Kaffeehaus, Würstelstand und Austropop werden in der neuen Single zu Schauplätzen einer persönlichen Auseinandersetzung mit Zugehörigkeit, Ausgrenzung und österreichischer Identität.
Was bedeutet es heute, österreichisch zu sein? Und wer entscheidet darüber, wer dazugehört? Mit diesen Fragen beschäftigt sich Mwita Mataro in „Grüße Sie“. Der Wiener Musiker nimmt dafür Orte in den Blick, die eng mit dem österreichischen Alltag verbunden sind: Beisl, Kaffeehaus und Würstelstand.
Mataro kennt diese Orte nicht nur als Beobachter. Neben seiner Arbeit als Musiker und Filmemacher arbeitet er als Kellner in einem Wiener Kaffeehaus. Erfahrungen aus diesem Alltag fließen auch in „Grüße Sie“ ein. Der Song beschreibt Begegnungen unterschiedlicher Milieus und die Frage, wie stabil das vermeintliche Miteinander ist, wenn politische und gesellschaftliche Gegensätze deutlicher werden.
Dabei stellt Mataro zwei Situationen gegenüber. Im Kaffeehaus wird der politische Rechtsruck aus seiner Perspektive weitgehend ausgeblendet. Später am Würstelstand verändert sich die Stimmung. Als Schwarzer Österreicher nimmt er dort Ausgrenzung und Unsicherheit unmittelbarer wahr. Der alltägliche Ort wird so zur Kulisse für eine grundsätzliche Frage nach Zugehörigkeit.
Greifbar wird dieser Konflikt im Song durch die Figur des „Standl Peppi“. An ihr verhandelt Mataro, was passiert, wenn gesellschaftliche Spannungen nicht mehr abstrakt bleiben. Wird jemand aktiv, wenn andere ausgegrenzt werden, oder zieht er sich auf eine vermeintlich neutrale Position zurück?
Auch musikalisch hängt „Grüße Sie“ mit Mataros Beschäftigung mit österreichischer Identität zusammen. Austropop ist für ihn kein Begriff, von dem er sich abgrenzen möchte. Im Gegenteil: Er eignet sich das Genre bewusst an und verbindet es mit seiner eigenen Perspektive auf Österreich.
Dieser Ansatz begleitet sein Soloprojekt schon länger. Mataro hat darüber gesprochen, österreichisches Kulturgut mit migrantischen Themen verbinden zu wollen. Für ihn kann Austropop damit auch eine Möglichkeit sein, Vorstellungen davon zu erweitern, wer in österreichischer Popmusik sichtbar ist und welche Geschichten dort erzählt werden.
„Grüße Sie“ führt diesen Gedanken weiter. Statt Österreich von außen zu betrachten, beschäftigt sich Mataro mit dem Land aus einer Position der Zugehörigkeit heraus. Gerade daraus entstehen die Widersprüche des Songs. Vertrautheit und Fremdheit, Alltag und politische Anspannung liegen dicht beieinander.
Eine einfache Antwort auf die Frage nach österreichischer Identität liefert „Grüße Sie“ nicht. Der Song richtet den Blick vielmehr darauf, was Zugehörigkeit im Alltag bedeutet und was passiert, wenn das selbstverständliche Miteinander ins Wanken gerät.

