Zeit für einen Social Media Entzug

Wie Social Media uns abhängig macht und ausnimmt

Social Media ist tot. Diese Überzeugung vertritt die amerikanische Online-Pionierin Shelley Taylor und hat dafür gute Gründe gesammelt. Ihre Empfehlung: der Entzug. 

Wenn Beyoncé schon ihre Fans nicht erreicht, wie solltest du? Sie hat 65 Millionen Fans auf Facebook und kann sie nicht erreichen, außer sie zahlt 300 000 Dollar für einen einzigen Post.

Auch Marken haben den Zugang zu ihren Fans längst verloren. Sie haben hunderte, tausende oder vielleicht auch hunderttausende Euro ausgegeben, um Fans auf Facebook zu gewinnen. Dort gab es großartige Tools, um mit Fans und Kunden zu kommunizieren. Mailkontakte oder Postadressen wurden kurzerhand weggeworfen, stattdessen kam Social Media. Vielleicht hast du es nicht bemerkt, aber du hast dein größtes Kapital, deine Fans, zu Facebook übertragen. Und sie werden sie nicht mehr herausrücken.

Das Problem, den Status Quo in Frage zu stellen ist, dass eine ganze Industrie dazu erzogen wurde, Social Media zu managen. Unzählige Firmen haben Geschäftsmodelle aufgebaut, die vom Social Media-Ökosystem abhängen. Abhängigkeit, wie in Drogenabhängigkeit. Vielleicht können deshalb die Leute ihr Verhältnis zu Social Media nicht so sehen, wie es tatsächlich ist. Sie hängen fest. Nicht nur du und ich, die wir nicht aufhören können, dauernd unser Smartphone zu checken nach den neuesten Katzen- oder Essensbildern. Sondern ganz besonders die Marken und Künstler, die den meisten Traffic zu Facebook und den anderen Plattformen gebracht haben. Es gibt Myriaden von Artikeln in den Medien, wie Social Media wirklich funktioniert, aber ist das nicht nur die letzte Stufe der Leugnung?

 

Hier sind ein paar Fakten: Facebooks organische Reichweite ist auf nahezu Null gefallen. Jüngste Studien zeigen, dass weniger als 1 Prozent der Facebook Fans die Posts von Musikern, Sportlern oder Marken, denen sie folgen, zu sehen bekommen. Eine Band mit 3 Millionen Fans würde ungefähr 15 000 Dollar zahlen müssen, damit alle Fans einen einzigen Post zu sehen bekommen. Je mehr Fans eine Seite hat, desto mehr kostet ein Like. Und nach den jüngsten Ankündigungen von Facebook ist es wahrscheinlich, dass 2015 kein Post auf Facebook Seiten mehr kostenlos sein wird.

Bands und Brands (und andere mit großer Fanbase) wurden soweit eingelullt zu glauben, dass Social Networks nur in ihrem Interesse handelten. Aber diese Networks sind ein einziger Selbstbedienungsladen. Natürlich sind sie das! Sie haben Shareholder und müssen Umsatz machen. Als Facebook die organische Reichweite herabsetzte, stieg die Aktie damatisch. Aber wenn man Reichweite verliert, verliert man auch Umsatz.

 

Es ist Zeit, über eine digitale Kur nachzudenken. Und wie bei jedem Entzug ist der erste Schritt, die Wirklichkeit zu erkennen - Social Media als ein Weg, Fans oder Kunden zu binden und sich mit ihnen auszutauschen ist tot oder stirbt gerade.

Twitter, Instagram und die anderen "Tools" denen du vertraust, Social Networks, werden bald Facebooks Weg folgen. Die Botschaft sollte klar sein. Fans sind viel Wert. Aber du musst sie erreichen können, um von der Beziehung mit ihnen zu profitieren. Aber was kannst du tun, außer unglaublich viel Geld an Facebook und ihre Shareholder zu zahlen?

Mobile Geräte dominieren. Amerikaner verbringen mehr Zeit an ihrem Smartphone als am TV Gerät. Das mobile Geschäft wird dieses Jahr um 80 Prozent gewachsen sein auf 84 Milliarden Dollar. Die Leute bleiben sechsmal länger auf Apps als im mobilen Web. Und mobile Apps eröffnent riesige Möglichkeiten für die direkte Kommunikation mit Fans und Kunden.

Eine Lösung wäre, dein eigenes privates Social Network aufzubauen in Form einer eigenen mobile App. Auf diesem Weg gehören dir die Daten und der Kommunikationskanal. Oder du kannst Mailadressen und Telefonnummern sammeln. Und dann gibt es noch traditionelle Online-Plattformen und Print. Vielleicht müssen wir zurück zu den Basics. Aber das Ziel muss sein, einen Weg zu finden, mit Fans und Kunden direkt zu interagieren ohne einen Vermittler, der dabei im Weg steht. Das hat zwei Vorteile: weniger Markenverschmutzung und größeres Umsatzpotenzial.

Social Networks waren so erfinderisch wie Drogendealer, um die Leute erst mit kostenlosen Diensten anzulocken und sie dann kräftig zur Kasse zu bitten, als sie abhängig davon waren. Aber es gibt eine Heilung für Social Media-Sucht. Der Entzug mag schmerzhaft sein, aber der Nutzen ist es wert!

Shelly Taylor entwickelte mit ihrer Firma Ende der 80er Jahre im Silicon Valley die ersten User-Interfaces für Kunden wie Cisco, Netscape, Dell oder Microsoft. Vor zwei Jahren gründete sie Digital Fan Clubs, eine mobile App für den direkten Austausch von Stars mit ihren Fans.

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