Deichkind

Deichkind ist eine deutsche Hip-Hop und Electropunk Gruppe aus Hamburg. Im Verlauf der 2000er Jahre haben sie sich zu einer der wichtigsten deutschen Bands entwickelt.

Deichkind (Pressefoto / Credit: FKP Scorpio)

Deichkind (Pressefoto / Credit: FKP Scorpio)

Die unglaubliche Energie der Band konnte nur Corona stoppen, aber Deichkind wäre nicht Deichkind, wenn sie einfach ein ganzes Jahr den Fans schenken würden: Alle geplanten Open-Air-Termine werden unter dem Motto „PARTY 2.0.2.1.“ ins nächste Jahr verlegt und derweilen langweilen sich die Hamburger wie sie schreiben:

„Wir lutschen ebenso wie Ihr seit Wochen Seifenstücke rund und machen Kompott aus allem (Bier, Blumen, Aktien). Wir bauen Schildkrötenwanderwege, ölen Abrissbirnen, obwohl sie noch nicht abgelaufen sind“.

Dabei haben sie auf dem Album „Wer sagt denn das?“ Ende 2019 die Steilvorlage für viele verrückte neue Auftritte gegeben und „Richtig gutes Zeug“ abgeliefert:

Biografie Deichkind:

„Leider Geil“, „Bück Dich Hoch“, „Remmidemmi“ – an den Songtiteln bzw. Parolen von Deichkind kam in den letzten Jahren wirklich niemand vorbei. Zwischen Hip-Hop und Electro(-punk) hat die Band ihren eigenen „Tech Rap“ etabliert und dabei insbesondere mit den aktuelleren Alben ein erstaunliches Gespür für Hits entwickelt.

1997: Dabei war der Anfang für Philipp Grütering (Kryptik Joe), Malte Pittner und Bartosch Jeznach (Buddy Buxbaum) gar nicht so einfach. Denn ironiegeschwängerten Rap auf Plattdeutsch muss man der verbissenen Hip-Hop-Szene im Jahr 1997 erstmal beibringen, beim ersten Konzert bewirft das Publikum die Band mit Tomaten.

2000 schaffen sie jedoch schon den ersten Mainstream-Erfolg mit dem Video zu „Bon Voyage (Feat. Nina MC) vom Debütalbum „Bitte ziehen sie durch“, das auf MTV und VIVA ziemlich oft läuft und auf dem Album werden sie von Dendemann oder Nico Suave unterstützt.

2005: Dass Deichkind aber noch längst kein Massenprodukt sind, beweist der Bundesvision Songcontest von Stefan Raab: Mit ihrem abgedrehten Song „Electric Super Dance Band“ landen sie auf Platz 14 von 16. Dennoch bleibt der Auftritt in Silberanzügen und mit seltsamen Posaunisten im Gedächtnis haften.

2006 erscheint schließlich das Album „Aufstand im Schlaraffenland“ und etabliert erstmals den musikalischen Stil, der später auch für die großen Hits sorgen sollte: Electro- und Disco dominieren, Hip-Hop tritt in den Hintergrund. Im selben Jahr musste Malte Pittner die Band verlassen, ein Jahr darauf wurde Sebastian Dürre (Porky) zum festen Mitglied. Nur ein weiteres Jahr später gab auch Buddy Buxbaum seinen Ausstieg bekannt und wurde durch Ferris MC alias Ferris Hilton ersetzt.

2009: Im Februar stirbt mit nur 32 Jahren überraschend Produzent Sebastian Hackert (Sebi), der maßgeblich für den Sound verantwortlich war, doch die Band entscheidet sich nach längerer Überlegungszeit jedoch dazu, das Projekt fortzusetzen. Eine gute Entscheidung, sollten die kommenden Jahre doch die bislang erfolgreichsten der Bandgeschichte werden.

2010 tritt Deichkind beim ersten eigenen Theaterstück namens „Deichkind in Müll – Eine Diskurs-Operette“ in Hamburg auf und legt einen weiteren Grundstein für ihren Ruf als durchgeknallte Live-Akteure. Die Band selbst nennt ihre Shows „Kindergeburtstag für Erwachsene“, das Publikum wird dabei stets miteinbezogen, wenn Bandmitglieder beispielswiese mit einem Schlauchboot auf den Zuschauern „crowdsurfen“. Es gibt jede Menge exaltierte Requisiten für den Exzess, wie herumfahrende Podeste, sogenannte Omnipods, die mittlerweile sogar zum Patent angemeldet wurden.

2012: Das Album „Befehl von ganz unten“ der Partymonster schafft es dann sogar bis auf Platz 2 der Charts und etabliert quasi zeitgleich Begriffe wie „Leider geil“ (Österreichs Jugendwort des Jahres 2012), „Like Mich Am Arsch“ und „Bück dich hoch“ in der Jugend- und Interntsprache.

2015 toppt diesen Erfolg, denn mit „Niveau Weshalb Warum“ erscheint das sechste Album, das direkt auf Platz 1 der deutschen Singlecharts einsteigt. Im Oktober 2018 gibt Ferris MC bekannt, die Band verlassen zu wollen, um sich verstärkt auf seine Solokarriere zu konzentrieren.

Deichkind verbinden seit jeher Humor und Ironie auf vielleicht einzigartige Weise mit Melancholie und dem nötigen Ernst. Und um dieser Mischung die nötige Energie zu geben, spielen die Live-Shows eine elementare Rolle. Zwischen Genie und Wahnsinn, Kostümparty und Dada-Ansatz hat sich die Band zu einem der besten Live-Acts Deutschlands entwickelt.

2019: Über vier Jahre nach der Veröffentlichung vom bis dato erfolgreichsten Album „Niveau weshalb warum“ gibt es ein neues musikalisches Lebenszeichen der geschrumpften Band. Das Video zur Single „Richtig Gutes Zeug“ hat nicht nur Lars Eidinger in der Hauptrolle, sondern dient auch dazu, wieder eine neue Deichkind-Tour für 2020 anzukündigen. Im September 2019 folgt dementsprechend das neue Album „Wer sagt denn das?„.

Die Corona-Epidemie hat aber auch die Jungs in den Plastikanzügen und Hüten in Form eines Tetraeders gestoppt, allerdings nur vorerst, denn 2020 wird alles nachgeholt. Derweil heißt es erstmal „Keine Party“…

Diskografie Deichkind

2000: Bitte ziehen Sie durch

2002: Noch fünf Minuten Mutti

2006: Aufstand im Schlaraffenland

2008: Arbeit nervt

2012: Befehl von ganz unten

2015: Niveau weshalb warum

2019: Wer sagt denn das?