Warum ein gut durchdachtes Geschäftsmodell für Musik-Streamingdienste unerlässlich ist

Das 21. Jahrhundert steht im Zeichen der digital abrufbaren Musik. Seit einigen Jahren erleben die Streamingdienste im Internet einen unaufhaltsamen Boom, der nicht zu enden scheint. Die Konkurrenz der einzelnen Anbieter untereinander ist groß und kaum ein Anbieter – nicht einmal der globale Riese Spotify – ist in der Lage, ein tragbares Geschäftsmodell vorzuweisen. Welche Chancen die Musik-Streamingdienste heutzutage haben und welche möglichen Geschäftsmodelle den Umsatz steigern können lest ihr hier.

Die verschiedenen Arten des Musik-Streamings

Musikstreaming bedeutet, Songs und andere Ton-Dateien ohne CD und Plattenspieler aus dem Internet auf ein modernes Endgerät zu übertragen. Die mobilen Endgeräte speichern diese Daten nicht dauerhaft ab, weshalb die Nutzer sie nicht kaufen, sondern lediglich temporär abrufen. Einige Anbieter gewähren den Nutzern die Möglichkeit, ihre Inhalte offline abzurufen und herunterzuladen. Das Angebot ist äußerst vielseitig und nicht jeder Streamingdienst gleicht dem anderen. Gemeinhin lassen sich das Radio-Streaming und das „On-Demand-Streaming“ voneinander unterscheiden. Musikdienste wie Juke, Napster und Spotify, die für jede Stimmung die passende Playlist haben, gehören zur Gruppe der „On-Demand“-Anbieter. Sie ermöglichen es ihren Kunden, auf direktem und unmittelbarem Wege auf die angebotene Musik zuzugreifen.

Die zweite Gruppe von Anbietern, zu denen beispielsweise Pandora oder Last.fm gehören, imitieren einen Radiosender. Zwar erlauben sie es den Kunden, bestimmte Künstler oder Titel zu suchen, jedoch wählen sie die Werke mit einer zufälligen Wiedergabe aus oder spielen eine vorprogrammierte Liste ab.

Mit welchen Mitteln die Streamingdienste ihre Einnahmen generieren

Wie in jedem anderen Unternehmen ist es ebenso für einen Streamingdienst bedeutsam, seine Ressourcen erfolgsversprechend zu planen und die innerbetriebliche Struktur zu organisieren. Zu diesem Zweck bietet sich ein lösungsorientiertes ERP-System an, das alle relevanten Firmendaten in einer zentralen Datenbank speichert und verwaltet. Dies kommt vor allem für die Unternehmen in Betracht, die vorhaben, komplexe und international ausgerichtete Geschäftsmodelle aufzubauen.

Vielen Kunden ist nicht klar, wie sich Streamingdienste finanzieren. Es gibt für gewöhnlich zwei Arten, den Kunden Zugriff auf die Inhalte zu verschaffen:

  • Es gibt kostenfreie Anbieter, die sich ausschließlich dadurch finanzieren, dass sie zwischen der abgespielten Musik Werbung von Sponsoren und Geschäftspartnern einblenden.
  • Andere Anbieter stellen ihre Dienste nur den Nutzern frei, die sich bereit erklären, für die Inhalte einen festgelegten Betrag zu bezahlen.

Beide Methoden schließen sich nicht gegenseitig aus. So hat der Nutzer bei einigen Anbietern die Möglichkeit, kostenfrei Musik zu hören und andere Inhalte gegen Bezahlung zu erwerben.

Warum die Streamingdienste ein gut durchdachtes Geschäftsmodell benötigen

Die Zahl der verfügbaren Streamingdienste wuchs in den letzten Jahren kontinuierlich an. Es gelang den Anbietern gemeinsam erstmals, Einnahmen von über einer halben Milliarde Euro zu erzielen. Daraus ergibt sich eine zuvor nicht vorhandene Konkurrenzsituation. Einige Streamingdienste, zu denen der weltweit beliebte Anbieter Spotify gehört, haben es bisher versäumt, ein profitables Geschäftsmodell auf die Beine zu stellen. Ihnen sitzt nicht nur der finanzielle Druck im Nacken, sondern auch die anderen großen Anbieter wie Apple und Google, die ihrerseits neue Streamingdienste ins Leben rufen.

Eine weitere Gefahr geht vom sogenannten Streamingripping aus, denn mithilfe von spezieller Software lässt sich die gestreamte Musik problemlos mitschneiden. Weiterhin sprechen die Zahlen der von der Verbraucherzentrale beauftragten Studie eine deutliche Sprache. Sie diagnostizieren den Streamingdiensten deutlich Luft nach oben. Der Studie zufolge zahlt lediglich ein Drittel (37 Prozent) aller Nutzer von Streamingdiensten Geld für die abgerufenen Songs. Und: Einer anderen Umfrage zufolge können sich 38 Prozent der befragten erwachsenen Teilnehmer bedenkenlos ein Leben ohne jegliche Musik-Streamingdienste vorstellen.

Streamingdienste Nutzer
Streamingdienste haben noch Luft nach oben, denn einige junge Menschen sind noch der Meinung, auf sie verzichten zu können. Pixabay.com © dannymaldonado26 (CC0 Creative Commons)

Warum die bisherigen Geschäftsmodelle stagnieren

Bisher ruhten viele Hoffnungen auf dem Streaming-Riesen Spotify, der gemeinsam mit Apple auf einen Marktanteil von zwei Dritteln kommt. Das Dilemma ergibt sich daraus, dass die großen Major Labels hervorragend an den Streamingdiensten verdienen. Rund 70 Prozent der Umsätze, die durch die Nutzer generiert werden, fließen an die Plattenindustrie, wodurch die Streamingdienste wenig Chancen haben, ihren Gewinn zu steigern – selbst dann nicht, wenn die Geschäfte gut laufen. Die Zahlen von Spotify verdeutlichen diesen Konflikt: 2015 musste der Streamingdienst satte 84 Prozent seines Umsatzes an die Labels abgeben. Aus diesem Grund verzeichnen die Anbieter sogar Verluste, anstatt von ihrem eigenen Angebot zu profitieren. Hinzu kommt, dass die Investoren die Entwicklung zunehmend kritisch beäugen. Es gibt kaum bekannte Namen, die sich derzeit an der Finanzierung der Dienste beteiligen. Die Stimmung ist gemischt, wenngleich die Streamingdienste die Chance haben, die Situation zu ihrem Vorteil zu nutzen – vorausgesetzt, sie entwickeln ein Geschäftsmodell, das die Interessen der Nutzer anspricht, finanzierbar und gleichzeitig gewinnbringend ist.

Mit diesen Komponenten punkten die Streamingdienste bei den Nutzern

Kein tragfähiges Geschäftsmodell wirkt sich erfolgsversprechend aus, ohne die Interessen der Nutzer zu berücksichtigen. Folgende Komponenten schätzen die Nutzer an einem Streamingdienst:

  • Ein attraktiver Anbieter ersetzt die Musik-CDs und Plattenspieler, welche der User fortan nicht mehr benötigt.
  • Gute geschäftliche Modelle integrieren eine soziale Komponente, mit der sich die Musik beispielsweise mit Freunden teilen lässt.
  • Für Nutzer ist es attraktiv, etwas Neues zu entdecken.
  • Nutzer mögen es, die Musik zu hören, ohne sie vorher auf ein Gerät zu übertragen.
  • Viele Menschen schätzen es, wenn das Angebot legal ist und sie sich nicht strafbar machen, sobald sie die Inhalte runterladen.
  • Für die Nutzer ist es wichtig, an jedem Ort auf der Welt und zu jeder beliebigen Tageszeit auf die Musik zugreifen zu können.

Spotify auf iPad
Nutzer schätzen an den Streamingdiensten am meisten, dass sie überall und jederzeit ihre liebste Musik hören können. Pixabay.com ©  PhotoMIX-Company (CC0 Creative Commons)

Personalisiertes Internetradio als geschäftsfähiger Lösungsansatz?

Lösbar wäre das Problem mit noch persönlicheren Angeboten, die beispielsweise in Amerika erfolgreich laufen und Umsätze in Milliardenhöhe generieren. Da sich die Streamingdienste untereinander ähneln, gewinnt auf lange Sicht derjenige, der eine interessante und andersartige Philosophie entwickelt. Exklusive Deals, frühere Veröffentlichungen oder andere Vorteile wie einzigartige Podcasts könnten dabei helfen, neue Kunden zu gewinnen und diese dauerhaft an sich zu binden.

Streamingdienste könnten profitabel sein, wenn sie es schaffen, die steigenden Lizenzkosten mit originellen Inhalten auszugleichen, indem sie mit noch unbekannten Musikern zusammenarbeiten oder DJ-Sets in ihre musikalischen Sammlungen integrieren. Es bleibt abzuwarten, wohin die Reise der Streamingdienste in den nächsten Jahren führt.

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