Studio Berlin: Berghain wird zur Galerie

Kooperation mit Sammlung Boros

Das Berghain wird ab September Heimat einer neuen Kunstsammlung werden, die Kunstwerke aus der Epoche "Corona" zeigt. Der legendäre Berliner Club ist seit Mitte März geschlossen und widmet seine heiligen Hallen nun der Kunst.

Für alle Clubs ist die Coronakrise existenzbedrohend. Auch das Berghain hat schwer unter der Corona-Auszeit gelitten. Auch wenn der Club über eine solide Finanzdecke verfügen dürfte, die Betriebskosten für so ein riesiges Objekt wie das alte Heizkraftwerk in Berlin-Friedrichshain bezahlen sich auch nicht von selbst. Deshalb wird das Gebäude mit all seinen Dancefloors (Panorama Bar, Säule und Halle) kurzerhand zur Galerie umgewidmet. 

Es gibt zwar inzwischen auch wieder wöchentliche Partys im Berghain, allerdings nur im Garten und mit einer streng limitierten Zahl von Gästen - und einem Abstandsgebot. Also dem genauen Gegenteil dessen, was das Feiern im freizügigen Berghain eigentlich ausmacht.

Die von der Boros Foundation kuratierte Ausstellung zieht ab 9. September in die heiligen Hallen am Ostbahnhof und zeigt Kunst, die in der Coronazeit entstanden ist und sich mit dem Thema auseinandersetzen soll. Zu sehen sind ganz unterschiedliche Werke aus den Bereichen Fotografie, Skulptur, Malerei, Video, Sound, Performance und Installation.

Berghain Studio Berlin

Das Gebäude soll eine riesige Banderole mit der Aufschrift "Morgen ist die Frage" des in Berlin lebenden thailändischen Künstlers Rirkrit Tiravanija schmücken. Und er gibt damit das Motto der Ausstellung vor: wie geht es nach dieser epochalen Krise weiter? Machen wir weiter wie bisher? Oder werden wir uns ändern? Kann ein Ort wie das Berghain künftig noch Schutz vor der harten Realität draußen bieten?

Wissenschaftler warnen unerlässlich davor, dass Corona nur ein Vorspiel einer noch viel größeren Krise sein könnte: der des unumkehrbaren Klimawandels. Und viele gehen davon aus, dass es nicht mehr lange dauert, bis sich die Erde so aufgeheizt hat, dass nichts mehr geht und die Natur, von der wir abhängig sind, stirbt. Und wir mit ihr. Insofern scheint es momentan die einzig wichtige Frage, sich mit "Morgen" zu beschäftigen. 

Die Organsatoren schreiben auf der Homepage der Ausstellung:

In der Ausstellung STUDIO BERLIN zeigt die Boros Foundation ab dem 9. September Werke von über 80 zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern, die in Berlin leben und arbeiten. Zu sehen sind nationale und internationale Positionen aus den Bereichen Fotografie, Skulptur, Malerei, Video, Sound, Performance und Installation. Ausstellungsort der von der Boros Foundation organisierten Ausstellung ist das Berghain, einschließlich der Panorama Bar, der Säule und der angrenzenden Halle.

In Berlin gibt es europaweit die größte Dichte an Ateliers und Kunstwerkstätten – Künstler_innen aus aller Welt ziehen an diesen Ort, um von hier aus arbeiten zu können. Im Frühjahr 2020 trafen drastische Veränderungen ein: Unter anderem wurden geplante Ausstellungen und Kunstmessen abgesagt oder verschoben, Galerien und Museen geschlossen, größere Projektvorhaben konnten nicht realisiert werden. Das Nachtleben in Berlin wurde ebenso gänzlich stillgelegt. Aus dieser Situation heraus fanden sich Boros und das Berghain zusammen. Das Ausstellungsprojekt dient vor allem dazu, aktuelle Strömungen und Veränderungen in Kunst und Gesellschaft widerzuspiegeln und Berliner Künstler_innen einen Präsentationsort für ihr künstlerisches Schaffen zu geben.

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