Was tun nach Trump? Die besten Kommentare am Tag danach

Don't panic

Deutschland in Schockstarre. Außer ein paar Populisten konnte niemand so richtig glauben, was für ein politischer Erdrutsch da gestern in den USA genau passiert ist. Alle Experten lagen falsch, alle Umfragen zeigten ein schiefes Bild. Aber es gibt auch ein paar Leute, die nun den Weg aus dieser Krise der Demokratie weisen.

1. Michael Moore - Morning-After To-Do List

Oscar-Preisträger Michael Moore hat bereits im Sommer 5 Gründe dargelegt, warum Donald Trump diese Wahl gewinnen wird. Kaum jemand nahm ihn damals ernst. Zum Glück ist Moore niemand, der sich lange damit aufhalten würde, sich selbst zu feiern und auf die Schulter zu klopfen. Direkt am Morgen nach der Wahl formulierte er 5 Punkte, wie sein Land sich wieder aus dieser Scheiße befreien kann. Lesenswert. Auch für die demokratische Opposition in unserem Land: “Du hast in einer Blase gelebt und nicht aufgepasst, wie verzweifelt deine Mitmenschen tatsächlich sind."

2. Eliza Byard - "This is how the future voted"

This is how the future voted. This is what people 18-25 said in casting their votes. We must keep this flame alight and nurture this vision. pic.twitter.com/ivuXrar869

— Eliza Byard (@EByard) 9. November 2016

3. David Wong - Don't Panic

In seinem Kommentar bei Cracked richtet sich Autor David Wong an die jüngere Wählerschaft, die mit überwältigender Mehrheit gegen Trump gestimmt hatte und deren Stimme dank eines völlig veralteten Wahlsystems in den USA nicht gehört wurde. Sein Rat: nach der ersten Panik solle man sich die Fakten anschauen. Auch wenn sich die politische Führung ändere, das Land habe sich nicht geändert und immer noch stünde eine breite Mehrheit hinter wesentlichen Errungenschaft wie der Waffenkontrolle, legale Abtreibungen, die gleichen Rechte für Schwulen und Lesben oder für den Umweltschutz.  Man solle viel mehr von Trump lernen und sich organisieren, um für die nächste Wahl schlagkräftiger zu sein und nicht nur seinesgleichen, sondern auch die Benachteiligten und Ausgeschlossenen am demokratischen Prozess zu beteiligen. 

4. Jonathan Haidt - When and why nationalism beats globalism

Jonathan Haidt betrachtet das Phänomen Rechtspopulismus und Nationalismus aus psychologischer Sicht. Nach allem, was wir jetzt wissen, ist der Nationalismus keine kurze Modeerscheinung, sondern eine Bewegung, die sich quer zur Globalisierung der Welt stellt und zurück zu - ja was eigentlich? - will. Es ist nicht anzunehmen, dass diese Bewegung in den kommenden Jahren abflaut, sondern jetzt wittert sie Morgenluft. Frankreich und Österreich werden wohl die nächsten Länder sein, in denen die Nationalisten das Ruder in die Hand bekommen und wie sich das auf die politische Landschaft in Deutschland auswirkt, ist noch völlig offen. Wir brauchen andere Antworten, als wir bisher von unseren politischen Akteuren bekommen, um die vermeintlich Abgehängten und Verzweifelten, die diese Populisten trotz aller Lügen wählen, wieder zu erreichen und für die Demokratie zu gewinnen. Oder wie eine Twitter-Userin schrieb: "Jedesmal, wenn du einen Wähler einfach als dumm bezeichnest, hat ein Populist irgendwo eine Stimme gewonnen."

5. Bernie Sanders - "The same old will not be successful"

In deutschen Medien wurde Bernie Sanders gerne als kauziger Linksextremer dargstellt, der sowieso keine Chance gegen Clinton habe. Diese Medien müssen sich fragen lassen, ob sie sich ausreichend mit dem Lebenswerk dieses leidenschaftlichen Politikers befasst haben und nicht die Chance verpasst haben, eine bewundernswerte politische Persönlichkeit und sein Anliegen ernster zu nehmen. Ein Beweis seiner politischen Intelligenz lieferte Sanders bereits im Sommer 2015, indem er die krachende Niederlage für eine Kandidatin wie Hillary Clinton bereits vorher sagte. Kann mal jemand die SPD aufwecken oder Gregor Gysi zurück holen?

"Let me be very clear. In my view, Democrats will not retain the White House, will not regain the Senate, will not gain the House and will not be successful in dozens of governor’s races unless we run a campaign which generates excitement and momentum and which produces a huge voter turnout.

With all due respect, and I do not mean to insult anyone here, that will not happen with politics as usual. The same old, same old will not be successful.
The people of our country understand that — given the collapse of the American middle class and the grotesque level of income and wealth inequality we are experiencing — we do not need more establishment politics or establishment economics.

We need a political movement which is prepared to take on the billionaire class and create a government which represents all Americans, and not just corporate America and wealthy campaign donors.
In other words, we need a movement which takes on the economic and political establishment, not one which is part of it."

Bernie Sanders August 28th, 2015"

7. Angela Merkel  stellt Trump Bedingungen

Es ist nicht gerade oft, dass Angela Merkel ihr Politikverständnis erläutert, doch dem neuen US-Präsidenten und blutigen Politik-Anfänger erklärt Angela Merkel in wenigen Worten die Grundlagen der westlichen Demokratien. Es ist nicht wahrscheinlich, dass ihn das sonderlich beeindruckt, aber selten war es wichtiger, Haltung zu zeigen. Das ist auch ein wichtiges Signal für die 75 Prozent der amerikanischen Bevölkerung, die nicht für Trump gestimmt hat und nun das Schlimmste zu befürchten hat.

8. Das ehrliche Wahlergebnis

Das Wahlergebnis in Zahlen. Quelle: welt.de
Das Wahlergebnis in Zahlen. Quelle: welt.de

In vielen Medien war von einem "Triumph" Trumps zu lesen. Dabei haben nicht mal 19 Prozent aller Amerikaner ihn gewählt. Der wirkliche Skandal dieser US-Präsidentschaftswahl liegt also in der Wahlbeteiligung, die eine demokratische Wahl kaum noch möglich macht. Warum werden Wahlen in den USA an einem Dienstag durchgeführt und warum zählt eine Stimme in einem vermeintlich "sicheren" Staat gar nichts? Diese Fragen müssen sich die Amerikaner selbst stellen. 

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