Trap im Hip-Hop

Die konfuse Findungsgeschichte eines Genres

Trap ist viel mehr als nur ein Genre im Rap. Wir erklären, wie Trap entstanden ist und stellen die wichtigsten Vertreter vor.

Was ist Trap? Eine Definition

Unter Trap versteht man seit Mitte der 2010er einen neuen Stil des Hip-Hops, der sich vor allem durch seinen zurückgelehnten Flow, seine minimalistischen Beats und seine zunehmende Melodik auszeichnet. Diese Spielart des Raps sticht vor allem durch ihren abgehobenen Sound heraus und definiert sich im Gegensatz zu vorigen Subgenres weniger durch ihre brutale Gangster-Attitüde. Das noch junge Aufkeimen des Trends lässt aber oft vergessen, dass die Begriffsfindung des Trap eine deutlich längere Geschichte hinter sich hat. Wir zeichnen die Entstehung einer Musikrichtung nach.

Trap seit den 90ern: Verwirrung und Pioniergeist

Der Begriff „Trap“ benennt isoliert betrachtet erstmal gar keine bestimmte Musikrichtung, sondern vor allem eine thematische Ausrichtung. Das Slang-Wort bezeichnet in der US-amerikanischen Drogenszene den Ort, an dem Deals stattfinden. Entsprechend gelten in den 90ern vor allem diejenigen als Trap-Rapper, die in ihren Texten entsprechende Thematiken bedienen.

Das US-amerikanische Hip-Hop-Duo UGK wird so etwa mit seiner 1992 erschienen EP „Cocaine In The Back Of The Ride“ zum frühen Ausläufer. Erst mit Anbruch der 2000er etabliert sich Trap aber tatsächlich als Genre-Begriff, dessen Leitlinien dennoch weiterhin vor allem in der thematischen Grundlage begründet waren.

Der Atlanta-Rapper T.I. veröffentlicht 2003 sein Album „Trap Muzik“, das anhand seines Titels einen Pionieranspruch äußerst plakativ deutlich macht. Zehn Jahre später sagt T.I. in einem Interview, er habe Trap erfunden – und ärgert sich über die ausbleibende Anerkennung dessen.

Trap als Genre

Musikalisch ist das Ganze weiterhin schwer zu begrenzen. In Online-Musikforen diskutieren Hip-Hop-Fans seitenweise, wo die Unterschiede zwischen Trap und Gangster-Rap liegen, vermögen aber kaum bessere Argumente zu bringen, als dass ihnen die Beats der einen Seite besser gefallen als die andere.

Manche meinen, der Begriff Trap bezeichne eigentlich nur diejenigen Rapper, die aus den Südstaaten der USA stammen. Andere denken, es gäbe zwischen beiden Richtungen eigentlich kaum einen Unterschied. Die Verwirrung wird perfekt, als Anfang der 2010er ein Genre der Electronic Dance Music die Bildfläche betritt, das ebenfalls Trap heißt, aber wohl kaum mit den Hip-Hop-Künstlern der frühen 2000er in Verbindung gebracht werden kann.

Die Diskussion ist kurios, steht aber beispielhaft für die verwirrende Genese vieler Genrebegriffe, die stets im Spannungsfeld von Presse, Künstlern und Publikum geformt werden.

Mitte der 2010er: Die musikalische Etablierung des Trap

Nun die erstaunlichste Entwicklung in dieser Historie: In der Mitte der 2010er begehen US-amerikanische Rapper musikalisches Neuland und etablieren damit einen frischen Sound, der für Trap tatsächlich eine klangliche Prägnanz bedeutet.

Vor allem der Flow der neuen Rap-Welle unterscheidet sich prägnant vom Sound vorangegangener Hip-Hop-Dekaden. Neue Künstler wie Lil Yachty oder 6ix9ine setzten in ihren Parts nicht mehr auf einen möglichst routiniert durchfließenden Duktus, sondern betonen die Silben ihrer Zeilen in prägnant zuckenden Staccato-Pulsen.

Die „Adlibs“ genannten Worteinwürfe zwischen den Versen gewinnen zunehmend an Bedeutung, Kunstwörter wie „Scurr“ oder Lil Pumps „Esskeetit“ werden zu begrifflichen Symbolen für die neue Trapwelle. Die Beats des Genres werden dem Zeitgeist entsprechend technisierter, zeichnen sich eher durch sublimen Minimalismus als durch maximierte Epik aus. Die Mainstream-Erfolge von Drake dürfen hier durchaus als Einfluss betrachtet werden, obwohl Songs wie „Hotline Bling“ insgesamt noch ein Stück vom Trap-Sound der späten 2010er entfernt sind.

Trap: Musikalisch aufregend, textlich redundant?

Der neue Stil stößt nicht überall auf Gegenliebe. Hatte der frühe Trap-Begriff vor allem durch seine inhaltliche Ausrichtung Legitimation erhalten, erzeugt die neue Welle vor allem durch seine inhaltliche Redundanz Kontroversen.

Lil Pumps „Gucci Gang“ wird zum Kulthit und kann durch seine drogenverherrlichenden Inhalte sogar als Transfer des ursprünglichen Trap-Gedankens betrachtet werden. Gleichzeitig werden Vorwürfe laut, dem Genre würde es an Wortgewandtheit und inhaltlicher Tiefe fehlen – immerhin besteht der Text des Songs zu großen Teilen aus Wiederholungen des Titels, der in nur etwas über zwei Minuten Laufzeit sagenhafte 53 Mal wiederholt wird.

In der Tat tritt mit dem Beginn des neuen Traps eine Fokusverschiebung im Hip-Hop ein. Die Rapper des neuen Stils identifizieren sich deutlicher über ihren Sound als über ihren Inhalt. Das zeigt nicht nur die vormalige Bestimmung des Trap-Begriffs, sondern auch die gerade in Deutschland vorherrschende Betrachtungsweise, die Qualität von Gangster-Rappern über wahnwitzige Reimketten oder kluge Wie-Vergleiche zu legitimieren.

Der Durchbruch des Autotune im Trap

In diesen Zusammenhang passt auch, dass Trap eine neue Emanzipation des Autotune voranstößt. „Outlet“ des New Yorker Rappers Desiigner ist ein gutes Beispiel für den massiven Einsatz der stimmverzerrenden Technik, die Trap einen deutlichen melodischeren Anstrich als bisherigen Hip-Hop-Epochen verleiht.

Diese Entwicklung führt auch dazu, dass sangliche Hooks in dem Genre zunehmend an Bedeutung verlieren. Im neuen Trap verschwimmen die Grenzen zwischen Refrain und Parts, was den verstrahlt fließenden Sound nur noch verstärkt. Gerade am Autotune-Einsatz machen viele Kritiker eine vermeintliche Talentlosigkeit bei den neuzeitlichen Rappern fest.

Das Stigma von Autotune als Korrektur von unsauberen Gesangsspuren scheint nach wie vor nicht verschwunden zu sein – dabei ist der geradezu plakative Einsatz von Autotune im Trap doch vor allem ein Stilmittel und keine Überspielung von Unzulänglichkeiten.

Trap hat eine Vielzahl neuer Künstler an Land gespült. Im Folgenden zeigen wir euch eine Liste der wichtigsten Genre-Vertreter aus den USA und dem deutschsprachigen Raum.

Die wichtigsten Vertreter des Trap 

Lil Nas X

Montero Lamar Hill ist ein prägnantes Beispiel dafür, wie rasant Trap-Rapper aktuell an Popularität gewinnen und welchen Einfluss sie auch außerhalb ihres eigenen Genres auf den Mainstream haben. Lil Nas X‘ Ende 2018 releaste Debütsingle „Old Town Road“ ist zunächst noch als deutlicher Beitrag zum zeitgenössischen Trap-Sound zu verstehen, einige Monate später erscheint eine Remix-Version des Songs mit niemand geringerem als Country-Star Billy Ray Cyrus. Es entsteht eine Kontroverse, weil der Song nicht in die Billboard-Country-Charts einziehen darf. Lil Nas X ist bei den Grammys 2020 für fünf Auszeichnungen nominiert und gehört damit zu den von der Award-Show anerkanntesten Künstler. Gewinnen kann er schlussendlich aber nur eine Trophäe.

6ix9ine

Der aggressive Vokalstil von 6ix9ine steht im deutlichen Kontrast zum eher zurückgelehnten Sound der meisten Trap-Rapper und streift schon ansatzweise am Sound von Screamo-Rappern wie etwa Scarlxrd, die Ende der 2010er ebenfalls an Bedeutung gewinnen. 6ix9ines Adlibs-orientierter Flow schmiegt sich dafür deutlich an den Zeitgeist an, seine extravagante Optik mit Gesichtstattoos und wilden Haaren ist in der Szene fast schon ein zeitgenössisches Klischee. Neue Musik ist von dem US-Amerikaner aber erstmal nicht zu erwarten: Ende 2019 wird 6ix9ine zu zwei Jahren Haft verurteilt, ihm werden illegaler Waffenbesitz und Beteiligung an einem Raubüberfall vorgeworfen.

Lil Pump

Lil Pump zählt zu den schillerndsten Vorreitern von US-amerikanischem Trap und steht gleichzeitig für das oft beeindruckend junge Alter seiner Vertreter. Als der bürgerlich Gazzy Garcia heißende Rapper seinen Megahit „Gucci Gang“ veröffentlicht, ist er gerade einmal 17 Jahre alt. Garcia wird zum Symbolbild für die umstrittene Rezeption des Traps: Die Kollegen von Laut.de nennen seine Songs so etwa „Meilensteine der Hirnlosigkeit“.

Money Boy

Ja, richtig gelesen. Money Boy ist derjenige Rapper, dessen Karriere phänomenal mit „Dreh den Swag auf“ begann, einer katastrophal dilettantischen Coverversion von Soulja Boys „Turn My Swagger On“. Was viele aufgrund dieser Konnotation kaum auf dem Schirm haben: Jahre später gehört Money Boy im deutschsprachigen Raum zu den ersten, die den Trap-Trend aus den USA riechen und in ihre Songs adaptieren. Das 2016 etwa unter dem Pseudonym Why SL Know Plug veröffentlichte „Trap House macht die Numbers“ ist bei seinem Release hierzulande noch ein deutliches Novum – mittlerweile ist der Sound zum Standard geworden.

Rin

Rin ist die vielleicht prägnanteste Verkörperung des US-amerikanischen Trap-Sounds im deutschsprachigen Raum. Die minimalistischen Beats, die Autotune-getränkten Flows, die prägnanten Adlibs und der abgehobene Sound bringen alle Ästhetiken des Genres auf den Punkt. Besonders der Song „DONTLIKE“ wird zum Aushängeschild des Künstlers. Die darin enthaltene Catchphrase „Es ist Donnerstag, ich kauf mir Supreme“ wird gleichzeitig zum Symbolbild einer vermeintlich materialistischeren Jugend.

Yung Hurn

Der österreichische Rapper Yung Hurn ist neben Rin als weitere wichtige deutschsprachige Koryphäe des Traps zu verstehen. Gleichzeitig weist die Diskographie des Künstlers aber auch eine Experimentierfreudigkeit aus, die den Trap durchaus auszeichnet und gegen das vermeintlich fehlende künstlerische Talent der Szene spricht. So entfernt sich etwa die „Love Hotel“-EP vom reinen Rap-Sound und vermischt Yung Hurns Sound mit verstrahltem R&B. Trap gewinnt dadurch eine Pop-Komponente, die wesentlich weniger anbiedernd ist als die Songs von Pop-Rappern wie Bausa.

Empfohlene Themen