Wie war’s denn eigentlich bei... Emily Haines?

Schöner Besuch aus Kanada im Berliner Lido

Alles war für einen Konzert-Moment lang anders im Kreuzberger Rock- und Partyschuppen Lido. Ruhig, edel und intim war die Atmosphäre, als Emily Haines die Songs ihres ersten Soloalbums live präsentierte. Alles passte, alles saß.

Den Abend eröffnete Michael Andrews, in der Formation des Hand On String Duos, was grob als eine moderne und komplexe Variante von Simon & Garfunkel-ähnlichen Songs beschrieben werden kann. Zwei Nerds, die mit Gitarren und überdimensional großen Brillen, akustische Songs zum Besten geben. Ganz gut und nett, aber natürlich nichts gegen das, was folgen sollte.

Emily Haines, bekannt als Sängerin von Metric und Broken Social Scene, betrat sichtlich nervös die Bühne, huschte an ihr Klavier und begann loszulegen. Unterstützt - oder besser unglaublich schön verziert - wurden ihre Songs von einem Streichquartett. Das Erstaunliche daran war, dass diese vier Instrumentalisten noch nie zuvor zusammen geschweige denn mit Emily gemeinsam gespielt haben. Trotz dieses Umstandes klang es nahezu perfekt. Auf dem Boden vor der Bühne saß noch ein Typ, der mittels seines Rechners der Liebe zum Detail frönte: Hin und wieder legte er Effekte auf Emilys Stimme, dann spielte er über ein kleines Midikeyboard dezent dazu, drückte leise Sounds in den Raum oder besorgte den Beat.

Zu jeden Song wurden auch noch Filmauszüge von Guy Maddin, einem der angesagtesten kanadischen Regisseure und Drehbuchautoren des avantgardistischen Films gezeigt. Jedem Song wurde so noch eine Geschichte auf einer weiteren Ebene zuteil. Nachdem alle Song von ?Knives Don`t Have Your Back? gespielt waren, verabschiedete sich Emily mit einem Neil Young-Cover und verschwand so schnell und aufgeregt wie sie erschienen war. Ein intimes, ruhiges und wahrlich schönes Konzert ? weil alles passte und alle saßen. (bb)

Empfohlene Themen