Der Musikstreamingdienst Qobuz führt eine Kennzeichnung für KI-generierte Musik ein. Ein neuer „AI-Tag“ soll entsprechende Titel direkt in der App sichtbar machen. Gleichzeitig veröffentlicht das Unternehmen erstmals konkrete Zahlen dazu, welchen Anteil KI-Musik am Streaming auf der Plattform hat und wie häufig entsprechende Inhalte mit auffälligen Streamingaktivitäten verbunden sind.
Qobuz reagiert damit auf die dramatisch wachsende Zahl von Musikveröffentlichungen, die vollständig oder teilweise mit generativer Künstlicher Intelligenz produziert werden. Bislang ist für Hörerinnen und Hörer auf Streamingplattformen häufig kaum erkennbar, wie ein Track entstanden ist. Mit der neuen Kennzeichnung sollen bei Qobuz Titel sichtbar markiert werden, die vom Unternehmen als KI-generiert identifiziert wurden.
Nach Angaben von Qobuz ist der „AI-Tag“ ab sofort innerhalb der App verfügbar. Das Unternehmen versteht die Kennzeichnung als Ergänzung seiner bisherigen Strategie, Empfehlungen und Playlists weiterhin redaktionell von Musikexpertinnen und Musikexperten erstellen zu lassen. KI-generierte Inhalte sollen nicht Bestandteil dieser redaktionellen Empfehlungen sein.
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Georges Fornay, stellvertretender Geschäftsführer von Qobuz, sieht vor allem die Transparenz gegenüber den Nutzern als entscheidenden Punkt. Es gehe inzwischen nicht mehr ausschließlich darum, KI-generierte Musik technisch zu erkennen, sondern diese Information auch sichtbar zu machen. Hörerinnen und Hörer sollten wissen können, mit welcher Art von Aufnahme sie es zu tun haben.
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KI-Musik macht laut Qobuz nur 0,38 Prozent aller Streams aus
Interessant sind vor allem die Zahlen, die Qobuz gemeinsam mit der Einführung des neuen Labels veröffentlicht. Nach Angaben des Unternehmens entfallen derzeit 0,38 Prozent aller Wiedergaben auf Titel, die als KI-generiert identifiziert wurden.
Damit ist der Anteil am gesamten Streamingvolumen auf Qobuz bislang kaum wahrnehmbar. Das Unternehmen führt dies unter anderem auf seine redaktionelle Ausrichtung zurück. Da Empfehlungen und Playlists von Redaktionsteams zusammengestellt werden, gelangen entsprechende Inhalte nach Darstellung von Qobuz seltener über kuratierte Bereiche zu den Hörern.
Deutlich auffälliger ist eine andere Zahl: Laut Qobuz werden 60 Prozent der Wiedergaben von als KI-generiert identifizierten Titeln vom eigenen System zur Betrugserkennung als betrügerisch eingestuft. Solche Streams werden von den Abrechnungen ausgeschlossen, die jeweiligen Rechteinhaber erhalten dafür nach Angaben des Unternehmens keine Vergütung.
Damit verbindet Qobuz die Diskussion um generative KI ausdrücklich mit dem schon länger bestehenden Problem der Streamingmanipulation. Automatisierte Wiedergaben können dazu eingesetzt werden, künstlich Einnahmen zu erzeugen oder die Wahrnehmung bestimmter Veröffentlichungen zu erhöhen. KI-generierte Musik lässt sich in großer Menge und mit vergleichsweise geringem Aufwand produzieren, was solchen Modellen eine zusätzliche Dimension gibt.
Qobuz erklärt, bei festgestellten Verstößen sowohl manipulierte Streams aus seinen Berichten und Tantiemenabrechnungen zu entfernen als auch betroffene KI-Inhalte von der Plattform zu nehmen.
Rund vier Millionen Alben aus der Suche entfernt
Auch bei Veröffentlichungen ohne nennenswerte Nutzung greift Qobuz nach eigenen Angaben ein. Mehr als ein Drittel der als KI-generiert identifizierten Alben ohne Wiedergaben sei bereits aus der internen Suche entfernt worden. Das entspreche rund vier Millionen Alben.
Die Zahl zeigt vor allem, wie stark die Menge veröffentlichter Inhalte durch generative Werkzeuge wachsen kann, selbst wenn ein großer Teil davon praktisch kein Publikum erreicht. Das Entfernen aus der Suche bedeutet dabei nicht zwangsläufig, dass sämtliche betreffenden Veröffentlichungen vollständig aus dem Katalog gelöscht wurden.
Die neue Kennzeichnung ergänzt die KI-Leitlinien, die Qobuz im Februar 2026 veröffentlicht hatte. Diese wurden nach Angaben des Streaminganbieters nun entsprechend aktualisiert. Das Unternehmen kündigt außerdem an, die Regeln künftig an technische und regulatorische Entwicklungen anzupassen.
Offen bleibt damit weiterhin eine der zentralen Fragen im Umgang mit generativer Musik: Nach welchen branchenweit einheitlichen Kriterien ein Titel überhaupt als KI-generiert gelten soll. Streamingdienste, Vertriebe und Rechteinhaber benötigen dafür verlässliche Metadaten und gemeinsame Definitionen.
Auch Qobuz sieht die eigene Kennzeichnung deshalb nur als einen Schritt innerhalb einer größeren Entwicklung. Georges Fornay fordert gemeinsame Standards für Transparenz und Betrugsbekämpfung in der Musikindustrie. Einzelne Plattformen könnten eigene Regeln und Erkennungssysteme entwickeln, dauerhaft werde das Thema jedoch nur mit abgestimmten Verfahren innerhalb der Branche zu lösen sein.

