Wegen Erdogan Gedicht: Jan Böhmermann sagt nächste Sendung ab

Neo Magazin Royale wird aufgrund des öffentlichen Drucks ausfallen

Das ZDF und Jan Böhmermann ziehen die Konsequenzen aus der inzwischen zur Staatsaffäre gewordenen Erdogan-Satire: die nächste Sendung, die am Donnerstag ausgestrahlt werden sollte, fällt aus. 

 

Die Produktionsfirma btf GmbH und Jan Böhmermann haben entschieden, die für Donnerstag geplante nächste Ausgabe von Neo...

Posted by NEO MAGAZIN ROYALE on Dienstag, 12. April 2016

Als Grund für die Absage nennt Böhmermanns Produktionsfirma die "massive Berichterstattung". Seit seinem Schmähgedicht gegen Erdogan, das Böhmermann als Beispiel für eine Überschreitung der Meinungsfreheit angeführt hatte, hagelt es Proteste gegen den Moderator. Außerdem muss er sich gegen mehrere Strafanzeigen wehren, eine sogar vom türkischen Präsidenten höchst persönlich, die selbst dann greift, wenn die Klage wegen Beleidigung eines Staatsoberhauptes nicht durchsetzbar ist.

Es waren inzwischen aber auch Morddrohungen gegen ihn auf Facebook zu lesen von aufgebrachten Türken. 

Inzwischen weitet sich die Affäre immer weiter aus, erste Stimmen fordern sogar den Rücktritt von Angela Merkel, da sie die Meinungsfreiheit nicht deutlich genug verteidigt habe, sondern gegenüber dem türkischen Ministerpräsidenten sogar von einem "bewusst verletztenden Text" gesprochen hatte. Deshalb müsse sie sich jetzt am Nasenring von der türkischen Regierung durch die Arena führen lassen, statt das Thema von Anfang an vom Tisch zu fegen. 

Zahlreiche Medienanwälte kommen zu der übereinstimmenden Einschätzung, dass der Text von Böhmermann zwar Grenzen des guten Geschmacks überschreite, aber durch seine vorherige Ankündigung klar als satirischer Beitrag als solcher erkennbar sei und deshalb auch keine Beleidigung sein könne. Im Video spricht Jan Böhmermann ganze 4 Minuten lang darüber, dass das, was er jetzt vorlese, nicht von der Meinungsfreiheit gedeckt sei, sondern eine reine Beleidigung. Und wollte so den Unterschied zwischen Satire und Schmähung deutlich machen. Durch die hemmungslose Überspitzung ist das Gedicht zudem eindeutig als Satire zu erkennen. Wer so etwas wörtlich nimmt, hat offenbar gar keinen Humor.

In einer Pressekonferenz gestern versuchte Regierungssprecher Steffen Seibert (ehemals ZDF) erfolglos die Wogen zu glätten, indem er mehrfach betonte, wie wichtig das Grundrecht auf Meinungsfreiheit der Kanzlerin sei. Doch alleine der Hinweis auf diese Selbstverständlichkeit, klingt wie die berühmte Aussage im Fußball, man stehe hinter dem Trainer. 

Nur zu verständlich also, dass Jan Böhmermann derzeit nicht in Ruhe an einer neuen Sendung arbeiten kann.

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