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Am Puls der Zeit: Shoreline – „Growth“ (Album)

  • Rubrik: News

Schon fast seit der Geburt des Genres streiten sich Musikfans, ob Punk nun tot ist oder nicht. Shoreline liefern mit ihrer zweiten Platte ein gewichtiges Argument für die Lebendigkeit.

Heute ist das zweite Album der Münsteraner Punkband Shoreline erschienen. „Growth“ versammelt hinter einem wunderschönen Cover der kanadischen Designerin Phoebe Wong zwölf Songs, die pointiert viele Fragen der aktuellen Generation stellen. Klimakrise, kritischer Konsum, Rassismus – die Band antwortet auf zahlreiche Zerwürfnisse der Gegenwart.

SHORELINE feat. KOJI - Konichiwa (Official Video)

Schon vorab hatten Shoreline mit einigen Vorab-Singles Interesse für ihr neues Projekt geweckt. Dabei wurde immer wieder auch deutlich, wie viel brachialer die Band in ihrem Sound geworden ist. Der Song „Konichiwa“ feat. KOJI zum Beispiel ist eine wütende Reaktion auf die Erfahrungen, die Sänger Hansol Seung mit antiasiatischem Rassismus gemacht hat – ein Thema, das man selbst in rassismuskritischen Kreisen in dieser Spezifität immer noch selten hört.

Nachdem ihre ersten Veröffentlichungen via Uncle M erschienen waren, haben Shoreline für ihr neuestes Album erstmals mit End Hits Records zusammengearbeitet. So ist es zum Beispiel auch zu erklären, dass der dem Label nahestehende Brian McTernan von den Hardcore-Legenden Be Well einen Feature-Part liefert. Ebenso sind aber auch spannende Bands aus der deutschen Punk-Riege vertreten: Sowohl Nervus als auch Smile And Burn sind auf „Growth“ zu hören.

Foto: Kathi Sterl

Dass Shoreline in ihrem Genre und ihrer Szene gefestigt sind, haben sie längst bewiesen: „Growth“ folgt auf eine Historie von mehr als 200 Shows, die die Band seit ihrem Bestehen gespielt hat. Darunter waren zum Beispiel auch Support-Slots für Basement, Spanish Love Songs, Boston Manor oder Hot Water Music.

Auf einen alten Bekannten haben Shoreline bei der Produktion der Platte gesetzt. Jochen Stummbillig von Kaputtmacher hatte bereits die EP “You Used To Be A Safe Place” (2018) und das Debütalbum “Eat My Soul” zu verantworten. Zusammen haben Band und Produzent eine Platte mit sehr ambivalentem Sounddesign erschaffen. Schwere Drums werden von nahezu cleanen Gitarren umgarnt, während zeitgenössische Pop-Passagen die moderne Hardcore/Punk-Produktion immer wieder hymnisch durchbrechen.

Shoreline nutzen diesen Sound für eine Platte, die Punk so gegenwärtig wie lange nicht macht. Hinter „Growth“ steckt die Lebenswelt einer gesellschaftlichen Gruppe, die sich in ihrer Zukunft und ihrer Gegenwart so viel zu sorgen hat, dass sie gar nicht anders kann, als aktiv dagegen zu kämpfen. Aus vielen der Songs wird deutlich, dass private Probleme oft politische Hintergründe haben und beides so untrennbar miteinander verbunden ist.

„Growth“ ist seit heute via End Hits Records erschienen. Ihr Album veröffentlichen Shoreline digital, als CD und in mehreren Vinyl-Varianten.

Christian Wollart

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