Wie war´s denn eigentlich bei ... Jan Delay?

Deutschland: get funky!

Einer der wenigen deutschen Hip-Pop-Entertainer von Format hat sich wieder einmal neu erfunden: Jan Delay ließ in Berlin den Schuppen tanzen.

Dabei handelte es sich nicht um irgendeinen Schuppen, sondern immerhin um den doch recht nobel anmutenden Berliner Admiralspalast. Zu diesem Ambiente passte es ganz gut, dass Delay sich neuerdings gerne in feinem Zwirn und Krawatte zeigt. Ansonsten passte eigentlich gar nichts: denn die äußeren Umstände waren am gestrigen Abend ungewöhnlich.

Das Konzert begann pünktlich, wurde aber bereits nach dem ersten Song wegen technischer Probleme unterbrochen. Fast abgebrochen wurde es nach satten zwei Stunden. Weil sich Anwohner wegen des Geräuschpegels bei der Polizei beschwert hatten (willkommen in der Weltstadt Berlin), legte der Veranstalter dem Künstler nahe, doch bitte aufzuhören. Das tat dieser aber trotz allem erst nach Beendigung seiner Zugabe - ungeachtet der Hektik hinter der Bühne. Aber es war auch genau das Szenario, in dem Jan Delay seine Präsenz auf der Bühne beweisen konnte, ja er schien die Unwegsamkeiten geradezu auszukosten. Spontan und mit viel Charme reagierte er auf die Widrigkeiten, verschwand kurz hinter der Bühne, machte anschließend einfach weiter, bewies aber letztlich trotzdem das Gespür zum richtigen Zeitpunkt abzutreten. Nämlich dann, als als es jeder im Saal begriffen hatte: Jan Delay zählt mittlerweile zu den wirklich wichtigen kreativen Charakteren im deutschen Pop-Business, die sowohl musikalisch wie textlich als auch in Interviews noch den Willen zum mutigen Statement unter Beweis stellen.

Und auf den jene Phrase von der "künstlerischen Weiterentwicklung" ausnahmsweise einmal wirklich zutrifft. Denn Jan Delay hätte mit seiner neunköpfigen Liveband an diesem Abend auch den Musikantenstadl steil gehen lassen. Jazz traf auf Disco, Sprechgesang ging im Boogie auf und der Pop war sowieso allgegenwärtig. Auch seine Wurzeln, der deutsche HipHop und die Beginner, wurden neu interpretiert.

Richtig beeindruckend war allerdings, dass Delay sich ohne Hemmungen an Klassiker wagte: Gloria Estefans "Doctore Pressure" flog einem ebenso sexy um die Ohren wie Cameos "Word Up" oder die "Seven Nation Army" der White Stripes. Jenseits vom billigem Cover-Revival kam das alles immer mit dem gewissen Charme daher, mit neuem Text oder besonderer Note. Insbesondere hat man dies wohl seiner Band, der "Disko No. 1" zu verdanken, die so manchem Basecap-Träger im Publikum wahrscheinlich zum ersten Mal im Leben mit live gespielten Instrumenten konfrontiert hat.

Mit wenig Pauken aber umso mehr Trompeten hat Jan Eißfeld aka Delay den Reggae seines Solodebüts um den Sound der 70s-Disco auf seinem aktuellen Albums "Mercedes Dance" erweitert: das Chamäleon des Pop hat sich wieder einmal verändert, ohne seine Vergangenheit zu leugnen.

Gestern war es jedenfalls so gut, dass man ihm sogar den Spruch mit dem "Elefantenpimmel" verzieh, der auch als "Diktiergerät" bezeichnet werden darf. Ansonsten traf Jan Delay immer den richtigen Ton - und gibt uns Kartoffeln endlich das, was wir nie für möglich gehalten hätten: den deutschen Funk.

Jan Schimmang / tonspion.de

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