Urheberrecht extrem: Australien erlaubt erstmals Privatkopien

CDs brennen bleibt verboten

Wer in Deutschland wegen der geplanten Verschärfung des Urheberrechts Bauchschmerzen hat, der sollte mal einen Blick auf die andere Seite des Globus werfen. In Australien wird nun eine Gesetzesvorlage diskutiert, die das Aufnehmen von Radio- oder TV-Sendungen erstmals legal machen soll. Allerdings muss man nach einmaligem Abspielen die Aufnahmen wieder löschen.

Während die Gesetzgebung hierzulande dazu verpflichtet ist, die berechtigten Interessen von Bürgern und Industrie gleichermaßen zu berücksichtigen und einen gerechten Ausgleich zu finden, ist das Copyright in Australien seinen Namen eigentlich gar nicht wert. Bisher wurden einseitig die monetären Interessen der Verwerter darin berücksichtigt. Kopien von urheberrechtlich geschütztem Material sind bisher generell verboten.

Doch auch an Australien geht die technologische Entwicklung nicht spurlos vorbei. CD-Brenner, Tauschbörsen, DVD-Festplattenrekorder - all dieses neue Instrumentarium führt nun dazu, dass auch in Australien langsam eine Debatte ums Copyright beginnt. Immerhin konnte man sich bisher darauf verständigen, dass neuerdings Radio- oder TV-Sendungen mitgeschnitten werden dürfen, sofern man sie nach dem Anschauen sofort wieder löscht. Eine Weitergabe an Bekannte oder Verwandte, geschweige denn gemeinsame Videoabende sind übrigens ausdrücklich nicht erlaubt.

Dafür dürfen selbstgekaufte CDs demnächst immerhin legal ins MP3 Format übertragen und auf eigene MP3 Player überspielt werden. Dafür bleibt das Benutzen von Tauschbörsen weiterhin gefährlich. So sollen beim Tausch größerer Dateimengen über P2P-Netzwerke hohe Schadensersatzansprüche geltend gemacht werden können, auch ohne Nachweis einzelner urheberrechtlicher Verstöße. Auch Kopien von CDs oder DVDs bleiben laut Gesetzentwurf weiterhin grundsätzlich verboten.

Australiens Justizminister Philip Ruddock bezeichnete die australischen Gesetze als "die besten in der Welt zum Nutzen der Kreativen und anderer Copyright-Inhaber". Die hiesigen Vertreter der Musikindustrie dürften das wohl genauso sehen und neidisch Richtung Südhalbkugel blicken.
Hierzulande dürfte allerdings die gesamte Bevölkerung eingesperrt gehören, wenn die strengen Auflagen des australischen Copyrights gelten würden. Und ob das wirklich zum Nutzen der Copyright-Inhaber wäre, muss dann doch bezweifelt werden. (ur)

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