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DIIV: „ZIRP!“ bringt Shoegaze und Hyperpop zusammen

Mit ihrem fünften Studioalbum „ZIRP!“ schlagen DIIV ein neues Kapitel auf. Gemeinsam mit dem britischen Produzenten A. G. Cook öffnet die Band aus Brooklyn ihren bislang von dichten Gitarrenwänden geprägten Sound für eingängige Popmelodien.

Redaktionswertung
Leserwertung

Seit ihrem Debüt „Oshin“ (2012) gehören DIIV zu den prägenden Bands der neueren Shoegaze-Szene. Mit „Deceiver“ (2019) und „Frog in Boiling Water“ (2024) entwickelte das Quartett um Sänger und Gitarrist Zachary Cole Smith seinen Sound zunehmend in Richtung düsterer, verzerrter Gitarrenlandschaften in der Tradition von Bands wie My Bloody Valentine oder Mogwai. Auf „ZIRP!“ schlägt die Band nun einen anderen Weg ein, geht ihn aber nicht bis zum Ende.

Als Produzenten haben sich DIIV ausgerechnet A. G. Cook ins Studio geholt, der vor allem durch seine Zusammenarbeit mit Charli XCX und als Wegbereiter des Hyperpop bekannt wurde.

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Seine Vorliebe für digitale Klangexperimente trifft auf die analogen Gitarren von Zachary Cole Smith und Andrew Bailey. Das Ergebnis klingt stellenweise so konfus, so als höre man zwei völlig unterschiedliche Bands gleichzeitig.

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Kapitalismuskritik als Konzept

Der ungewöhnliche Albumtitel „ZIRP!“ steht für „Zero Interest Rate Policy“, also die Nullzinspolitik, die über Jahre billiges Kapital verfügbar machte und damit unter anderem den Aufstieg der Techindustrie begünstigte. DIIV beschäftigen sich mit den gesellschaftlichen Folgen dieser Entwicklung: wirtschaftlicher Ungleichheit, der Macht großer Technologiekonzerne und einer zunehmend von Algorithmen geprägten Gesellschaft.

Schon auf „Frog in Boiling Water“ hatten DIIV gesellschaftliche Krisen thematisiert. Auf dem neuen Album fallen die Texte direkter und bisweilen auch sarkastischer aus. In „The Crash“ geht es um einen drohenden wirtschaftlichen Zusammenbruch, während „Trillions“ die Maßlosigkeit des modernen Kapitalismus aufs Korn nimmt. „Evangelizer“ richtet den Blick auch auf die eigene politische Passivität. Musikalisch klingt diese Kapitalismuskritik allerdings ziemlich angepasst.

Mehr Pop, weniger Gitarrenwände

Der Opener „The Fountain“ knüpft mit seinen verzerrten Gitarren noch deutlich an den klassischen DIIV-Sound an, erweitert ihn aber um elektronische Effekte. „Dare Me“ verbindet einen dröhnenden Gitarrenriff mit digitalen Klangfragmenten, während „Us Against You“ mit Synthesizern Einflüsse aus dem New Wave aufgreift.


Besonders deutlich wird die neue Ausrichtung bei „Kid“. Der Song beginnt als melodisches Dream-Pop-Stück, bevor ein rauer Gitarrenausbruch die harmonische Oberfläche durchbricht. Hier krachen Cooks glattgeleckte elektronische Produktion und der rohe DIIV-Sound besonders heftig aufeinander. Das Ergebnis klingt aber sehr viel uninteressanter als die Idee dahinter.

Deutlich weiter entfernt sich „Trillions“ von den bisherigen Veröffentlichungen der Band. Smiths Stimme wird mit Auto-Tune verfremdet, dazu kommen federnde Indie-Pop-Rhythmen und elektronische Spielereien. Das Stück dürfte langjährige Fans der Band besonders herausfordern.

Die digitale Produktion nimmt den Gitarren gelegentlich jene klangliche Tiefe, die Alben wie „Deceiver“ auszeichnete. Einige Songs wirken dadurch weniger intensiv, während die politischen Texte mitunter recht schlicht ausfallen.

„I will own a big, big house with a big gold floor
And I’ll have a billion dollars saved when I’m twenty-four
I will have the fastest car and a big old brain
And I’ll have a boat and some kind of big old fucking plane“
DIIV – Trillions

Die ersten Kritiken fallen entsprechend gemischt aus. Während die neuen Melodien und die Experimentierfreude zwar Anerkennung finden, bemängeln andere den Verlust jener düsteren Intensität, die DIIV bislang ausgezeichnet hat.

Ob diese Ästhetik im KI-Zeitalter nun besonders zeitgemäß ist oder ob man auf diesen produktionstechnischen Overkill gerade deshalb verzichten sollte, ist eine Diskussion, mit der wir es in nächster Zeit vermutlich noch häufiger zu tun haben werden. Live dürfte sich diese Frage zum Glück von selbst erledigen.