Wir brauchen BASS – doch was kostet der Spaß?

Was kosten Instrumente? Heute: der Bass.

Wer anfängt, Musik zu machen, weiß oft gar nicht, worauf er sich finanziell einlässt. Denn zunächst einmal braucht man ein vernünftiges Instrument. In unserer neuen Reihe stellen wir die diversen Instrumente und die Kosten vor. Heute: der Bass.

Vier Saiten, die Druck machen und oft zu unrecht verkannt werden. Dass ist der Bass und als sein Spieler braucht man Rückgrat. (pixabay.com © egonkling)

Der Bassgitarrist, das unbekannte Wesen. In Bands ist er ein Mischcharakter irgendwo zwischen Schlagzeug-Rhythmus und Gitarren-Melodie und ganz böse Zungen behaupten sogar, dass ein gefüllter Proberaum-Kühlschrank wichtiger sei als ein Bassist.

Doch Fakt ist und Ausnahmen wie die White Stripes bestätigen die Regel, ohne Bass klingt eine Band nur halb so gut – dazu muss man nicht mal Lemmy und seinen Custom-Rickenbacker bemühen. Es gibt also gute Gründe, sich den Vierseiter umzuhängen. Doch halt, erst mal muss man das ganze Equipment haben. Was man dafür als Einsteiger ungefähr hinlegen muss, erklären wir jetzt.

1. Der Bass

Bass ist gleich Bass? Wer das behauptet, glaubt vermutlich auch, dass zwischen einer Noname-Les-Paul für 80 Euro und einem US-Original kein Unterschied bestünde. Merke: Nur weil zwei Saiten (oder auch nicht) weniger montiert sind, gelten trotzdem auch beim Bass ganz ähnliche Qualitätskriterien. Die folgenden Punkte sind allgemeine Einsteiger-Richtlinien, egal um welche Marke und Modell es sich letztlich handelt.

  • Vier Saiten (E-A-D-G). Fünfsaiter klingen gerade in den unteren Preisklassen nicht gut
  • Ein Korpus, der nicht aus Pappel oder Linde besteht
  • Ein Ahorn-Hals mit Ahorn- oder Palisander-Griffbrett

Bei der Korpus-Hals-Verbindung scheiden sich die Geister. Günstige Modelle sind meist geschraubt, was absolut okay ist, vor allem weil der Hals getauscht werden kann. Teuer wird es, wenn beide Elemente aus einem Holzstück bestehen. Die Mittelklasse ist geleimt. Wichtig ist es, beim Kauf darauf zu achten (besonders bei Einsteigermodellen), dass der lange Bass-Hals nicht verzogen oder verdreht ist.

Fünfsaiter können durch die tiefe H-Saite zwar noch tiefer gehen, doch damit das sauber klingt, braucht es (teure) Fertigungsqalität. (pixabay.com © Simone_ph)

Doch welche Bauart soll es sein? Wie bei den Gitarren so gibt es auch hier einige tonangebende Grundformen, die oft nachgebaut werden (in Klammern günstige Nachbauten)

  • Fender Precision Bass ( J&D PB BK, Ibanez GSRM20, Fender-Squier Affinity Series PJ)
  • Fender Jazz Bass (J&D JB, Fender-Squier Affinity Series Jazz, Yamaha BB234)
  • Rickenbacker 4000er Serie (J&D 200MM, Ibanez GSR180, Yamaha TRBX, ESP LTD B-10)

Diese Bauformen und vor allem die Nachbauten sind natürlich nur Vorschläge, denn der Markt ist schier gigantisch und es gibt zudem auch Mischformen. Da hilft nur, im Musikgeschäft mehrere Modelle anzuspielen, die in der eigenen Preisklasse liegen. Es gibt zwar viele Bässe unter 200 Euro, aber diese Grenze sollte man nicht unterschreiten, weil darunter viel gespart wird, worunter Klang und/oder Bespielbarkeit leiden. Andersherum kann es sich gerade für Anfänger lohnen, ein paar Scheine mehr in die Hand zu nehmen und gleich in den höheren Klassen einzusteigen. Was Lernen und Frust-Faktor angeht, sind bei den teureren Originalen nämlich weit weniger Überraschungen zu erwarten, wo man sich in den unteren Klassen vielleicht mit schlechten Mechaniken oder schlampiger Verarbeitungsqualität herumplagt.

Kostenpunkt: >200€, eher aber >400€

2. Der Gurt

Wie beim Instrument selbst, so gilt auch beim Gurt, dass es gehörige Unterschiede gibt. Falsch wäre es, einen Gitarrengurt zu nehmen. Denn die allermeisten Bässe sind nicht nur schwerer, sondern haben durch den längeren Hals auch eine andere Schwerpunktlage.

Mit einem falschen Gurt bekommt man da im Zweifelsfall ruckzuck Schmerzen in Nacken, Schultern oder Rücken und der Spielspaß ist weg. Wer was Besonderes will (und sich nicht scheut, dreistellige Summen auszugeben) kann bei den Kissfish-Custom-Stücken fündig werden. Für alle Normalkäufer gelten jedoch folgende Regeln:

  • So breit wie möglich
  • Gerne gepolstert
  • Entweder dickes Echtleder oder Nylon

Bei den Anschlüssen an die Halteknöpfe sollte man auch bei Nylongurten auf dickes Leder achten. Interessant sind Modelle mit mechanischem Verschluss. Vorteil: Er kann nicht ausreißen, wie das klassische „Knopfloch“.

Kostenpunkt: ~50€

3. Der Verstärker

Selbst kleine Bassverstärker sind bauartbedingt alles andere als leicht und kompakt. Fürs Proberaum-Pendeln empfiehlt sich daher diese Lösung. (pixabay.com © InspiredImages)

Wir kommen zu einem Punkt, an dem Bassisten, die nicht nur allein im stillen Kämmerlein spielen möchten, einen eindeutigen (Preis)Nachteil gegenüber Gitarristen haben. Denn Gitarren spielen bekanntermaßen in mittleren und hohen Tonlagen. Die dafür notwendigen Lautsprecher können im Durchmesser klein sein und sind deshalb günstig – ein Band-tauglicher Gitarrenverstärker kann kaum größer sein als zwei Schuhkartons und ist schon für Preise im niedrigen dreistelligen Bereich zu haben. Schön zu sehen ist das bei alten Videos von Creedence Clearwater Revival, denn selbst die hatten damals recht kleine Verstärker.

Beim Bass sieht es jedoch genau andersherum aus. Der kann nur tiefe Töne. Und um die richtig wiederzugeben, braucht es großformatige Speaker, großvolumige Gehäuse. Für ein Stack, also eine aufeinandergestellte Kombination aus einzelnem Lautsprecher und Verstärker ist man da schnell 300 Euro los. Klar gibt es auch hier die kleinen Kombinationsgeräte, die alles in einem kompakten Gehäuse vereinen, aber die klingen eben nicht so gut und liefern nicht genug Druck, um sich damit in einer Band behaupten zu können. Die Krux ist auch hier der Klangbereich des Basses: Um seine tiefen Töne nicht nur laut, sondern auch klar wiederzugeben, braucht es eine wesentlich höhere Wattzahl als bei vergleichbaren Gitarrenverstärkern. Selbst zum Üben sollten 50 Watt die absolute Untergrenze sein.

Kostenpunkt: >250€

4. Und sonst?

Natürlich braucht man auch noch etwas Zubehör zu seinem Instrument. Doch hier ist die Marktlage noch unübersichtlicher, die folgenden sinnvollen Dinge und vor allem ihre Preise sind daher nur grobe Richtwerte, die sich im Handel auch stark unterscheiden können.

  • Gigbag (Rucksack): 30€
  • Hardcase (Tragekoffer): 60€
  • Gutes Kabel: 20€ (5m)
  • Ständer: 15€
  • Bass-Plektren: 6€ (12er Set bspw. Dunlop)
  • Marken-Ersatzsaiten (45-105): 20€
  • Lehrbuch: 15€

Und die Coolness, die man mit der langen „Axt“ vor der Brust bekommt, ist einfach unbezahlbar. Übrigens: Natürlich gibt es auch für Bässe einen ganzen Strauß an Effektgeräten und –pedalen. Doch auch wer eher in Richtung härtere Musik schielt, kann diese Ausgabe erst mal nach hinten verschieben. Selbst Robert Trujillo, Bass-Monster bei Metallica, benutzt Effekte nur bei wenigen ausgewählten Songs.

Unterm Strich kommen wir so auf Einsteigerkosten in Höhe von etwa 800 Euro, die aber wie gesagt stark nach unten und oben (eher letzteres) schwanken können.

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