SYML: Zwischen Glücksgefühlen und Traurigkeit

Brian Fennell über das Familienleben auf Tour und Seattle als Inspiration.

Brian Fennell aus Seattle ist SYML, einst Mitglied der Band Barcelona, inzwischen allein aktiv. Soeben hat er sein selbstbetiteltes Solo-Debüt voller Synth- und Dream-Pop-Perlen veröffentlicht. Woraus er seine Inspirationen für dieses emotionale Stück Musik gezogen hat, verrät er Tonspion im Interview. 

Brian, laut der Pressemitteilung zum Album bist du selbst überrascht, dass es “SYML” nun tatsächlich gibt. Aber irgendwann hast du dich ja wohl dazu entschieden, es aufzunehmen.

Ich war lange glücklich damit, Singles und EPs zu veröffentlichen und froh darüber, dass sie so gut ankamen. Aber dann habe ich immer weiter Songs geschrieben und sie gesammelt und irgendwann gedacht, dass man daraus ein gutes Album machen könnte. Der Gedanke war selbst überraschend für mich. Ich gehöre nicht zu den Künstlern, die sich hinsetzen und ein Konzept für ein Album erarbeiten.  

Ich schätze mal, dass viele Leute – aus deinem Umfeld sowie Fans – nach einem Album gefragt haben?

Ja, allerdings. Trotz des ganzen Streamings und der dadurch veränderten Art des Musikhörens gibt es noch genug Leute, die sich auf die traditionellen Wege wie CD und Vinyl fokussieren und Interesse daran hatten. Bei Shows haben immer wieder Leute nach einem Longplayer gefragt, das fand ich gut.

Du bist Vater zweier kleiner Kinder. Ist das Familienleben etwas, das dich beim Schreiben deiner Texte beeinflusst?

Meine Familie und meine Freunde liefern mir schon die meiste Inspiration. Meine Frau, meine Kinder… sie sind in meinem Geist und meinem Herzen, wenn ich schreibe.

Der Autor Chuck Palahniuk sagte mal: “Art never comes from happiness”. Und vermutlich sind die größten Songs im tiefsten Schmerz entstanden. Stört da ein glückliches Familienleben nicht eher?

Man kann nicht wirklich glücklich sein, wenn man nicht auch traurige, dunkle Momente hat. Ich nutze die Musik als eine Art Therapie, um diese Seiten zu verarbeiten, denn die gibt es, auch wenn ich im Grunde ein schönes und glückliches Leben führe. Wenn ich ins Studio gehe, bevorzuge ich es, allein zu sein, um mir selbst Raum zu geben und in diese Gefühle abzutauchen.

Ich habe gelesen, dass du eine Schwäche für Gerüche als Inspirationsquelle hast.

Mein Künstlername kommt aus dem Walisischen und bedeutet übersetzt “einfach”, und ich habe ihn gewählt, weil ich die einfachen Dinge mag, eben auch die Sinne, die der Mensch so besitzt. Vor allem den Geruchssinn. Deswegen habe ich zwei Duftkerzen für mein Merchandise entworfen. Ich glaube, die Verbindung von Musik und Geruch verstärkt beide Sinne. Es gibt Gerüche wie auch Musik, die dich am ehesten an bestimmte Situationen oder Orte erinnern. Das zu verbinden, fand ich spannend.

SYML – The Bird

Es gibt aber auch musikalische Referenzen auf dem Album. “The Bird” ist beispielsweise von Jeff Buckley inspiriert. Was berührt doch sonst noch an aktueller Musik?

Schon als Kind mochte ich Buckley, aber auch Chris Cornell von Soundgarden beispielsweise. Heute bin ich ein großer Fan von James Blake, Ólafur Arnalds, Nils Frahm, Bon Iver, Sigur Rós … alle Künstler, die dich mit ihrer Musik in eine andere Dimension versetzen können.

Trotz deiner schon frühen musikalischen Ambitionen wolltest du eigentlich mal Tierarzt werden…

Musik war schon immer ein großer Teil meines Lebens, ich habe schon als Kind Instrumente gespielt. Aber ich hatte nie den Plan, daraus einen Beruf zu machen. Und richtig, in der Highschool wollte ich unbedingt Tierarzt werden, aber ich habe recht schnell festgestellt, dass es dafür intellektuell nicht reicht. (lacht) Meine größten Mentoren waren damals meine Musiklehrer, sie haben mich dann auch dazu gebracht, mich musikalisch weiterzuentwickeln. Und nach der Gründung einer ersten Band wurde später dann irgendwann ein Job daraus.

Wie schon erwähnt ist SYML (sprich: simmel) das walisische Wort für “einfach”. Du hast es gewählt, nachdem du von deine Wurzeln erfahren hast, denn du wurdest adoptiert.

Als ich herausgbekommen habe, dass ich aus Wales stamme, habe ich mir natürlich weitere Fragen über meine Identität gestellt. Aber im Grunde macht das vermutlich jeder. Warum bin ich der, der ich bin? Woher komme ich, und wie sehr beeinflusst das mein Handeln? Es ist auf der einen Seite wichtig für mich zu wissen, dass ich Waliser bin, aber auf der anderen Seite ist es dann auch wieder egal, denn eigentlich komme ich eben doch aus Seattle. Hier ist meine Familie, hier bin ich groß geworden. Das macht meine Identität am Ende aus, nicht der Ort, aus dem ich stamme.

Seattle ist ja eine musikalisch nicht unbedeutende Stadt. Ist der Spirit von einst heute noch lebendig?

Ja, ich glaube schon. Ich bin nicht wirklich Teil der Szene hin Seattle, die wandelt sich seit dem Ende des Grunge ohnehin ständig. Aber es gibt gute Rockmusik, Jazz, Folk … hier sind noch immer viele gute Künstler. Aber du musst dich schon selbst umschauen, um Inspiration zu finden. Und am Ende kommt eine andere meiner Lieblingsbands nicht einmal von hier. Es sind die Smashing Pumpkins, und die stammen aus Chicago. Immer wenn ich dorthin reise, erwarte ich irgendwie mehr Magie, aber die gibt es nicht. (lacht) Ich weiß auf jeden Fall nicht wirklich, was die Szene von Seattle gerade so konkret ist, aber ich liebe es schon, hier zu leben.

Du gehst bald auf große USA- und Europatournee. Wie regelst du das mit deiner Familie, wenn du unterwegs bist? Gerade in den ersten Jahren verpasst man beim Aufwachsen der Kinder recht viel...

Es ist schon sehr hart. Meine Kinder sind zwei und vier Jahre alt, in dieser Phase braucht es viel Kraft, Eltern zu sein. Meine Frau macht das toll, wir haben große Unterstützung von der Familie. Aber wir werden die Europatour zusammen bestreiten, als Familie, mit den Kindern. Ich glaube, das wird toll.

SYML – Wildfire

SYML live in Deutschland: 

21.06.19 Neuhausen ob Eck – Southside Festival
22.06.19 Scheessel – Hurricane Festival
23.06.19 Leipzig – Naumanns
08.08.19 Haldern – Haldern Pop Festival
12.09.19 München – Strom
16.09.19 Frankfurt – Zoom
17.09.19 Köln – Luxor
18.09.19 Berlin – Bi Nuu

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