Wilco-Fans spenden für P2P-Downloads

Eine von Wilco-Fans organisierte Website hat innerhalb weniger Wochen mehr als 10.000 Dollar Spenden als Gegenleistung für Tauschbörsen eingesammelt. Die Spenden gehen an eine Wohltätigkeitsorganisation – und entfachen abermals eine Debatte um die Entlohnung von Musikern im Internet-Zeitalter.

Als das neue Wilco-Album Anfang April bereits zwei Monate vor dem offiziellen Veröffentlichungstermin im Netz auftauchte, startete der Betreiber einer Wilco-Fan-Website eine ungewöhnliche Aktion. Auf Justafan.org begann er im Einvernehmen mit der Band eine Spendensammlung: Wer sich das Album aus dem Netz besorgt und Gefallen daran findet, kann sich auf Justafan.org mit einer Spende bedanken. Das Geld fließt allerdings nicht der Band selbst zu, sondern den Ärzten ohne Grenzen ? einer Wohltätigkeitsorganisation, die Wilco bereits in der Vergangenheit immer wieder unterstützt hat.

Dabei will Justafan.org die Spenden ausdrücklich nicht als Ersatz für den Kauf des Albums verstanden wissen. Die Website gebe Anhängern der Band vielmehr die Chance, eine Art symbolische Anzahlung zu leisten. Echte Fans würden sich das Album dennoch kaufen, sobald es ab dem 22. Juni in US-Läden stehen wird. Gleichzeitig will man die Spenden auch als Signal gegen die Klagen der Industrie verstanden wissen.

Die Idee, Musik gegen Spenden im Netz zu vertreiben, ist nicht neu. Schon in der Vergangenheit haben Bands und Musiker immer wieder damit experimentiert, sich die Produktion ihrer Alben über Spenden bezahlen zu lassen. Im Jahr 2000 versuchte eine Website namens Fairtunes.com den Prozess des Spendensammelns zu automatisieren ? doch selbst populäre Musiker verdienten nicht mehr als ein paar hundert Dollar mit dem Fairtunes-System. Einige Musiker haben auch grundsätzliche Bedenken gegen Spenden. Sie argumentieren, dies würde sie von Almosen abhängig machen. (jr)

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