Wie war`s eigentlich bei ... Justice

Der Hype frisst seine Kinder

Rechts und links auf der Bühne stehen übereinander zwei dicke Marshallboxen. Dazwischen hat man allerlei Elektronik, Lämpchen und Kabel zu einer fast mannshohen Wand aufgetürmt. In der Mitte thront ein grellweiß leuchtendes Kreuz. Nein, nicht Slayer sind in der Stadt, sondern Justice. Schließlich steht das Kreuz nicht auf dem Kopf.

Godzilla kündet das Kommen der beiden Pariser Lederjackenträger an, die sich flugs hinter ihrem Gerätepark verschanzen. Die beiden wollen wohl nicht, dass man ihnen beim Musizieren zusieht. Jedenfalls hat man für jede Seite der Bühnen einen Gorilla organisiert, der einem überraschend freundlich erklärt, dass Fotos von der Seite nicht erlaubt wären. Gut, Starallüren gehören wohl auch dazu, selbst wenn man erst ganz am Anfang steht.

Die Zigarrenschachtel Prime Club ist jedenfalls randvoll und der Mob vor der Bühne veranstaltet vom ersten Ton an einen Veitstanz als stünden Slayer persönlich auf der Bühne. Streng genommen agiert hier aber nur ein unsexy Laptop-Act, der meint mit ein bisschen Kopfnicken und ?Arme in die Luft? wäre der Kommunikation mit dem Publikum genüge getan. Entsprechend überraschungsarm das Set der beiden. Erst nach fünf Stücken in der exakten Reihenfolge ihres Debütalbums hat man nicht mehr das Gefühl, an einer überdimensionierten Listening Session teilzunehmen. Der Mob vor der Bühne macht inzwischen sogar Stagediving und feuert die beiden auf der Bühne immer frenetischer an.

Nach zwei Versionen von "Never Be Alone" und ein bisschen mehr als einer Stunde Spielzeit verschwinden die beiden Franzosen komplett hinter ihrem Maschinenpark, der DJ übernimmt und der freundliche Gorilla weist uns den Weg nach draußen. Dort ist man sich schnell einig: enttäuschend und blutleer wars. Der Hype um Ed Banger frisst langsam seine Kinder. (Florian Schneider)

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