Tonspion beim Festival Internacional de Benicassim pt. II

Wir erinnern uns: Wohlverdient macht der Tonspion Urlaub und fährt für Festivalfreude nach Spanien. Für alle, die seine sanft drückende Promotion und die schicke Compilation nicht überzeugen konnten: Teil II seines, unseres FIB-Berichtes.

FIB TAG ZWEI
Opfer unseres Rumtrödelns am Strand: Juniper Moon. Eine der wenigen spanischen Bands hier, die mich im Vorfeld nicht nur interessieren, sondern durchweg erfreuen konnte - und ich verpasse sie. Komplett. Schade.

Aber dicht gepackt ist das Festivalprogramm und wenig Zeit bleibt für verärgertes Dreinblicken. Tahiti 80 überraschen mit - nunja - überraschend rockenden Set. Die Band spielt sich durch ein ausgesuchtes Hitprogramm und schlägt begeistert Räder auf der Bühne. Wieso ist hier eigentlich jeder so rasend gut gelaunt?

Keine Ausnahme: Schwarz. Bislang der mit Abstand am meisten nach Rockgitarren schmeckende Act hier - und ebenfalls durchweg gut und gut gelaunt. Das Venus In Furs-Cover "TV Eye" tritt zum Schluss ordentlich Dinge zusammen, und obwohl den Freunden von Tahiti 80 nur wenig Zeit für diese Band bleibt, können schon die wenigen beobachteten Minuten komplett überzeugen.

Die junge Rockmusikhoffnung The Coral und die neue Band des Crispian Mills namens The Jeevas schlagen in eine nicht unähnliche Kerbe. Doch weder die Anfangzwanziger noch der ehemalige Kula Shaker-Frontmann können dabei vollends überzeugen. Technisch wahnsinnig gut, gefühlsmäßig eher nicht so doll. Dass das andere anders sehen, wird mir gesagt. Doch dieser Bericht gehört mir und meine Objektivität habe ich daheim gelassen.

Und nicht nur ich: Travis und ihr doch recht auffällig routiniertes Programm werden ohne Ende gefeiert; neue Songs und alte Hits, so fassen wir das mal zusammen. Wer Travis mag, hätte dieses Konzert wohl auch gemocht.

Wer Beck mag, wäre von seinem Benicassim-Auftritt überrascht gewesen. So ein langer Soundcheck, so ein schlimmer Sound. Doch nach dem dadurch etwas verkorksten Opener "Mixed Bizness" fangen sich die Techniker wieder. Beck und Band lassen knapp anderthalb Stunden größeren Entertainments folgen. DJ und Schnickschnackmusikanten sind zuhause geblieben, an einem Rockmusikentwurf des Becksounds wird gearbeitet. Ein wenig Disco wird man sich hier jedoch nie verkneifen können; und die wunderbaren Discobremsen vom "Sea Change"-Album wirken fast ein wenig lieblos ins Programm gepackt. Nicht dass sie nicht trotzdem ergreifend wären.

Dem Abendheadliner folgt schönstes Heimatprogramm. Masha Qrella und Barbara Morgenstern haben mit Technikproblemen zu kämpfen; die Qualität ihrer Auftritte scheint das jedoch nicht zu beeinflussen. Masha Qrella bricht nach einer Weile entnervt ab, liefert bis dahin jedoch wunderbare Momente und Lieder - und spielt als Quasizugabe dann doch noch Contrivas "Next Time". Vielleicht liegt es an mir und Sturheit, aber ich kann sie und ihre Konzerte wohl einfach niemals schlecht finden. Nur immer wieder von Songwriting, Arrangement, Auftreten beeindruckt sein. Sehr schick: Ich bin hier nicht allein.
Barbara Morgenstern = gut. Ebenso. Sicher. Aber während sie erfolgreich mit ihrem Computer kämpft, verliere ich gegen meine Müdigkeit. Lieber gehen, als diese feine Chanteuse durch ordinäres Vor-der-Bühne-Umkippen und -Schlafen zu beleidigen. Und schließlich gibt es morgen noch viel zu sehen. (sc)

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