Von Kanye West bis Drake: Fünf ungewöhnliche Releasekonzepte 

Alles, bloß nicht normal: Wie Popstars das Album neu denken 

Seit dem Siegeszug der Streamingdienste prophezeien nicht wenige Musikfans dem klassischen Album einen baldigen Tod. Dabei ist die Entwicklung weg vom starren LP-Release nur konsequent, waren Releasekonzepte doch immer an die technischen Möglichkeiten ihrer Zeit gekoppelt. Wir stellen Euch fünf Künstler vor, die die Veröffentlichung ihrer Musik neu denken.

Ahzumjot – RAUM 

Bis zum Vorverkauf bekommen Fans von der Entstehung eines Albums nicht allzu viel mit – mal abgesehen von kryptischen Fotos aus der Booth und vereinzelten Social Media-Teasern vielleicht. Ahzumjot dagegen lässt die Öffentlchkeit am Schaffensprozess von „RAUM“ derzeit bewusst teilhaben. Schritt für Schritt entsteht sein neues Album in einer Spotify-Playlist, um am Ende so ein großes Ganzes zu ergeben. Statt das Release einmal gebündelt zu erhalten, können sich Fans in unregelmäßigen Abständen also immer wieder über neue Songs freuen. 

Kanye West – The Life of Pablo 

Über Kanye West müssen eigentlich nicht mehr viele Worte verloren werden. Musikalisch ist der Weltstar seit jeher Visionär, nicht zuletzt aufgrund seines wegweisenden „808s & Heart-break“, Blaupause für zeitgemäße Rapmusik und Trends bis ins Jahr 2017. Mit seinem siebten Studioalbum „The Life of Pablo“ stellte Kanye letztes Jahr jedoch einen Umstand infrage, der bis dato als absolut gesetzt galt: Dass ein Album ein abgeschlossenes, feststehendes Projekt sei. 

Nach der exklusiven Veröffentlichung über Jay-Zs Streamingdienst Tidal wurde stattdessen an Tracklist und einzelnen Titeln herumgedoktort, Zeilen und ganze Tracks hinzugefügt – ein Album in Bewegung. Und CDs wird es laut eigener Aussage von Kanye sowieso nicht mehr geben. 

Wu Tang-Clan – Once Upon A Time in Shaolin 

Ein Album veröffentlichen – der Wu-Tang Clan nahm das 2014 wörtlich. Von „Once Upon A Time in Shaolin“ ließ die Crew rund um RZA und Co. nämlich nur ein einziges Exemplar pressen, das anschließend für zwei Millionen Dollar an den umstrittenen Pharma-Unternehmer Martin Shkreli versteigert wurde. Inzwischen hat die Platte zum zweiten Mal den Besitzer gewechselt, zu hören gibt es sie für die breite Masse aber immer noch nicht. Hintergrund der ungewöhnlichen Aktion war ein nahezu hehres Motiv: mit dem Unikat wollte der Clan ein Zeichen gegen den fortschreitenden Wertverfall der Musik setzen. 

Drake – More Life 

Ist „More Life“ jetzt ein Album? Ein Mixtape? Nun, offiziell ist es eine Playlist. Als Drake sein jüngstes Werk Anfang dieses Jahres auf den gängigen Streamingkanälen zur Verfügung stellte, fiel es Musikfans und –magazinen gleichermaßen schwer, das Release einzuordnen. Rekorde brach „More Life“ natürlich trotzdem zuhauf und entfachte einmal mehr die Debatte um das Ende des Albums. Ob das Konzept „Playlist“ nun Wortklauberei ist oder nicht, Drake hat definitiv verstanden, wie man mit den neuen Möglichkeiten des Streamings umzugehen hat. Da ist die ungezwungene Form der Playlist vielleicht die zeitgemäßeste Version neuen Outputs. 

U2 – „Songs of Innocence“ 

„Songs of Innocence“ oder "Wie PR-Aktionen nicht ablaufen sollten": Die Idee ihr neues Album einfach zu verschenken war nett gedacht, ging aber fürchterlich schief. Im Zuge einer Kooperation mit Apples Musikdienst wurde 2014 rund einer halben Milliarde iTunes-Nutzer das neue Album der irischen Rockband ungefragt in die persönliche Mediathek gespielt. Der Shitstorm ließ nicht lange auf sich warten, schließlich will nicht jeder ein U2-Album in seiner Mediathek haben. Kurze Zeit später entschuldigte sich Frontmann Bono öffentlich für den Vorfall. Musik sucht man sich eben immer noch am liebsten selbst aus, ansonsten hat sie keinen Wert.

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