Tipps vom Profi: Die Grundlagen des Home-Mixing

Durch richtiges Mixing den nächsten Schritt machen

Keyhan Skornia ist Produzent, Musiker und Betreiber eines Online-Mixing-Studios. Für Tonspion hat er einige Tipps zum Home-Mixing zusammengefasst und erklärt zudem, wie ein professionelles Online-Mixing euren Sound auf die nächste Stufe heben kann. 

Als Produzent und Musiker weiß ich, dass viele Künstler ihre Musik lieber in ihrer vertrauten Umgebung aufnehmen. Denn heutzutage kann man von Zuhause aus ebenfalls eine sehr gute Aufnahmequalität erreichen. Aus diesem Grund habe ich meinen Online-Mixing-Service ins Leben gerufen, um euch die Möglichkeit zu geben, eure aufgenommenen Spuren an mich zu senden, um diese am Ende zu einem professionellen Song werden zu lassen.

Das Mixing ist und bleibt die Königsdisziplin in der Musikproduktion und erfordert jahrelange Erfahrung, sowie ein geschultes Gehör. Deshalb solltet Ihr eure Spuren nach dem Recording immer in professionelle Hände bzw. Ohren übergeben. Ihr werdet euch wundern, was aus euren Spuren rauszuholen ist. Viele Anfänger denken, dass eine Adele beispielsweise so gut klingt, weil sie in einem 500.000€ Studio mit tausenden von Knöpfen aufgenommen wurde.

Dazu sage ich ganz klar: Nein! Das Wichtigste ist die Stimme, in Kombination mit der Performance vor dem Mikrofon. Wenn das gut klingt, wird die Aufnahme auch mit einem "günstigen" 500€-Mikrofon super klingen.

Equipment für Home-Recording

Welches Equipment Ihr wofür genau braucht, erfahrt Ihr am besten in einem Musikgeschäft. Dort bekommt Ihr vom jeweiligen Fachberater eine individuelle Beratung zu genau dem, was Ihr für eure Aufnahmen braucht. Außerdem könnt Ihr verschiedenste Mikrofone testen um zu ermitteln, welches für eure Zwecke am besten geeignet ist. Wenn Ihr bereits einen Computer besitzt, rechnet ca. 700-900€ für Mikrofon, Audio-Interface, Kabel und Software ein und Ihr seid ready to go!

▶ Tipps vom Profi: Das perfekte Homerecording-Studio

Console (Unsplash)
Es braucht nicht immer das größte Studio. Eine gute Aufnahmequalität lässt sich heute auch ganz einfach von Zuhause aus erreichen.

Was versteht man unter Mixing und Mastering?

Nachdem alle Aufnahmen für euren Song erfolgreich abgeschlossen sind, beginnt der Mixing-Prozess. Zu Deutsch: mischen bzw. abmischen. Hierbei hat der Toningenieur alle Spuren in Rohform vor sich liegen, die nun bearbeitet werden müssen. Am Anfang klingt die Gesangaufnahme noch sehr unspektakulär und fügt sich nicht in den Gesamtmix ein. Der Bass oder die Snare ist zu lasch oder zu laut und steht nicht in einem ausgewogenen Verhältnis zu allen anderen Elementen des Songs.

Deshalb wird nun jede Spur einzeln mit verschiedensten Effekten und Klangbearbeitungen bestückt, damit am Ende ein stimmiges und atmosphärisches Gesamtbild entsteht.Vergleichbar ist dies mit einem aufgeräumten Regal, in welchem jeder Gegenstand an seiner richtigen Stelle steht.

Gerade deshalb gestaltet sich der Mixing-Prozess sehr arbeitsintensiv und zeitaufwendig, bis man ein professionelles Ergebnis erreicht. Nachdem dieser Schritt erledigt ist, folgt das Mastering. Hierbei erhält der Audio-Engineer das fertig exportierte Stück als Musikdatei. Alle Spuren die wir beim Mixing abgemischt haben, sind nun miteinander verschmolzen. Jetzt folgt der letzte “Feinschliff“ des Gesamtsongs. Er wird in seiner Lautstärke angehoben, analysiert und mit finalen Korrekturen versehen.

Wichtig zu wissen: Beim Mastering hat der Engineer keinen Einfluss auf einzelne Spuren. Er kann also nicht nachträglich die Stimme oder nur ein bestimmtes Instrument bearbeiten. Effekte die er anwendet, wirken sich immer auf den Gesamten Song aus. Deshalb erfordert eines gutes Mastering immer ein gutes Mixing!

Was Ich persönlich am Produzieren bzw. Mischen von Musik liebe, ist die Tatsache, dass es nicht den einen richtigen Weg gibt. Es gilt die Devise: Wenn es gut klingt, ist es auch richtig. Natürlich müssen einige grundlegende Dinge in der Musikproduktion beachtet werden, jedoch ist immer der Weg das Ziel.

Praxistipps für das Home-Mixing

Der Beat steht und die Aufnahmen sind im Kasten. Wer jetzt seinen neuen Song, trotz guter Performance, voller Euphorie präsentieren möchte merkt schnell, dass er ohne jegliche Bearbeitung in Rohfassung eher enttäuschend klingt.

Hier ein Beispiel:

Rohfassung (Ungemischt):

Fertige Mp3 (Gemischt):

Hierbei wird deutlich, wie wichtig ein gutes Mixing und Mastering für euren Song ist. Beim ersten Beispiel in Rohform kommen keinerlei Power und Emotionen rüber. Diese Elemente sind jedoch enorm wichtig, um auch eure Zuhörer zu überzeugen.

Zur Info: Der Künstler hatte alle Aufnahmen zu Hause getätigt und mir anschließend alle Spuren zum Mixing geschickt. Gute Qualität erfordert also nicht zwangsläufig den Besuch eines Tonstudios.

▶ Tipps vom Profi: Rap Vocals zu Hause aufnehmen

Plugins (Screenshot)

Falls Ihr erstmal selbst auf die Schnell mischen wollt, gibt es einige Tools, die Ihr für den Anfang braucht. Jede Software für Musikproduktion wie Cubase, Logic oder Pro Tools hat diese Standard-Plugins bereits installiert. Dabei handelt es sich um grundlegende Effekte wie:

  • Der Equalizer (EQ): Mit dem Equalizer filtert Ihr hauptsächlich Frequenzen raus, die in eurer Aufnahme stören. Das sind bei männlichen Stimmen beispielsweise Bassfrequenzen, die von 0-110 Hertz, je nach Stimme, abgeschnitten werden müssen, damit Platz für den Bass des Instrumentals frei gemacht wird. Dadurch wirkt die Stimme wesentlich klarer als zuvor. Jetzt gilt es weitere Frequenzen der Stimme herauszufiltern, damit diese verständlicher klingt. Da hier jede Stimme andere Frequenzen benötigt, kann man zu diesem Vorgehen keine allgemeingültigen Angaben machen. Man muss auf sein Gehör vertrauen und bei jedem Schritt unterscheiden können, ob dieser die Qualität steigert oder nicht.
     
  • Der Kompressor: Mit einem Kompressor sorgt man dafür, dass die Stimme in Ihrer Lautstärke durchweg gleich bleibt. Wenn Ihr beispielsweise an einer Stelle der Aufnahme lauter werdet, greift der Kompressor ein um euer Signal auf den selben Lautstärkepegel zu halten wie die leiseren Parts. 

Diese beiden Plugins sind die wichtigsten Werkzeuge in der Musikproduktion. Jedoch gibt es noch viele weitere Klangwerkzeuge und Methoden um euren Song auf ein professionelles Niveau zu bringen. Wenn ihr euch den mühsamen Weg ersparen wollt, euch all diese Werkzeuge und Handgriffe selbst anzueigenen, könnt ihr euch an die Keyhansound Studios und deren Online-Mixing-Service wenden.

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