Wie war's eigentlich bei... Faith No More?

Alte Helden für ein paar richtig gute Momente

Nach über einem Jahrzehnt lassen sich Faith No More wieder live blicken. Zeitgleich mit Neil Young, den Simple Minds und Mötley Crüe gastierten sie für eine exklusive Show in Berlin. Und wenngleich die Besucherzahl diesen Umständen entsprechend überschaubar ausfiel, ließen die alten Helden in Ansätzen durchblitzen, was sie damals so außergewöhnlich machte.

In der Wuhlheide hat man früh und zeitig anzufangen, wenn man als Band ein ausgedehntes Liveset zu spielen gedenkt. Denn um 23.00 Uhr wird dort gnadenlos der Stecker gezogen. Um solch ein jähes Ende zu vermeiden und sich noch einmal zwei Stunden lang auf ihre alten Tage auszutoben, kommen Faith No More pünktlich um 21.00 Uhr auf die Bühne. Und das geht gut nach dem ersten Herumgeplänkel auch richtig gut los.

Um es vorwegzunehmen: Die besten Momente waren die alten Songs, das große Geriffe, schizophrene Gekreische und derbe Geholze. Songs vom Album "The Real Thing" und "Angel Dust" sorgten wegen ihrer FNM-typischen Schwerverdaulichkeit und Stilmelange für Gänsehaut bei den Fans gehobenen Alters. Die Meute sang zwar am lautesten bei "Easy" mit, dem Lionel Richie-Cover, die wirklichen Faith No More-Anhänger hatten aber mehr und mehr ihre Freude bei "From Out Of Nowhere", "Caffeine", "We Care A Lot", "Midlife Crisis" und "Epic".

Der Band schienen diese alten Klassiker ebenfalls große Freude zu bereiten, auch wenn sie natürlich nicht so austickte, wie sie das früher live gerne tat. Da merkt man eben die paar Jahre, die ins Land geflossen sind und nun in den Knochen dieser Herren stecken. Speziell Mike Patton, der nur noch hinkend, mit Krückstock und weitaus weniger angestochen und quiekend seine Kreise auf der Bühne zieht, wirkt in seinen Bewegungen behäbiger und gesitteter. Aber je dunkler es wurde, desto mehr Spaß schien diese Band an ihrer rüden Vergangenheit und musikalischen Anarchie wiederzuentdecken. Nur einer hat dann doch gefehlt: "Big" Jim Martin, der bebrillte Gitarrist gehört nun einmal dazu, wenn man diese Band Mitte der Achtziger kennen lernte und Neil Young, die Simple Minds und Mötley Crüe auch heute noch als keine Konkurrenz erachtet.

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