"Wir sind Blog-Fans!"

Die Klaxons im Tonspion-Kreuzverhör

Die Klaxons haben ein tolles Album aufgenommen, sich bunte Klamaotten angezogen, die Sirene angeschaltet und das alles mit der Mogelpackung New Rave deklariert. Ihr Konzept, ein neues Genre auszurufen, ist aufgegangen: Erst rotieren Tracks im Netz, dann in den Clubs und schließlich in den Charts. Tonspion-Redakteur Jan Schimmang hat James Righton und Simon Taylor zum Gespräch über MP3 und Internet getroffen.

[Erinnert ihr euch an euer erstes Mal? Wann habt ihr euer erstes MP3 geladen?]

[Simon:] Ich erinnere mich an einen Bootleg im Zuge der Veröffentlichung von Radioheads ?Kid A?.

[James:] Aber wir haben kürzlich angefangen, regelmäßig über einen bekannten Download-Shop im Internet Musik zu laden.

[Simon:] Ich habe erst kürzlich begriffen, welche große Auswahl ein Online-Shop zum Teil bieten kann und was für ein tief gehendes Archiv dort zur Verfügung steht.

[Kauft ihr überhaupt noch Platten oder bevorzugt ihr mittlerweile MP3?]

[Simon:] Wir kaufen kaum noch physische Tonträger. Warum auch, wenn wir uns die Alben in unserem Hotelzimmer aus dem Netz kaufen können. Wir sind zudem große Blog-Fans oder lassen uns von Pitchforkmedia anfixen.

[Am Anfang habt ihr viele der Tracks des aktuellen Album kostenlos im Netz angeboten, ist das richtig?]

[Simon:] Nicht ganz. Wir haben vier Demos zum Download angeboten. Aber als dann der Plattenvertrag kam, mussten wir sie verständlicherweise wieder runternehmen.

[Wie denkt ihr über die Problematik der Leak-Albums, also dass Releases noch vor der VÖ illegal im Netz publiziert werden?]

[James:] Also mich wundert es ehrlich gesagt, dass im Netz noch nicht viel mehr Alben auftauchen. Wir haben mal in einem Studio gearbeitet, in dem auch andere Bands aufgenommen haben und es wäre für uns einfach gewesen, diese Aufnahmen mitzunehmen und zu veröffentlichen. Da wird mit der Musik zum Teil recht nachlässig umgegangen.

[Wie bewertet ihr den Zwiespalt zwischen kostenloser Musik im Netz auf der einen und Plattenverkäufe auf der anderen Seite?]

[Simon:] Einerseits will man Musik verkaufen und schätzt ihren Wert, anderseits hat man sich vielleicht auch schon selbst einen Track illegal herunter geladen, oder?

[James:] Ich glaube an die These, dass wenn sich jemand regelmäßig Musik im Netz lädt, er auch viele Platten kauft. Ich finde es ist okay, sich ein paar Songs herunter zu laden, um auf den Geschmack zu kommen. Und dann das Album zu kaufen.

[Glaubt ihr an Bands, die ausschließlich im Internet groß werden, glaubt ihr an die Legende der Arctic Monkeys?]

[Simon:] Ihre wahre Geschichte kennt wahrscheinlich niemand. Sie waren jedenfalls eine My-Space-band und trieben sich in den Libertines-Fan-Foren herum. Aber das war für uns eigentlich nicht neu und aufregend. So ähnlich haben das damals auch bereits unsere Freunde der Test Icles gemacht. Im Internet veröffentlichen Bands schon seit Jahren, für uns ist das nichts Besonderes.

[Ist es nicht so, dass es immer auch einer Kooperation mit Presse und Plattenfirma bedarf, um letztendlich wirklich erfolgreich zu werden?]

[James:] Ja, durchaus.

[Simon:] Wirklich bedeutend ist es, dass das Internet eine ideale Plattform ist, die Leute zu deinen Konzerten zu bringen. Lokale Blogs wie ?20 Jazz Funk Greats? helfen da vielen Bands aus der Umgebung. Eine Blog-Post kann heute die Show einer lokalen Band restlos ausverkaufen.

[Wie lauten eure bevorzugten Web-Adressen, wenn es um Musik im Netz geht?]

[James:] Neben den bereits erwähnten war Post Punk Junk ein guter Blog (mittlerweile offline, Anm. der Redaktion). Auch die Hype Machine benutzen wir.

[Simon:] Das Magazin Wire bietet auf seiner Website MP3s zum Download. Und auch ein Besuch bei NME lohnt sich, wenn es um Neuigkeiten von Künstlern geht. Wir sind jedenfalls Geeks, also wirklich viel im Internet unterwegs.

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?Myths Of The Near Future?, das Debütalbum der Klaxons ist Ende März erschienen. (js)

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