Wie war´s eigentlich bei ... Kate Nash?

Everybody´s UK-Starling im Live-Test

Am Montag spielte Kate Nash ihr Debütalbum aufgrund der großen Nachfrage und gleich zwei Verlegungen in größere Locations im dann immer noch viel zu vollen und hoffnungslos ausverkauften engen Berliner Columbiaclub: anstrengend gut.

Die gerade-mal-Twen aus London ist die Schnittstelle von allem: Zeitgeist, Hochglanztauglichkeit und vielleicht sogar auch modernen Feminismus. Kate Nash hilft Jungen auf dem Nachhauseweg aus dem Club mit Mädchen ins Gespräch und den Mädchen dann wiederum über den daraus resultieren Liebeskummer hinweg zu kommen. Oder gerne auch umgekehrt.

Was kompliziert klingt, ist in der wunderbaren Welt der "ich bin dich eine von euch" Kate eigentlich ganz einfach: Storytelling aus dem Leben, verpackt in clevere Stücke, die mit Folk, Melodie und Sprechgesang spielen. Und genau das, ihre Stärke, konnte sie auch live vermitteln. Allerdings nur bedingt.

Denn was auf der Platte wirklich hervor sticht, diese Spleenigkeit der Produktion, diese selfmade Wohnzimmer-Attitüde, konnte sie nicht auf die Bühne transportieren. Stattdessen solide Instrumentierung. Also eine Dokumentation dessen, was passiert, wenn aufregend sich in souverän verwandelt.

Aber insgesamt konnte nicht viel schief gehen. Denn Ms. Nash preschte in Großbritannien ja mit wehendem Petticoat schon vor einigen Monate exakt den stilsicheren und medial supporteten Mainstream-Boulevard entlang, den Lily Allen ihr freigeschlagen hatte. Publikum und Begeisterung vorprogrammiert, sie hat es aber auch nicht anders verdient. Weil wirklich charmant, manchmal fast ein bisschen schüchtern, dann wieder kokett (von ihr lässt man sich gerne als "Dickhead" beschimpfen) führt sie sich und die ihre Band mit fester Stimme und gut ausgesteuerten Sound durch die Songs. Solange oder so kurz wie es eine Debütalbum eben zulässt. Hätte weitergehen können, aber war auch so schön, dachten viele. Auch das erstaunlich zahlreich erschienende männliche Publikum, das nicht nur seine Freundinnen begleitete. Hinter dem Horizont mit den Mädchen-Klischees geht Kate Nash nämlich noch einen Schritt weiter: Förderin und Kollegin Allen dürfte ihr und diesem Songwriting mittlerweile etwas stutenbissig hinterschauen.

Jan Schimmang / tonspion.de

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