Urheberrecht Checkliste: Was ist legal? Was ist illegal?

Wann eine Abmahnung gerechtfertigt ist

Das Urheberrecht ist für viele Musik- und Filmfans ein Buch mit sieben Siegeln und sind plötzlich mit teuren Abmahnungen konfrontiert. Aber was ist eigentlich erlaubt? Was ist verboten? Wir sagen es euch.

Was ist das Urheberrecht?

Das Urheberrecht schützt alle, die eine "persönliche geistige Schöpfung" machen, sei es Musik, Filme, Bilder oder Software. Es handelt sich also nicht um eine Einschränkung, sondern um eine Errungenschaft unserer Zivilisation, dass auch Kreative einen Schutz genießen und deshalb von ihrer Arbeit leben können.

In Deutschland gilt dieser Schutz sogar automatisch, ein Urheber muss sein Werk nirgendwo anmelden. Das Werk muss aber nachweislich eine gewisse "Schöpfungshöhe" haben und individuell sein. Das heißt: nicht jeder Schnappschuss ist automatisch urheberrechtlich geschützt. Die Grenzen sind natürlich fließend, aber einigen wir uns einfach auf diese einfache Formel:
Filme und Musik sind grundsätzlich und immer urheberrechtlich geschützt und dürfen nicht ohne Erlaubnis verwendet und verbreitet werden.

VERBOTEN

Folgende Dinge sind in jedem Fall verboten in Deutschland und können eine Abmahnung nach sich ziehen. 

1. Filme oder Musik auf Tauschbörsen laden oder runterladen.
Hier gibt es zwar eine juristische Grauzone, doch viele Anwaltskanzleien haben sich auf Abmahnungen gegen Tauschbörsennutzer spezialisiert und können über die IP-Adresse einfach deine Adresse herausfinden. Und das kann teuer werden, vor allem, wenn du dir keinen Anwalt leisten kannst oder willst. Deshalb: Finger weg von Tauschbörsen! Wer erwischt wird, muss zahlen.

2. Filme oder Musik bearbeiten und unter eigenem Namen im Netz anbieten. Dazu braucht ihr immer die ausdrückliche Genehmigung des Urhebers. Nicht jeder Komponist möchte ungefragt mit einem Remix seines Werks beglückt werden. Manchmal werden Remixe trotzdem einfach ungefragt gepostet und sogar zum Hit, früher oder später wird aber jemand seine Ansprüche anmelden und auch dann wird es teuer.

3. Links zu offensichtlich illegalen Angeboten im Netz posten. Auch das kann eine Abmahnung nach sich ziehen. Was "offensichtlich" genau heißt, lässt der Gesetzgeber allerdings offen und muss gegebenenfalls in einem teuren Gerichtsverfahren geklärt werden.

4. Musik oder Filme online zugänglich machen. Höchste Alarmstufe! Du bist nicht anonym im Netz! Du darfst nur eigene Werke zugänglich machen. Wer entsprechend geschützte Inhalte auf Youtube oder Soundcloud hochlädt wird in der Regel einfach gelöscht. Wer das auf eigenen Seiten tut, wird abgemahnt und muss viel Geld zahlen. 

5. Kopierschutzmaßnahmen umgehen (etwa auf DVD, CDs oder Download Files), um eine Kopie zu erstellen.

6. Selbst aufgenommene Konzerte (Audio oder Video) oder DJ-Sets im Netz veröffentlichen. Auch bei Konzerten oder Songs für ein DJ-Set handelt es sich um urheberrechtlich geschütztes Material, das nicht einfach so im Netz veröffentlicht werden darf. Allerdings ist uns bisher kein Fall bekannt, dass ein kurzer Videomitschnitt von einem Konzert bei Instagram zu einer Abmahnung geführt hätte. Trotzdem sollte man sich der Gefahr bewusst sein und seine Video-Mitschnitte privat halten oder das Smartphone einfach in der Hosentasche lassen und den Moment genießen.

7. Unwissen schützt vor Strafe nicht: Gesetze gelten für jeden, egal, ob er sie kennt oder nicht. Nur weil man ein Gesetz nicht kennt, heißt das nicht, dass man nicht abgemahnt werden kann. Es hilft dann auch nicht zu behaupten, dass ihr ja nur Werbung für den Urheber machen wolltet. Denn auch das ist alleine die Entscheidung des Urhebers.
Als Faustregel: tut im Netz nichts, was anderen schaden könnte oder ihre Rechte einschränkt (zum Beispiel das Recht über das eigene Werk zu bestimmen). 

ERLAUBT

Folgende Dinge sind grundsätzlich erlaubt, wenn auch gewisse Voraussetzungen beachtet werden sollten.

1. Musik covern bzw. unverändert nachspielen.
Wenn ihr einen Song live oder für eine Aufnahme covern wollt, müsst ihr niemanden um Erlaubnis fragen, sofern ihr das Original nicht wesentlich verändert. Eine Coverversion ist schließlich meistens auch eine Respektsbekundung für das Original. Allerdings muss das Cover bei der GEMA angemeldet, damit dem Urheber seine Tantiemen zukommen können.

2. Musik privat kopieren (etwa im Freundeskreis). Die Privatkopie ist weiterhin erlaubt. "Privat" heißt aber in der Regel: offline. 

3. Eigene Daten auf Filehoster speichern. So lange nur ihr diesen Server nutzt und nicht öffentlich zugänglich macht - kein Problem (sofern euch nicht stört, dass die NSA mitliest...).

4. Musik kostenlos runterladen, die von den Urhebern selbst im Netz veröffentlicht wird. Das dient meistens Promotionzwecken und ist sogar ausdrücklich erwünscht. Der Download von legalen Quellen wie Tonspion, Soundcloud, Bandcamp oder Künstler-Homepages ist völlig legal. Im Zweifelsfall haftet der Anbieter, nicht der Downloader.

5. Erstellen von MP3s aus Youtube-Videos oder Radiosendungen. Früher wurde auf Kassette mitgeschnitten, heute auf MP3. Das ist für den privaten Hausgebrauch auch kein Problem und am Ende nicht wirklich nachweisbar. Nur bitte nicht im Netz veröffentlichen, zumal die Soundqualität dieser Files meistens auch sehr zu wünschen übrig lässt. 

6. Verleihen, verkaufen oder verschenken von Musik im privaten Rahmen ist legal. Das gilt aber nur für die Originale. Merke: das Internet ist nie privat, sondern öffentlich. Musikfiles im Netz zu verschenken oder zu verkaufen ist definitiv keine gute Idee.

7. Album Artwork für Rezensionen verwenden. Zwar sind auch Album Cover urheberrechtlich geschützt, doch wenn man das Cover abbildet, um ein  Album redaktionell zu besprechen, ist es in der Regel vom Zitatrecht gedeckt. Dabei ist darauf zu achten, dass das Cover weder verfremdet wird, noch zu rein kommerziellen Zwecken verwendet wird. Wer ein Cover beispielsweise als Magazintitel verwendet oder auf T-Shirts druckt, dürfte ein Problem mit dem Urheber bekommen. 

GRAUZONEN

Vieles ist nach wie vor in der juristischen Grauzone und wurde bisher nicht abschließend geklärt. Deshalb ist zumindest Vorsicht geboten, auch wenn die akute Gefahr eine Abmahnung zu bekommen, als eher gering einzuschätzen ist.

1. Musik oder Filme bei kostenlosen oder extrem billigen ausländischen Anbietern downloaden. In der Regel operieren diese Anbieter nicht nach deutschem Recht, sind aber für den User nicht "offensichtlich" illegal. Woher sollte man das auch wissen, wer gültige Verträge hat und wer nicht?
Unser Tipp: bleibt bei den Angeboten, die in Deutschland operieren. Diese halten sich in der Regel an die hier geltenden Gesetze und bezahlen ihre Abgaben an die Urheber. Aber: wenn ein Anbieter illegal operiert, kann man euch als Nutzer nicht dafür verantwortlich machen.

2. Streamen von Filmen, Live-Sendungen oder Musik im Internet ist nur schwer nachweisbar und wenn man das gelegentlich macht, wird man wohl kaum verfolgt werden, zumal die Rechtslage hier noch nicht eindeutig geklärt ist.

Was fehlt? Schreibt uns eure Fragen per Mail. Wir werden sie mit berücksichtigen und hier nach und nach ergänzen. Selbstverständlich behandeln wir eure Fragen anonym.

Dieser Beitrag entstand mit Unterstützung von Rechtsanwalt Stephan Benn, der allerdings nicht Autor des Beitrags ist. Es handelt es sich hier um Empfehlungen und Erfahrungswerte aus unserer langjährigen Arbeit und keine Rechtsberatung. Wer eine Abmahnung erhalten hat, sollte sich an einen spezialisierten Anwalt wenden.

Bild: 917press | flickr | cc by-nc-sa 2.0

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