und Statistiken konzentrieren möchte, wird bei unseren Tracks der Woche fündig. In unserer von Hand kuratierten Spotify-Playlist haben Schlager, Volksmusik & Befindlichkeits-Pop seit jeher Hausverbot. 

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