Mit “JOKA” veröffentlichen Gidon Carmel und Kyle Morton (Typhoon) ein Konzeptalbum, das auf einer außergewöhnlich persönlichen Geschichte basiert. Ausgangspunkt war eine Kiste mit Briefen, die Carmel 2018 im Keller seiner Eltern entdeckte. Geschrieben wurden sie von seiner Großmutter Joka, die er selbst nie kennengelernt hatte, da sie bereits 1978 verstorben war. Aus der Beschäftigung mit diesen Briefen entwickelte sich über drei Jahre hinweg ein musikalisches Erinnerungsprojekt, das Jokas Lebensgeschichte nachzeichnet – von ihrer Deportation nach Auschwitz über die Zeit nach dem Holocaust bis zu ihrem Leben in Israel.
Für die Arbeit an dem Album sichtete Carmel Dokumente, Fotografien und Familienzeugnisse, führte Gespräche mit Angehörigen und beschäftigte sich intensiv mit den Erinnerungen seiner Urgroßmutter Gitta. Deren Bericht über die Zeit vor der Deportation wurde zu einem zentralen Ausgangspunkt des Albums. Besonders ein Moment prägte die Entstehung von “JOKA”: die Erinnerung daran, wie Gitta ihre Kinder fragte, ob sie dem bevorstehenden Leid entgehen wollten. Beide entschieden sich für das Leben – ein Motiv, das sich durch das gesamte Werk zieht.
Die elf Songs erzählen Jokas Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven. Zu Wort kommen Familienmitglieder wie ihre Mutter, ihr Bruder, ihr Ehemann und ihr Sohn, aber auch Menschen, die ihr auf ihrem Lebensweg begegneten. Dabei geht es den beiden Künstlern nicht um historische Vollständigkeit, sondern um die Annäherung an einen Menschen, dessen Leben sich nur in Fragmenten rekonstruieren lässt.
Musikalisch entstand das Album in enger Zusammenarbeit zwischen dem in Berlin lebenden Musiker und Produzenten Gidon Carmel und Kyle Morton, Sänger und Hauptsongwriter der US-amerikanischen Indie-Rock-Band Typhoon. Morton war zunächst als Produzent beteiligt, entwickelte sich im Verlauf des Projekts jedoch zu einem zentralen kreativen Partner und Co-Autor. Zwischen Berlin und Portland entstanden Songs, die historische Quellen mit persönlicher Perspektive verbinden.
“JOKA” versteht sich ausdrücklich nicht als historisches Lehrstück, sondern als Erinnerungsprojekt und künstlerisches Statement gegen Krieg, Entmenschlichung und die politische Instrumentalisierung von Gedenken. Im Mittelpunkt steht die Überzeugung, dass hinter jeder Zahl und jeder historischen Statistik individuelle Schicksale stehen. Genau diesen Menschen und ihren Geschichten möchten Carmel und Morton mit ihrem Album eine Stimme geben. Als Zeichen dieser Haltung wird das Album “JOKA” nicht auf Spotify veröffentlicht. Ein Teil der Erlöse geht an die Hilfsorganisationen PCRF und Standing Together.
