Zoot Woman: "Wir sind unsere eigene kleine Zeitmaschine"

Adam und Johnny Blake über Zeitsprünge, die Arbeit als Duo und Kylie Minogue

Mitte Juni kehrten Zoot Woman - nur drei Jahre nach dem letzten Album - wieder zurück. Wir haben sie getroffen und sie zur neuen Platte, der Abwesenheit von Stuart Price, ihrer Arbeitsweise als Quasi-Duo und Kylie Minogue befragt.

Credit: Nina Mail

Hallo Adam und Johnny, nach dem letzten Album seid ihr ziemlich schnell wieder da, wenn man sieht, dass zwischen zwei Zoot Woman Alben gern auch mal sechs oder sieben Jahre liegen....

Adam: Ja genau für uns ist das schon relativ schnell (lacht)...

Lags daran dass ihr zum Großteil zu zweit gearbeitet habt?!

Adam: Das hatte auf jeden Fall was damit zu tun. Ich denke wie jeder anderer Act hat man Zeiten in denen man produktiv ist, wo man mit vielen Ideen um die Ecke kommt. Dann gibt es wieder Zeiten wo man lange auf eine Eingebung wartet. Kommt einfach drauf an, wie fokussiert du bist.

Johnny: Wir hatten eine ganze Reihe an Ideen für dieses neue Album, bereits während wir das alte promoteten. Die Inspiration war also schon da, es musste halt nur noch dran gefeilt werden. Dann haben wir einfach ein bisschen schneller und ein bisschen härter gearbeitet.

Wie entsteht ein Song in Zoot Woman, in dieser doch nicht alltäglichen Kombination mit Stuart Price, der ja jetzt zum Großteil anderweitig beschäftigt ist?

Adam: Es ist eigentlich wie immer, es startet immer mit irgendeinem Groove, einer Hook. Unser Zeug ist sehr stimmungsvoll, und generell sind in der Musik von Zoot Woman viele verschiedene Zutaten. Ein bisschen Melancholie, starker 70er und 80er Einfluss, und heute auch ein bisschen 90er ist mit drin...

Ja, ihr springt ziemlich vor und zurück in der Zeit, 70er, 80er, kontemporäre Tanzmusik...

Adam: Ja, wir sind quasi unsere eigene kleine Zeitmaschine.

Ihr sagt selbst, dieses Mal wart ihr euch sehr sicher in dem was ihr tut. Keine Spur von Unklarheiten oder großen Diskussionen – das obwohl ihr Brüder seid. Hattet ihr die gleiche Vision und wo kommt diese Harmonie her?

Johnny: Ich denke die kreativen Ideen kamen dieses Mal ziemlich natürlich. Wir mussten sie eigentlich nur aufsammeln und zusammen dran arbeiten. Wir arbeiten generell nur an Sachen, die auf natürliche Weise zu uns kommt, das macht es ziemlich einfach für uns.

Adam: Aber man muss auch auf ein bestimmtes Level kommen. Ich kam zum Beispiel mit ein paar Disco-Ideen, wovon ich dachte, dass sie großartig wären. Und Johnny nur: "Oh man, this is bad". Und dann haben wir das wieder gelassen.

Also arbeitet ihr sozusagen zum Großteil jeder für sich und dann sammelt ihr und zeigt es dem anderen?

Adam: Ja genau. Wir jammen nicht oder so...

Ist für eine vorwiegend elektronische Band auch ziemlich schwierig...

Adam: Ja, und man hat vor allem nicht die Möglichkeit komplett und ohne Einschränkung seine eigenen Ideen zu entwickeln. Aber ab einem gewissen Zeitpunkt hat man dann sein Ceiling erreicht und du musst mit jemandem zusammenarbeit, um weiter zu kommen.

REVIEW: Zoot Woman - Absence

Aber ihr definiert euch – Zoot Woman – schon noch als ein Dreigespann?

Adam: Definitiv ja!

Eine weitere Sache über die wir reden müssen ist Kylie Minogue. Erzählt uns die ganze Geschichte!

Adam: Wir haben den Song schon vor einer ganzen Weile geschrieben, für ein Album an dem Kylie damals gearbeitet hat. Der Song war also da, nur der Sound war irgendwie nicht passend. Irgendwas fehlte immer. Damals war es vielleicht zu 60 Prozent fertig. Wir mussten es nur annähernd an die 100 Prozent ranbringen, um im Mathe-Terminus zu bleiben.

Ist das der älteste Song den ihr auf der neuen Platte habt?

Adam: Ja, ist es. Wir haben einige Songs, die seit Jahren in der Schublade liegen. Es war dann fast zum Ende der Arbeiten hin, dass wir den dann wieder vorgekramt haben. Ist doch so, oder?!

Johnny: Ja, so in etwa war glaub ich das Prozedere.

Und den Kontakt zu Kylie hat dann Stuart hergestellt?

Adam: Ja genau, er arbeitete damals mit Kylie an ihrem neuen Album. Sie mochte den Song, aber wie es halt manchmal so läuft: Dann ist sie auf Tour oder anderweitig beschäftigt und es passiert dann nicht. Am Ende hat es doch noch geklappt und ich finde die Nummer passt ganz gut in "Absence" rein.

Find ich auch. Angelehnt an den Titel: Was ist denn die Sache, die euch ganz persönlich am meisten fehlt?

Adam: Oha, jetzt wird's persönlich (lacht). Das war eine von fünf Optionen, die wir hatten und hat als die Songs dann endgültig fertig waren wohl am ehesten gepasst, der Titel hat sich im Gedächtnis festgesaugt.

Johnny: Die Songs sind alle aus einer sehr perönlichen Sichtweise geschrieben, vielleicht sind es sogar die persönlichsten Songs die wir je gemacht haben. Und vieles geht eben auch um sämtliche Formen von Abwesenheit: Von Menschen, von Dingen oder Gefühlen.

Die besten neuen Alben, alle auf einen Blick

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