Wolfgang Tillmans: Mit Kunst gegen das Clubsterben

Bei "2020Solidarity" stellen 50 Künstler ihre Werke notleidenden Clubs kostenlos zur Verfügung

Wolfgang Tillmans ist einer der international renommiertesten deutschen Künstler. Seine Bilder hängen unter anderem auch im Berghain. Jetzt organisiert er die Aktion "Solidarity2020" und möchte Clubs mit dem Verkauf von Kunst retten.

Tillmans Karriere startete in den 90er Jahren mit freizügigen Fotos aus dem Berliner Club Ostgut, aus dem später das Berghain hervorging. Er ist eng verbunden mit der Technoszene und drehte für viele Künstler Musikvideos. Seine Bilder hängen heute in allen großen Museen für zeitgenössische Kunst.

Jetzt setzt er sich mit einer neuen Kunstaktion gegen das Sterben unserer Subkultur ein: Gemeinsam mit 50 anderen Künstlern stellt er Kunstdrucke für in Not geratene Clubs bereit, die diese dann in eigenen Crowdfunding Aktionen verkaufen können.

Spyros Rennt
The arm over his shoulder 2020
Zu kaufen bei: Siegessäule (Berlin), Griessmühle (Berlin), Visual AIDS (New York) 

Die Clubs können sich hier bewerben und bekommen einzelne Motive exklusiv und kostenlos bereit gestellt, um sie im Rahmen von Spendenaktionen zu verkaufen.

Die Bilder können für einen begrenzten Zeitraum gegen eine Spende von 50 Euro bei den jeweiligen Clubs erworben werden. Sämtliche Erlöse bleiben bei den Organsiationen. Die Künstler stellen ihre Werke unentgeltlich zur Verfügung.

Mit dabei sind Kunstwerke von Künstlern wie Andreas Gursky, Thomas Ruff, Elisabeth Peyton oder Elmgreen & Dragset.

"Es gibt viele Orte, die möglicherweise keine Hilfe erhalten oder gerettet werden, weil sie informelle Orte in Bezug auf Kultur, Nachtleben und Musik sind. Ich habe das Bedürfnis, etwas zu tun, damit sie nicht dauerhaft schließen müssen." (Wolfgang Tillmans)

Viele Clubs weltweit haben bereits wenige Wochen nach der Schließung Hilferufe abgesetzt und Spendenaktionen ins Leben gerufen. Bei der Aktion dabei sind bisher: Siegessäule (Berlin), Schwuz (Berlin), Wilde Renate (Berlin), Hospital Rooms (London), Visual AIDS (New York), Griessmühle (Berlin), ACUD (Berlin), Ballez (New York). Mehr sollen in Kürze folgen.

Da ein Ende der Einschränkungen derzeit noch gar nicht abzusehen ist, könnte sein, dass manche Städte künftig nur noch McDonald's und Starbucks als kulturelle Treffpunkte haben werden. Das können wir nur mit gemeinsamer Anstrengung verhindern und indem wir wirklich alle aktiv werden.

► Livestreams: Online Konzerte, Lesungen und DJ-Sets im Überblick

Zwar hat die Berliner Club Commission mit UnitedWeStream bereits eine Spendenaktion ins Leben gerufen, aber das alleine wird nicht reichen. Theoretisch müssten wir alle das Geld den Clubs zugute kommen lassen, das wir dort ohne Zwangsschließungen tatsächlich ausgegeben hätten, einschließlich Eintritt, Getränke und Garderobe. Nur dann wäre unsere Kultur auf der sicheren Seite.

Warum also nicht die Gelegenheit nutzen und erstklassige Kunst für den guten Zweck kaufen? Oder gleich mehrere wichtige Kulturorte unterstützen?

Die Auswahl der Motive wird ständig erweitert, kulturelle und soziale Einrichtungen können sich direkt über die Mailadresse 2020Solidarity@betweenbridges.net bewerben, um an der Aktion teilzunehmen und eigene Spendenaktionen zu starten.

Clubs und Veranstalter können ihre Liveevents und Spendenaufrufe direkt in unseren Online-Konzertkalender eintragen.

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