YouTube arbeitet an werbefreiem Abo

Wird auch die Google-Videoplattform bald kostenpflichtig?

Während der neue EU-"Digital-Kommissar" Oettinger laut darüber nachdenkt, eine Kulturabgabe im Netz einzuführen, arbeitet Youtube an einem kostenpflichtigen Angebot. Eines ist wohl sicher: kostenlos war gestern.

Alle wollen im Netz mitverdienen

Die rechtsextreme ungarische Regierung will eine Internetsteuer einführen, der EU-Kommissar Günther Oettinger eine Kulturabgabe, wobei die EU dann künftig festlegen müsste, was Kultur ist und was weg kann. Eine Schreckensvision! Und jetzt will offenbar auch Youtube die Internetnutzer zur Kasse bitten. 

Überlegungen noch ganz am Anfang

Zumindest wer Videos und Serien ohne lästige Werbung sehen will, wird künftig wohl auch die Möglichkeit bekommen, sich bei Youtube für ein Abomodell zu entscheiden. Analog zu den anderen Streamingdiensten wird der User dann nicht mehr mit Werbung behelligt. Das kündigte Youtube-Chefin Susan Wojcicki bei der Technologie-Konferenz Re / Code an. Allerdings sei man noch ganz am Anfang mit den Überlegungen: "YouTube ist derzeit werbeunterstützt, was uns glücklicherweise über eine Milliarde Nutzer erreichen lässt".

Es gibt nur zwei Modelle: Werbung oder Zahlen

Die Entwicklung deutet immer mehr darauf hin, dass kostenpflichtige Dienste die Zukunft sind. Zu stark ist der Druck, Geld verdienen zu müssen, gerade für die großen Weltkonzerne, zu massiv die Ablehnung der Nutzer gegen Werbung. In Deutschland nutzen bereits über 30 Prozent aller Nutzer Adblocker, die es einem kostenlosen Angebot de facto unmöglich machen, Geld einzuspielen. Die logische Konsequenz: Angebote werden kostenpflichtig und setzen auf Abos. Es gibt grundsätzlich nur zwei Refinanzierungsmodelle für digitale Angebote: Werbung oder Zahlen. (Oder eine Zwangsabgabe à la GEZ, ein absurdes Relikt aus grauer TV-Vorzeit, von dem heute hauptsächlich Helene Fischer, Carmen Nebel und Markus Lanz profitieren.)

Youtube wird sich entscheiden müssen

Im Fall von Youtube ist es allerdings besonders heikel: da Youtube vielfach keine Rechte geklärt hat, für Videos, die auf seine Server geladen werden, kann es für diese Inhalte auch kein Geld verlangen. In Deutschland streitet Youtube seit Jahren mit der GEMA, der Verwertungsgesellschaft der Komponisten und Textdichter über eine angemessene Vergütung für die Nutzung von Musik auf Youtube.

Die Google-Tochter wird sich also entscheiden müssen, für den ein oder anderen Weg. Kostenpflichtig einerseits und die Urheber nicht ordentlich bezahlen andererseits wird auf Dauer wohl kaum zusammen gehen. Und dieses grundlegende Problem hat Youtube mit einem Filesharing-Dienst gemein: Die Tauschbörse BitTorrent möchte ab Ende des Jahres Musik verkaufen und legal werden, hat seine 170 Millionen Nutzer bisher aber hauptsächlich mit illegalem Filesharing gelockt. Die Musikindustrie dürfte da noch eine Rechnung offen haben.

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