They all come back: Faith No More wieder zusammen

Altersschnitt der Rockszene steigt weiter dramatisch an

Die Flut der Re-Unions von 80er und 90er-Bands hält an. Doch diesmal kann man sich tatsächlich freuen: Faith No More, Mike Pattons Rentenversicherung, kommen im Sommer zurück auf Tour und präsentieren hoffentlich großes Rockkino.

Mike Patton wurde Ende der 80er als charismatischer Sänger seiner Band Faith No More bekannt, die lange Zeit als billiger Abklatsch der Red Hot Chili Peppers galt. Was damals wenige wussten: Mike Patton hatte damals schon eine höchst ambitionierte Musikerkarriere hinter sich und hatte bis dato bei der Avantgarde-Noise-Band Mr. Bungle gesungen, die sich jeder Kommerzialität gnadenlos verschloss und später von Jazzguru John Zorn produziert wurde.

Faith No More war also ganz klar ein kalkuliertes, kommerzielles Vehikel, um die Popbranche zu unterlaufen und entsprechend platt kam die Band daher, wirkte von Anfang an wie eine Karikatur ihrer selbst. Und genau dieser Ruf als Rock-Clowns machte sie zu Weltstars. Hits wie "Epic" oder "Midlife Crisis" prägten die beginnenden Neunziger Jahre, ebenso wie die ultracoole Version des Klassikers "Easy". Doch irgendwann verloren sie das Interessen am Mainstream und konzentrierten sich lieber wieder auf sperrige Projekte.

Die Liste der Arbeiten Mike Pattons liest sich seitdem beeindruckend: er spielte zum Beispiel eine ganze Reihe von "Instrumenten" auf dem experimentellen Björk-Album Medulla - alleine mit seiner Stimme. Mit seinen Bands Mr. Bungle, Fantômas oder Tomahawk sprengte er immer wieder die engen Grenzen des Rock, trat als Gastsänger bei verschiedensten Bands auf und spielte zuletzt mit einem kompletten Orchester italienische Schlager der 60er Jahre.

Jetzt also wieder Faith No More. Über eines kann man sich ziemlich sicher sein: so eine abgehalfterte Figur wie Axl Rose wird man bei Faith No More nicht erleben. Dazu ist der künstlerische Output von Mike Patton einfach viel zu hoch. Wenn alte Herren also nochmal mit ihren alten Lorbeeren kräftig absahnen wollen, dann wird das im Fall von Faith No More vermutlich kein Trauerspiel, wie bei so vielen anderen, denen das Geld ausgegangen ist und sich nun ihren Ruf verspielen, sondern ein echtes Freudenfest.

Wann und wo Faith No More im Sommer spielen werden, ist bisher noch nicht bekannt.

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