Wie war`s denn eigentlich bei... Massive Attack?

TripHop is dead

Bei ihrem Konzert in der Berliner Arena bewiesen Massive Attack gestern, dass sie nach wie vor eine Größe für sich sind. Mit dabei eine weitere musikalische Größe: Liz Fraser von den Cocteau Twins.

Es gibt viele furchtbare Begriffe, die der Musikjournalismus in seiner sich endlos selbst zitierenden Selbstgefälligkeit hervorgebracht hat. "Electro-Clash" gehört genau so dazu wie "TripHop". Keiner weiß, was das eigentlich sein soll, aber alle sprechen davon und benutzen diese Begriffe inzwischen wie Waffen. Im Falle von Massive Attack wird man mit derartigen Schubladen dem Niveau ihrer Musik allerdings nicht gerecht.

Diese Band hat schlicht und ergreifend zwei (bis drei) der wichtigsten und besten Alben der 90er Jahre hervor gebracht: Blue Lines, Mezzanine (und vielleicht auch Protection). Der Respekt des Publikums für dieses Lebenswerk, war der inzwischen zum Duo geschrumpften Stammformation beim Konzert in Berlin deutlich anzumerken. Ich kann mich nicht erinnern, eine derartig euphorisierte Menge je zu so düsterer Musik tanzen gesehen zu haben.

Ein Höhepunkt des Konzerts war der Auftritt von Indieikone Liz Fraser. Die ehemalige Sängerin der Cocteau Twins wurde von Robert del Naja mit den Worten "Angel Elizabeth" angekündigt und trieb vielen in der ausverkauften Arena die "Teardrops" in die Augen. Auch für die anderen Konzert-Höhepunkte sorgten nicht etwa die beiden ins Mikro nuschelnden Massive-Attack-Herren, sondern ihre Gastsänger. Ob Horace Andy bei "Hymn Of The Big Wheel" oder Background-Sängerin Debra Miller bei ihrer Interpretation des Klassikers "Unfinished Sympathy" - ein Händchen für herausragende Stimmen haben Massive Attack auf jedem ihrer Alben bewiesen. Dass sie auch live auf derartig gute Sänger für jeweils nur zwei Gesangsparts pro Konzert zurückgreifen können, untermauert ihre herausragende Stellung um so mehr.

Bei so viel Emotion störten auch die neueren Tracks nicht weiter und sorgten dafür, dass man zwischen all den Höhepunkten zu düsteren Klangcollagen kurz einmal Luft holen konnte in der heißen Halle. Denn was soll man von einer Band erwarten, die die musikalische Messlatte derartig hoch gehängt hat, nicht zuletzt für sich selbst. So wartet man heute zwar nicht mehr unbedingt brennend auf ein neues Massive-Attack-Album, doch im Konzert lässt man sich gerne noch einmal berauschen von der unwirklichen und großartigen Musik dieser Band. (ur)

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