Wie von der Kette gelassen, rasen Fat Dog aus London durch einen gut gepflegten Genre-Garten und jagen Rave, Punk und Pop durch einen wilden wie wuchtigen Mix. Ihr zweites Album “Cancel Me (I’m Tired)” pendelt dabei zwischen Ekstase und kompletter Erschöpfung.
Ach du dicker Hund… Diesen deutschen Ausdruck des Erstaunens kennt diese fünfköpfige Band aus Brixton garantiert nicht, doch ihr Band-Name passt perfekt zum Spruch, denn ihr genresprengender Sound ist erstaunlich sonders gleichen: Hier explodiert geradezu ein wilder Mix aus Elektropunk, Art-Rock, Rave-Hymnen, Klezmer-Sounds und Industrial-Pop – sowie einer gehörigen Portion theatralischem Wahnsinn.
Zudem erklärt die Band, die erste Biografie zu ihrem Debüt „Woof“ aus dem Jahr 2024, sei komplett erlogen – jetzt enthalte diese zumindest 75 Prozent an wahren Fakten. Absurditäten und Widersprüche gehören zum Konzept und auch der neue Albumtitel “Cancel Me (I’m Tired)” zwischen Aggression und Ermüdungszustand spiegelt genau das wieder, was ihren wilden Sound ausmacht.
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Und auch inhaltlich kreist “Cancel Me (I’m Tired)” um Themengebiete wie Überforderung, Cancel Culture, Liebe und die Frage, warum die Aliens bislang keinen Kontakt zu uns Menschen aufgenommen haben. Ein bisschen Weirdness muss in dem klassischen Katalog bei Fat Dog schließlich auch stecken. Die Vermutung der Band lautet jedenfalls: Vielleicht finden sie uns einfach zu nervig wie sie im leisen croonigen schwülstigen Pulp-esken Schlusssong „Aliens“ behaupten.
Fat Dogs Musik zerrt jedenfalls laut und gewaltig an den Nerven – jedoch im positiven Sinn. Sie klingen, als wollten sie permanent zu viel auf einmal und treffen damit den Nerv einer Gegenwart, die selbst selten zur Ruhe kommt.
„Shit Love“ ist beispielsweise ein kaputter überdrehter Rave-Banger zwischen Scooter und The Streets, der zudem im Text „Manic Monday“ von den Bangles zitiert und Prodigy halluziniert. Der Opener „Smile And Wave“ ein durch den Wolf gedrehte Inspiration von John Lennons „How Do You Sleep?“ mit Metallica-Gitarren.
Es gibt aber auch scheinbar liebliche Synth-Pop-Songs wie das fucking catchy „Go Fuck Yourself“ zwischen Italo und Eighties. Drei Minuten lang flackert dieser Track wie ein übersteuerter Rave-Fiebertraum aus einer Zeit, in der Eskapismus noch als politische Geste durchging und nicht als Lifestyle-Accessoire.
Die Aggression richtet sich dabei weniger nach außen als gegen das eigene Spiegelbild, gegen die Erschöpfung der Dauergegenwart und gegen jene Form der Selbstverstrickung, die sich durch jede Timeline zieht.
Dieser Fat Dog kann immer noch nicht an der Leine gehen, aber er könnte und er hat nichts von seinem Freiheitsdrang und seiner Spielfreude eingebüßt. Live hat sich Fat Dog den Ruf erspielt, sein Publikum zu elektrisieren. In diesem Sinn, sei ein Besuch der Herbstkonzerte in Deutschland sehr ans Herz gelegt.
Fat Dog Live
04.11.2026 Köln, Kantine
05.11.2026 Hamburg, Molotov
06.11.2026 Berlin, Festsaal Kreuzberg
Biografie Fat Dog
Gegründet 2020 während des Corona-Lockdowns galten Fat Dog dank ihrer schweißtreibenden und intensiven Konzerten seit einiger Zeit als Geheimtipp in London. Die Band aus dem Süden der britischen Hauptstadt besteht aus Joe (Leadgitarre und Gesang), Jazz (Gesang und Keyboards), Will (Synthesizer), Johnny (Schlagzeug) und Ben (Bass), gelegentlich werden sie begleitet von einem Saxophonisten namens Morgan.
Schon bevor die Band eine einzige Single veröffentlicht hatte, machte sie sich einen Namen als exzessiver Live-Act. Der Ruf eilte den Songs voraus. NME bezeichnete Fat Dog 2023 als „wildeste Live-Band des Jahres“. Es folgten Support-Shows für Viagra Boys und Yard Act sowie eine ausverkaufte Headline-Show in der Londoner Scala.
2023 unterschrieben Fat Dog beim renommierten Label Domino Recording Company. Im selben Jahr erschien mit „King of the Slugs“ ihre epische Debütsingle. Der siebenminütige Track verbindet Punk-Energie mit technoider Härte. Das dazugehörige Video inszenierte Dylan Coates. Der Song landete auf Platz 33 der 50 besten Songs des Jahres 2023 bei NME und markierte den offiziellen Startschuss einer Band, die zuvor vor allem durch Konzerte aufgefallen war.
Im Januar 2024 folgte „All the Same“, begleitet von einem Video mit Schauspieler Neil Bell. Einen Monat später erschien ein Remix des Stücks von Mandy, Indiana. Weitere Singles wie „Running“, „I Am the King“ und „Wither“ verdichteten das Profil der Band. Mit „Peace Song“ und „Pray to That“ kündigten sich weitere Veröffentlichungen an, letztere für 2025.
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Am 6. September 2024 erschien schließlich das Debütalbum „WOOF.“ bei Domino. Das Album erreichte Platz 16 der britischen Albumcharts und Platz 5 in Schottland. „WOOF.“ bündelt die stilistische Offenheit der Band: Tanzmusik trifft auf Punk, dazu kommen Elemente aus Klezmer und eine bewusst überdrehte Dramaturgie. Frontmann Joe Love nennt unter anderem die Musik des Videospiels Serious Sam als Einfluss, was den Hang zu überzeichneter Energie und ironischer Brechung erklärt.
Mit Angaben zu ihrer Biografie sollte man jedoch vorsichtig sein: Die Band behauptet, ihre erste Bandbiografie sei voller Lügen gewesen. In Japan mussten sie sich auf ihrer Tour daraufhin Fragen zu einer angeblichen Familiengeschichte als Truthahnzüchter stellen – eine dieser Erfindungen hatte dort offenbar ein bemerkenswert langes Nachleben. Die neue Biografie, versichern sie, enthalte immerhin 75 Prozent Wahrheit. Absurdität und Verrücktheit gehört jedenfalls auch musikalisch zur DNA von Fat Dog, die in ihrem Sound Elektropunk, Art-Rock, Rave-Hymnen, Klezmer-Sounds und Industrial-Pop zu einem wilden infektiösen Sound miteinander vermischen.
Diskografie Fat Dog
2024: Woof
2026: Cancel Me (I’m Tired)

