Tidal floppt in den USA und England

Jay-Zs Streaming Angebot entwickelt sich zum Desaster

Vor nicht mal einem Monat stellten 16 Superstars stolz ihren neuen Streamingservice Tidal vor, mit dem sie nicht weniger als die Musikbranche revolutionieren wollten. Von der Revolution ist kurze Zeit später nichts mehr zu spüren: niemand interessiert sich bisher für Tidal.

Ein erfolgreicher Star muss nicht immer die nötige Bodenhaftung haben, um einen Markt richtig einschätzen zu können. Nun hat Jay-Z zwar seinen Riecher fürs dicke Geschäft mehrfach unter Beweis gestellt. Mit seinen Ambitionen das Streaminggeschäft revolutionieren zu wollen, ist er aber deutlich übers Ziel hinaus geschossen. 

In den USA ist Tidal gerade aus den Top 700 iPhone Apps gerutscht, wie Techradar berichtet. Das heißt, wirklich niemand interessiert sich dafür, ob ein paar reiche Superstars Tidal zum einzig möglichen Streamingdienst erklären oder nicht. Daran änderten auch vermeintlich "exklusive" Videos der Miteigentümerinnen Beyonce oder Rihanna nichts. Die meisten exklusiven Rechte befinden sich zudem im Besitz der Major-Plattenfirmen, die wohl kaum entspannt dabei zuschauen werden, wie ihre Stars ihnen ihr Geschäftsmodell abgraben.

Ein weiteres Anzeichen für die maßlose Selbstüberschätzung von Jay-Z: Tidal CEO Andy Chen musste nach nur zwei Wochen bereits gehen. Ein gut durchdachter Launch sieht anders aus. Das selbstzufriedene Video zum Launch von Tidal sieht inzwischen aus wie große Satire. Das Problem: die meinen das ernst.

Tidal beweist lediglich, wie überstrapaziert das Wörtchen "exklusiv" im Online-Zeitalter ist.

Nichts ist mehr exklusiv in der digitalen Welt. Alles ist überall verfügbar, kopierbar, downloadbar. An dieser schlichten Wahrheit scheitern Musikmanager schon seit vielen Jahren immer wieder, durch ihre verständliche Wunschvorstellung, wieder selbst entscheiden zu können, wo und zu welchen Konditionen die Fans ihre Produkte konsumieren. 

Vielleicht ist Tidal der letzte gescheiterte Versuch dieses Ruder nochmal rumzureißen, denn wenn selbst nicht einmal die Superstars ihre insgesamt halbe Milliarde Fans davon überzeugen können, sich die Musik doch bitte künftig nur noch bei Tidal zu besorgen und nicht auf den Youtube-Rip zu warten, dann schafft es wohl niemand. Auch nicht mit neuen "exklusiven" Alben von Rihanna oder Daft Punk.

Ein gutes hat der Flop allerdings: vielleicht bleibt der befürchtete Kampf um exklusive Releases auf den diversen Streaming-Services doch aus. Denn auf diese Weise würden sie sich und ihr Geschäft wohl selbst erledigen und die Leute reihenweise in den Plattenladen oder auf illegale Seiten treiben. Die Musikbranche wäre jedenfalls gut beraten, ihr Spiel mit dem Wort "exklusiv" noch einmal zu überdenken, denn es ist und bleibt nichts weiter als eine hohle Floskel, die keinen da draußen wirklich juckt. 

Kanye West, der zu den wichtigsten Unterstützern von Tidal gehörte, hat inzwischen auf seinem Twitter-Profil alle Referenzen zu Tidal gelöscht.

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