Thom Yorke veröffentlicht Soloalbum via Filesharing

"Ein Experiment", um die Gatekeeper zu umgehen

Überraschend hat Radiohead-Sänger Thom Yorke gestern sein neues Soloalbum veröffentlicht. Allerdings nicht über die üblichen Kanäle, sondern als BitTorrent-Bundle. Einen Song gibt es gratis, das Album wird für 6 Dollar angeboten.

BitTorrent ist ein Filesharing-System, das einen zentralen Server umgeht und große Dateimengen von Nutzer zu Nutzer transportiert. Bisher wird dieser Kanal überwiegend für die illegale Verbreitung von Filmen und Musik genutzt, Thom Yorke will jetzt, dass all seine Fans sich einen BitTorrrent-Client installieren, um sein neues Album herunterladen zu können. 

BitTorrent-Chef Matt Mason erklärte gegenüber Fader, warum das auch die Zukunft für andere Künstler und ihre Labels sein könnte: "Wir haben 170 Millionen Nutzer weltweit, das sind doppelt so viele als Bandcamp, Spotify, Netflix und Hulu zusammen." Seine Firma arbeite längst mit allen Labels und auch Filmstudios zusammen, um BitTorrent zur legalen Plattform zum direkten Vertrieb von Musik und Filmen auszubauen. 

Download: Thom Yorke - "Tomorrow's Modern Boxes"

Die Veröffentlichung bei BitTorrent heißt aber nicht, dass es kostenlos ist: das neue Album kostet 6 Dollar, den hörenswerten Song "A Brain In A Bottle" und ein Video gibt es zum Reinhören kostenlos. Das Laden des Programms und der Files ist ganz einfach und an sich auch nicht illegal. 

Yorke sagte in einem Statement:

"Es ist ein Experiment, ob die Mechanik des Systems auch für die Allgemeinheit verständlich ist. Wenn es gut funktioniert, könnte es ein effektiver Weg sein, die Kontrolle des Internetvertriebs denen zurück zu geben, die etwas produzieren und die Gatekeeper zu umgehen."

Was fast alle bekannten Künstler gemeinsam haben, die auf neue Weise Musik veröffentlichen und das Musikgeschäft damit revolutionieren wollen, egal ob U2, Nine Inch Nails oder Radiohead: sie alle sind weltbekannte Marken, Namen, die mit Hilfe von Major Labels groß, berühmt und reich geworden sind. 

Es gibt unzählige unbekannte Bands da draußen, die ihre Musik längst selbst veröffentlichen und dafür alle verfügbaren Kanäle nutzen. Für diese Bands ist es unerheblich, ob das Experiment von Thom Yorke funktioniert oder nicht, weil nach ihrer Musik (noch) niemand sucht. 

Insofern ist es auch eine PR-Masche, mit dem neuen Album auf diese Weise für Schlagzeilen zu sorgen, während Yorke - welch ein Zufall - gerade dadurch in den Medien ist, dass er mit Radiohead im Studio an einem neuen Album arbeitet. Und sie funktioniert: in nur wenigen Stunden wurde das neue Album über 30 000x heruntergeladen.

Bereits im Jahr 2007 hatte er mit Radiohead einen neuen Weg, Musik zu veröffentlichen gewählt. Damals war es den Fans überlassen, wie viel sie für das Album "In Rainbows" zahlen wollten. Auch das konnte nur funktionieren, weil Radiohead Millionen von Fans da draußen haben.

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