Zum Inhalt springen

Blondshell – „Violins“: Alternative Rock mit Haltung und Kante

Blondshell (Foto: GrandstandHQ)
Redaktionswertung
Hörerwertung

Mit „Violins“ legt Blondshell ihr drittes Album vor und schärft darauf ihre gekonnte Melange aus Alternative Rock, Grunge und Indie. Sabrina Teitelbaum bleibt den verrauschten Gitarren und der Dynamik der Neunzigerjahre treu, entwickelt ihr Songwriting aber deutlich weiter.

Erst im vergangenen Jahr erschien „If You Asked for a Picture“, nun folgt bereits der nächste Schritt. Trotz seines Titels ist „Violins“ kein Ausflug in orchestrale Gefilde. Im Zentrum stehen weiterhin Gitarren, die mal kantig und trocken, mal breit und verhallt klingen, dazu schwere Drums und Teitelbaums lakonischer Gesang.

Referenzen an den Alternative Rock der Neunziger sind unüberhörbar, wirken aber selten wie bloße Nostalgie. Schließlich ist die Künstlerin erst im Jahr 1997 geboren, drei Jahre nach dem Ableben von Kurt Cobain und dem damit einhergehenden Ende von Grunge.

Alle Anzeigen dauerhaft ausblenden

Einer der stärksten Songs ist „Heart Has to Work Out“, dessen sperriges Riff und druckvolle Drums eine Geschichte über weibliche Freundschaft tragen. Nähe, Konkurrenz und unausgesprochene Spannungen greifen ineinander, ohne dass Teitelbaum daraus eine einfache Erzählung macht. Ähnlich ambivalent fällt „Stone Fruit“ aus, wo intensive Zuneigung eine fast bedrohliche Seite bekommt.

Alle Anzeigen dauerhaft ausblenden

„New Age Trojan Horse“ klingt zunächst vergleichsweise hymnisch und erinnert stellenweise an Achtzigerjahre-Rock. Inhaltlich geht es um männliche Selbstdarstellung und progressive Posen, hinter denen alte Rollenbilder weiterleben. Auf „Sea Legs“ wird es ruhiger, zudem verweist Teitelbaum hier auf Leonard Cohens posthum erschienene Poesie-Sammlung „The Flame“, dessen Verbindung von Melancholie, Humor und romantischer Skepsis prägt Künstler bis heute beeinflusst.

Blondshell: Biografie

Blondshell ist das Alternative-Rock-Projekt der US-amerikanischen Musikerin Sabrina Teitelbaum. Aufgewachsen in Manhattan und heute in Los Angeles zu Hause, verbindet sie den Gitarrensound der Neunzigerjahre mit sehr persönlichem Songwriting. Einflüsse von Hole, PJ Harvey, Liz Phair oder den Replacements treffen dabei auf ein Gespür für eingängige Melodien, das Teitelbaum schon früh entwickelte.

Musik spielte bereits in ihrer Kindheit eine wichtige Rolle. Teitelbaum begann früh Songs zu schreiben, nahm Gesangsunterricht, brachte sich Klavierspielen bei und trat als Jugendliche bei Open-Mic-Abenden in New York auf. Nach der Schule zog sie mit 18 Jahren nach Los Angeles, um an der Thornton School of Music der University of Southern California zu studieren. Nach zwei Jahren brach sie das Studium ab und konzentrierte sich auf ihre eigene Musik.

TONSPION+

Jede Woche alle neuen Alben, Filme und Podcasts. Dazu aktuelle Hintergründe und spannende Newcomer.

• Alle Artikel lesen
• Optional werbefrei
• Exklusive Verlosungsaktionen

Jetzt abonnieren


Erste Veröffentlichungen als BAUM

Ihre ersten Veröffentlichungen erschienen unter dem Namen BAUM. Seit 2014 stellte sie Songs auf SoundCloud, zunächst geprägt von Singer-Songwriter-Pop, später stärker von elektronischen Produktionen. Das Projekt brachte ihr erste Aufmerksamkeit, entsprach musikalisch jedoch zunehmend weniger dem Sound, den sie eigentlich machen wollte.

Während der Pandemie zog Teitelbaum schließlich einen Schlussstrich unter BAUM. In ihrer Wohnung in East Los Angeles begann sie Songs zu schreiben, ohne darüber nachzudenken, wie sie sich vermarkten oder in ein bestimmtes Popformat einpassen ließen.

Dabei rückten jene Gitarrenbands in den Vordergrund, mit denen sie aufgewachsen war oder die sie in dieser Zeit intensiv hörte: Hole, PJ Harvey, Patti Smith und Mitski gehörten ebenso dazu wie Britpop und amerikanischer Indie Rock. Aus diesem Wechsel entwickelte sich Blondshell.

Blondshell (2023)

Mit „Olympus“ erschien 2022 die erste Single unter dem neuen Namen. Weitere Songs wie „Kiss City“, „Sepsis“ und „Joiner“ folgten, bevor Blondshell 2023 ihr selbstbetiteltes Debüt bei Partisan Records veröffentlichte. Produziert wurde das Album von Yves Rothman, der bereits mit Yves Tumor, Girlpool und Porches gearbeitet hatte. Der rohe Gitarrensound und Teitelbaums direkte Art zu schreiben machten Blondshell schnell zu einer der auffälligeren neuen Stimmen im amerikanischen Indie und Alternative Rock.

If You Asked For A Picture (2025)

2025 folgte mit „If You Asked for a Picture“ das zweite Album. Der Titel ist einem Gedicht der amerikanischen Lyrikerin Mary Oliver entlehnt. Musikalisch erweiterte Teitelbaum ihren Sound, ohne die Gitarren aus dem Zentrum zu verdrängen. Erneut arbeitete sie mit Yves Rothman zusammen. Im selben Jahr erschien mit „Another Picture“ eine ergänzende Veröffentlichung mit neuen Songs, Live-Aufnahmen und Beiträgen von Künstlerinnen und Künstlern wie Gigi Perez, Samia und Conor Oberst.

Violins (2026)

Mit „Violins“ veröffentlicht Blondshell 2026 bereits ihr drittes Album, erneut produziert mit Rothman. Darauf erweitert Teitelbaum ihren Alternative-Rock-Sound um Einflüsse von Gang of Four, Teenage Fanclub, The Go-Betweens und Sade. Gleichzeitig wird ihr Songwriting bildhafter und weniger unmittelbar als auf dem Debüt. „Violins“ erscheint damit als nächster Entwicklungsschritt einer Musikerin, die über den Umweg eines früheren Popprojekts zu einem Gitarrensound gefunden hat, der sehr viel stärker ihrer eigenen musikalischen Sozialisation entspricht.