Viele Künstler stehen dem Filesharing aufgeschlossen gegenüber

Nach einer Studie sehen viele Musiker keinen Vorteil in den Klagen der Musikindustrie

Die Musikindustrie geht juristisch gegen Tauschbörsennutzer vor. Doch was halten eigentlich die Musiker davon? Nicht viel. So sieht das nach einer Studie des Pew Internet & American Life Project zumindest ein Großteil der befragten Künstler.

Kunstschaffende sehen in dem Medium Internet keine Bedrohung für ihre Arbeit. Im Gegenteil, das Internet wird von Künstlern und vor allen Dingen von Musikern in erster Linie als wichtiges Marketinginstrument verstanden, das es ermöglicht, über ihre Arbeit zu berichten und sie zu verbreiten bzw. auch zu verkaufen. So könnte man das Ergebnis einer aktuellen US-amerikanischen Studie auf den Punkt bringen.

Nach den Erhebungen des Pew Internet & American Life Project bezeichnen sich 32 Millionen US-Amerikaner als Künstler, rund ein Drittel davon verdienen mit ihren Werken zumindest teilweise ihren Lebensunterhalt. Die Studie ist zwar nicht in allen Teilen unbedingt repräsentativ, sie basiert aber immerhin auf einer Telefonbefragung von rund 800 Künstlern und einer weiteren Befragung von ca. 2700 Musikern und Musikverlegern. Bei der Erhebung wurden sowohl kommerziell erfolgreiche als auch kaum bekannte Künstler berücksichtigt. Der Schwerpunkt der Befragung liegt auch auf der aktuellen Diskussion zum Filesharing und dem Copyright. Zu diesen Themen wurden außerdem knapp 2000 Erwachsende befragt, unabhängig davon, ob sie sich als Künstler definieren oder nicht.

Etwa 65 Prozent der befragten Künstler sehen ihre Arbeit kaum oder überhaupt nicht durch das Filesharing beeinträchtigt. Ebenso viele sind der Meinung, dass sie selbst die gesamte Kontrolle über die Veröffentlichung ihrer Werke haben sollten (vgl. Creative Commons Lizenz). Die Realität sieht aber anders aus. Das meinen zumindest ungefähr die Hälfte der Befragten. 60 Prozent sind sich zudem einig darüber, dass die Strategie der Musikindustrie, vehement gegen die illegale Nutzung von P2P-Netzwerke vorzugehen, letztendlich nicht sinnvoll ist.

Auch wenn knapp über die Hälfte der Befragten der Meinung ist, dass der Tausch von urheberrechtlich geschützten Werken ohne Autorisierung durch den Rechteinhaber illegal ist, sind immerhin ca. 40 Prozent der Meinung, dass dies zulässig sein sollte. Zudem sehen zwei Drittel der befragten Künstler und Musiker im Filesharing nur eine geringe oder gar keine Bedrohung. Lediglich 28 Prozent sehen sich durch Online-Tauschbörsen wirklich in ihrem Schaffen bedroht. In etwa doppelt so viele der Befragten sind aber der Meinung, dass die Maßnahmen der Musikindustrie gegen illegales Filesharing ihnen ? den Künstlern - nichts einbringen werden. Gerade einmal 15 Prozent befürworten es, wenn einzelne Tauschbörsen-User verklagt werden.

Die Studie hat sich darüber hinaus auch mit der Einstellung der Künstler gegenüber dem so genannten ?Fair Use? von urheberrechtlich geschützten digitalen Werken beschäftigt (also beispielsweise der zulässigen Verbreitung einer Privatkopie). Auf der verlinkten Website des Pew Internet & American Life Project stehen die Fragestellungen und die dezidierten Ergebnisse der gesamten Studie als PDF-Dokumente zum Download bereit. (js)

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