Wie war`s eigentlich ... auf dem Melt Festival?

Teil 1 - u.a. mit Dendemann und den Shout Out Louds

Ein Festival, das an einem Freitag, den 13. startet, kann eigentlich nur gelingen. Das gilt zumindest für das diesjährige zweitägige Melt Festival. Hier rückblickend die Geschehnisse im Schnelldurchlauf, aus der hoffnungslos subjektiven Perspektive von Tonspion Redakteur Jan Schimmang.

?Luxus bedeutet, die Auswahl zu haben?, hat jemand neulich irgendwann im Fernsehen gesagt. Das Melt Festival war demnach also Luxus pur. Simian Mobile Disco und Deichkind spielten gleichzeitig, Dendemann und Tiefschwarz traten ebenfalls zeitgleich an. Nicht etwa schlecht geplant vom Veranstalter, sondern einfach eine Konsequenz des Überangebots. Insgesamt dominierte die Elektrorock-Fraktion das Festival lautstark, während die leisen, feineren Töne zum Verschnaufen leider etwas zu kurz kamen. Aber der Reihe nach, mit Mut zur Lücke (Teil 1):

[The Dance Inc.]
Viel Lob hat diese deutsche Band mit ihren Debüt-Album ?Legs And Arms? bereits erfahren. Und ihren pathetischen Synthie-Pop konnten sie auch am frühen Abend live auf dem Melt gut vermitteln. Highlight: Adamskis ?Killer? haben andere schon versaut, bei The Dance Inc. hat´s aber funktioniert.

[Jeans Team]
Skeptiker, die den mit den Alben der Berliner Elektro-Pop-Instanz noch nie etwas anfangen konnten, dürften beim Melt endlich eines besseren belehrt worden sein. Denn in der Dämmerung des ersten Tages machte das Trio alles richtig und überzeugte mit einem souveränen Auftritt. Das Festival war nun endgültig eröffnet.

[Apparat]
Keineswegs so sphärisch und filigran wie auf seiner aktuellen Platte ?Walls? präsentierte sich Sascha Ring auf der Bühne. Aber nicht minder beeindruckend, welche psychedelischen Wände er live vor einem hochzog. Einziger Wehrmutstropfen: sein Übertrack ?Komponent? war leider nicht im Set inbegriffen.

[Dendemann]
So stark hatte man Dendemann nachts um halb zwei dann doch nicht erwartet. Smart und als ein echtes Original, der die schlimmen Seiten des deutschen HipHops einfach links liegen lässt, imponierte er mit einem cleveren Set, dessen Charme und Wortwitz auch neue Zielgruppen erschließen konnte. ?Dendemann? Kenne ich nicht. Aber ich brauch jetzt einfach diese dicken Beats.?

[Shout Out Louds]
Auch wenn manche der anwesenden Zuschauer die Performance der Pop-Lieblinge eher als belanglos empfanden, forderte der Großteil des Publikums eine Zugabe. Die waren aber wegen strikten des Zeitplans verständlicherweise verboten. Das verträumte Melodie-Genie der Schweden war jedenfalls der Soundtrack zum Traumwetter beim Melt und am frühen Abend die Initialzündung für den zweiten Tag. Und das Vorspiel zum anschließenden Höhepunkt: wie Hot Chip begeisterten, lest ihr dann im zweiten Teil des kleinen Rückblicks. (js)

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