Ausgerechnet vor der Berliner Volksbühne lässt sich in diesem Sommer beobachten, was der Hauptstadt offenbar fehlt: ein Freibad. Zum Auftakt der neuen Intendanz verwandelt das Theater den Rosa-Luxemburg-Platz vom 7. August bis 1. Oktober 2026 für acht Wochen in das „VOLKSBAD“. Warum das nötig ist, unterstreicht eine neue Studie.
Die temporäre Installation ist als urbane Intervention gedacht. Das Theater verweist auf eine Stadt, in der öffentliche Infrastruktur abgebaut werde und öffentliche Orte zunehmend kommerzialisiert und kontrolliert würden. Das „VOLKSBAD“ soll deshalb mehr sein als eine ungewöhnliche Kulisse vor einem Theater: ein frei zugänglicher Ort für Abkühlung, Sport, Nachbarschaft und gepflegtes Nichtstun im heißer werdenden Berliner Sommer.

Dass ausgerechnet Berlin einen zusätzlichen Pool im öffentlichen Raum gut gebrauchen kann, zeigt nun auch ein aktueller Freibad-Check deutscher Großstädte. Gemessen an der Einwohnerzahl landet die Hauptstadt ganz weit hinten. Ganz oben steht dagegen eine Stadt, die bei sommerlichen Städtereisen vermutlich nur wenige zuerst auf der Liste haben: Bielefeld.
Bielefeld hat die meisten Freibäder pro Kopf
Die Ferienhausplattform Ferienwohnungen.de hat die Freibadversorgung in 39 deutschen Großstädten mit mehr als 200.000 Einwohnern untersucht. Grundlage für die Zahl der Frei- und Kombibäder ist der Bäderatlas der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen. Zusätzlich wurden durchschnittliche Eintrittspreise und Google-Bewertungen ausgewertet.
Sieben Freibäder bei rund 331.000 Einwohnern bringen Bielefeld auf einen Wert von 2,11 Freibädern je 100.000 Einwohner. Keine andere untersuchte Großstadt erreicht mehr. Das Angebot reicht vom Wiesenbad über das Freibad Gadderbaum bis zum kleineren Freibad Schröttinghausen, das bei Google auf 4,7 Sterne kommt.
Nur knapp dahinter landet Freiburg im Breisgau. Fünf Freibäder verteilen sich dort auf rund 238.000 Einwohner, was 2,10 Bädern je 100.000 Einwohner entspricht. Zu den Anlagen gehören das Freibad St. Georgen, das Lorettobad und das Strandbad. Der durchschnittliche Eintritt von 6,75 Euro liegt allerdings deutlich über den Preisen vieler anderer Städte im Ranking.
Auf Platz drei folgt Karlsruhe mit sechs Freibädern und 1,94 Anlagen je 100.000 Einwohner. Zu den bekanntesten gehört das historische Turmbergbad in Durlach, das bereits 1907 eröffnet wurde. Mit 4,5 Sternen bei knapp 1.000 Google-Bewertungen zählt es zugleich zu den beliebtesten Freibädern der gesamten Untersuchung.

Mannheim bietet besonders günstige Abkühlung
Mannheim erreicht mit sechs Freibädern Platz vier und fällt außerdem durch niedrige Eintrittspreise auf. Im Durchschnitt kostet ein Besuch 3,17 Euro, so wenig wie in keiner anderen Stadt innerhalb der Top 10. Bonn folgt mit ebenfalls sechs Freibädern und durchschnittlich vier Euro Eintritt auf Platz fünf.
Dahinter landen Stuttgart, Wuppertal, Bochum, Magdeburg und Kiel. Auffällig ist die starke Präsenz von Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Jeweils vier Städte aus den beiden Bundesländern schaffen es unter die zehn Großstädte mit dem höchsten Freibadangebot pro Einwohner.
Bei den Bewertungen verschiebt sich die Reihenfolge. Die durchschnittlich besten Google-Werte erreicht Braunschweig mit 4,47 Sternen. Karlsruhe kommt auf 4,37 Sterne, Bielefeld auf 4,36.
Berlin und München landen weit hinten
Für die Millionenstädte sieht die Statistik weniger sommerlich aus. München erreicht lediglich 0,4 Freibäder je 100.000 Einwohner, Berlin kommt auf 0,57. Hamburg liegt mit 0,91 ebenfalls deutlich unter den Spitzenreitern, auch Köln gehört zu den Schlusslichtern.
Die reine Zahl der Freibäder erzählt allerdings nur einen Teil der Geschichte. Gerade München zeigt, dass ein geringes Angebot pro Einwohner durchaus traditionsreiche und beliebte Anlagen umfassen kann. Das Schyrenbad erreicht 4,5 Sterne bei mehr als 1.200 Google-Bewertungen. Es wurde bereits 1847 eröffnet und ist Münchens ältestes Freibad. Auch das Prinzregentenbad kommt auf 4,5 Sterne.
Berlin schafft es dagegen weder in die Top 10 beim Angebot pro Einwohner noch unter die zehn bestbewerteten einzelnen Freibäder. Vor diesem Hintergrund bekommt das temporäre „VOLKSBAD“ vor der Volksbühne noch eine zusätzliche Pointe. Wo reguläre Wasserflächen gemessen an fast vier Millionen Einwohnern vergleichsweise rar sind, wird kurzerhand eine Straße zur Schwimmbahn.

Das beliebteste Freibad steht in Kaiserslautern
Wer nach den Google-Bewertungen geht, muss für Deutschlands beliebtestes Freibad nach Rheinland-Pfalz fahren. Das Freibad Waschmühle in Kaiserslautern erreicht 4,6 von fünf Sternen bei mehr als 670 Bewertungen. Die historische Anlage stammt aus dem Jahr 1908 und gehört zu den größten Freibädern Deutschlands.
| Rang | Stadt | Freibäder gesamt | Freibäder je 100.000 EW | Ø Eintritt (€) |
| 1 | Bielefeld | 7 | 2,11 | 4,50 |
| 2 | Freiburg im Breisgau | 5 | 2,10 | 6,75 |
| 3 | Karlsruhe | 6 | 1,94 | 4,72 |
| 4 | Mannheim | 6 | 1,88 | 3,17 |
| 5 | Bonn | 6 | 1,85 | 4,00 |
| 6 | Stuttgart | 11 | 1,81 | 5,83 |
| 7 | Wuppertal | 6 | 1,68 | 3,90 |
| 8 | Bochum | 6 | 1,67 | 4,25 |
| 9 | Magdeburg | 4 | 1,64 | 6,25 |
| 10 | Kiel | 4 | 1,59 | 5,88 |
Bis zum 1. Oktober liefert Berlin immerhin eine temporäre Antwort auf seinen Freibadmangel. Dann kann mitten in Mitte gekrault werden, direkt vor der Volksbühne, kostenlos und mit Pommesbude. Für einen Platz im Freibad-Ranking dürfte das „VOLKSBAD“ kaum reichen. Als Kommentar darauf funktioniert es umso besser.
Öffnungszeiten und Ticketinfo VOLKSBAD
Dienstag bis Samstag (außer Donnerstag): 12:00 – 20:00 Uhr
Donnerstag: 13:00 – 21:00 Uhr
Montag, Sonn- und Feiertag: Ruhetag
Der Zugang zum VOLKSBAD erfolgt über die Buchung von kostenlosen Zeitfenstertickets. Diese werden immer drei Tage vor dem jeweiligen Badetag um 14:00 Uhr freigeschaltet. Die Programmvorschau wird kontinuierlich aktualisiert.
